• PLAGIATE | Plagiate in der Wissenschaft

    • Auch im wissenschaftlichen Bereich spielt das Thema Plagiate eine (leider) nicht unerhebliche Rolle. Spätestens seit der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg im Jahr 2011 ist das Thema in aller Munde. Seitdem wurden einigen prominenten Persönlichkeiten ihre Doktortitel nachträglich aberkannt. Einer der bekanntesten Fälle ist jener der ehemaligen Bundesministerin Annette Schavan.


      Rückblick: Der Fall Schavan

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      2013 wurde der damaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung ihr Doktortitel Dr. phil. nach über 30 Jahren aberkannt. Der Universität Düsseldorf, wo Schavan ihre Promotion erlangte, wurden 2012 anonym Unterlagen zugespielt, welche das wissenschaftliche Fehlverhalten von Schavan zeigten. Zeitgleich wurde diese Materialsammlung über einen Blog (https://schavanplag.wordpress.com/) im Internet veröffentlicht. Daraufhin wurde seitens der Hochschule ein Gutachten erstellt, in dem Passagen innerhalb der Doktorarbeit ermittelt wurden, bei denen Schavan nicht korrekt bzw. gar nicht zitiert hatte. Festgestellt wurde das „charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise […]“ (Verwaltungsgericht Düsseldorf 2014, 3). Die Anzahl an Täuschungsverstößen lag bei insgesamt 60 Befunden (vgl. Verwaltungsgericht Düsseldorf 2014, 28). Die Dissertation wurde danach für ungültig erklärt und der Doktorgrad wurde zurückgenommen (vgl. Verwaltungsgericht Düsseldorf 2014, 6). Dagegen klagte Schavan im Anschluss vor dem Verwaltungsgericht in Düsseldorf. Die sogenannte Anfechtungsklage wurde allerdings im März 2014 als unbegründet abgewiesen (vgl. Verwaltungsgericht Düsseldorf 2014, 13). Das Gericht hatte die entsprechenden Stellen aus dem Gutachten erneut bewertet und sah diese ebenfalls als Grundlage, dass die Arbeit als eine „nicht eigenständige Leistung der Klägerin zu werten“ ist (Verwaltungsgericht Düsseldorf 2014, 18f.).



      Übrigens: Das Recherchenetzwerk VroniPlag hatte die Doktorarbeit von Schavan ebenfalls überprüft. Die Mitglieder entschieden sich allerdings mit knapper Mehrheit gegen eine Veröffentlichung der Ergebnisse auf ihrer Plattform, da diese nicht so schwerwiegend seien. Normalerweise geschieht eine Veröffentlichung der Vorwürfe, wenn sich auf mehr als 10% der Seiten Plagiate befinden. Schavan lag knapp über diesen 10%, hauptsächlich wegen unsauberer Zitierweisen (vgl. SPIEGEL Online 2012). Die Veröffentlichung des Plagiatsvorwurfs auf dem Blog wurde dann von einem Mitglied von VroniPlag verbreitet, welches die vorherige Entscheidung nicht mittragen wollte.


      Beispiele aus der Doktorarbeit

      Beispiel 1: Veränderung des Satzbaus, aber ohne Kennung übernommen (Verwaltungsgericht Düsseldorf 2014, 31)
      Original Helmut Fend
      Doktorarbeit Schavan
      Der Mensch lebt nach Durkheim von Natur aus in einem unstabilen Zustand, in dem er von Trieben bedrängt wird. […] Eine Begrenzung und Zielsetzung erfolgt aber durch soziale Normen und Werte. Durch sie werden die Triebe und Wünsche der Mitglieder einer Gesellschaft in realisierbare Bahnen gelenkt. Eine moralische Ordnung ist für Durkheim ein umfassendes System von Verboten und Geboten. Ihr Ziel ist es, die Reichweite der möglichen Verhaltensweisen zu begrenzen. Nach Durkheim lebt der Mensch durch Triebe ständig bedrängt von Natur aus in einem instabilen Zustand. Erst durch soziale Normen und Werte erfährt sein Streben Begrenzung und Zielsetzung und werden die Triebe und Wünsche der Mitglieder einer Gesellschaft in realisierbare Bahnen gelenkt. Die Reichweite möglicher Verhaltensweisen wird durch die moralische Ordnung als dem umfassenden System von Verboten und Geboten bestimmt...

      Beispiel 2: Quelle wird nicht genannt (schavanplag.wordpress.com 2015, 19)
      Plagiat Schavan


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