• Chapter 1 Studifinder - 1.3  Potenzen, Wurzeln, Logarithmen - Wurzeln und Potenzen mit reellen Exponenten

      Inhalte mit Erklärungen

      Datum Sep 28, 2026
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      Wurzeln und Potenzen mit reellen Exponenten
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      Quadratwurzeln und n-te Wurzeln
      Definition 1
      Sei a∈ℝ,a≥0. Wir bezeichnen die Zahl b∈ℝ, welche größer oder gleich Null ist und deren Quadrat a ist, mit a (Quadratwurzel aus a):

      b=a   :⟺    b2 =a      (a,b≥0).

      In der Menge der reellen Zahlen existiert eine solche Quadratwurzel b zu jeder reellen Zahl a≥0.
      Der Term unter dem Wurzelzeichen wird auch Radikand genannt. Für bspw. a bezeichnen wir a als den Radikanden.

      Video 2
      In diesem Video wird die obige Definition der Quadratwurzel ausführlich erläutert.
      Wenn man nur positive Zahlen betrachtet, ist das Wurzelziehen die Umkehroperation des Quadrierens. Wir veranschaulichen diesen Zusammenhang für a∈ℝ,a≥0 wie folgt:
       
      \( a \overset{\phantom{x}^2}{\rightarrow} a^2 \overset{\sqrt{\phantom{x}}}{\rightarrow} a\)
       
      \( a^2 \overset{\sqrt{\phantom{x}}}{\rightarrow} a \overset{\phantom{x}^2}{\rightarrow} a^2 \)
       
      Bei negativen Zahlen ist das anders. Aus einer negativen Zahl kann man (in den reellen Zahlen) keine Wurzel ziehen. Wenn man eine negative Zahl quadriert und dann die Wurzel zieht, erhält man eine positive Zahl!
      Bemerkung: Es gilt (-5 )2 =25=5. Allgemeiner formuliert gilt für reelle Zahlen a, dass a2 =|a|. Aus a2 kann man immer eine Wurzel ziehen, da a2 ≥0 gilt.
      Satz 1
      Folgende Gleichungen gelten für Quadratwurzeln ( a,b∈ℝ):

      ab = ab,   a,b≥0     (W1) , a b = a b ,   a≥0,b>0     (W2) .

      Achtung - es gilt im Allgemeinen nicht: a+b=a+b. Dies wird zum Beispiel deutlich, wenn wir a=1 und b=1 wählen. Denn es gilt 2=1+1≠1+1=2.
      Klicken Sie hier, um die Beweise der Gleichungen für Quadratwurzeln anzuzeigen
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      Beweis zu (W1):
       
      Seien a,b∈ℝ,a,b≥0 und sei x∈ℝ diejenige Zahl, für die gilt x=ab, d.h. insbesondere x≥0. Dann gilt: \begin{eqnarray*} \quad x&=&\sqrt{a b} & |~ {...}^2\\ \Leftrightarrow x^2&=&a b & |~ a= \sqrt{a}\sqrt{a},~b= \sqrt{b}\sqrt{b}\\ \Leftrightarrow x^2&=&\sqrt{a}\sqrt{a}\sqrt{b}\sqrt{b} & ~\\ \Leftrightarrow x^2&=&(\sqrt{a}\sqrt{b})^2 & | ~ \sqrt{\phantom{x}}\\ \Leftrightarrow ~x &=&\sqrt{a}\sqrt{b} & ~ \end{eqnarray*}
      Beweis zu (W2):
       
      Seien a,b∈ℝ,a≥0,b>0 und sei x∈ℝ diejenige Zahl, für die gilt x= a b , d.h. insbesondere x≥0. Dann gilt:
      \begin{eqnarray*} \quad x&=&\sqrt{\frac{a}{b}} & |~ {...}^2\\ \Leftrightarrow x^2&=& \frac{a}{b} & |~ a= \sqrt{a}\sqrt{a},~b= \sqrt{b}\sqrt{b}\\ \Leftrightarrow x^2&=&\frac{\sqrt{a}\sqrt{a}}{\sqrt{b}\sqrt{b}} & ~\\ \Leftrightarrow x^2&=& \frac{\sqrt{a}}{\sqrt{b}} \cdot \frac{\sqrt{a}}{\sqrt{b}} & ~ \\ \Leftrightarrow x^2&=& (\frac{\sqrt{a}}{\sqrt{b}})^2 & | ~ \sqrt{\phantom{x}}\\ \Leftrightarrow ~x &=&\frac{\sqrt{a}}{\sqrt{b}} & ~ \end{eqnarray*}
      Bemerkung: Für die Argumentation in unseren Beweisen ist es wichtig, dass x≥0 gilt, denn sonst sind das Ziehen der Wurzel und das Quadrieren von Gleichungen keine Äquivalenzumformungen. Denn zum Beispiel gilt 16=4·4= 42 , aber es gilt auch (-4)·(-4)=(-4 )2 =16.

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      Beispiel 1
      Es gilt:

      4·16 = 416 , 25 5 = 25 5  .

      Wir werden hier nicht auf die numerische Bestimmung des Wertes von Wurzeln eingehen. Vorläufig verlassen wir uns dabei auf einen Rechner und nehmen die Ergebnisse einfach hin, z.B.:

      17 = 4,123105626... 91 = 9,539392014...

      Die drei Punkte am Ende der Dezimalentwicklung deuten an, dass der Wert nicht dem exakten Wert der Wurzel entspricht und dieser mit weiteren Nachkommastellen noch präziser angenähert werden kann. In Taschenrechnern wird immer nur die nach einer bestimmten Anzahl von Stellen gerundete, näherungsweise Berechnung einer Wurzel angegeben. Die „meisten“  Quadratwurzeln sind keine rationalen Zahlen, d.h. sie können auch nicht durch abbrechende oder periodische Dezimalzahlen dargestellt werden. Das schauen wir uns genauer für das Beispiel 2 an.
      Beweis der Irrationalität von Wurzel 2
      Für die Wurzel aus 2 erhalten wir etwa von einem Rechner die nachfolgende Entwicklung mit 20 Nachkommastellen:

      2=1,41421356237309504880...

      Wir überlegen, dass diese Entwicklung nicht abbrechen kann und nicht periodisch ist, also 2 nicht rational sein kann. Dies beweisen wir mit einem „indirekten Beweis“. Nehmen wir an, 2 sei eine rationale Zahl und damit wie folgt als Bruch darstellbar:

      2= m n ,   m,n∈ℕ  mit  m,n  teilerfremd.

      D.h. wir nehmen an, der Bruch m n ist vollständig gekürzt. Durch Quadrieren ergibt sich daraus:

      2= m2 n2    ⇔    m2 =2· n2 .

      Folglich ist 2 ein Teiler von m2 und da die Zahl 2 eine Primzahl ist, teilt 2 auch m, d.h. es gilt m=2·k mit k∈ℕ. Setzen wir m=2·k in obige Gleichung ein, so erhalten wir

      m2 =(2·k )2 =4· k2 =2· n2    ⇒   2 k2 = n2 .

      Nun ist aber die Zahl 2 auch ein Teiler von n2 und somit ebenfalls ein Teiler von n. Zusammenfassend ergibt sich, dass 2 ein Teiler von m und ein Teiler von n ist. Diese Tatsache steht aber im Widerspruch zu der Voraussetzung, dass m und n teilerfremd sind. Somit gibt es keine Darstellung von 2 als rationale Zahl.
       
      Wir gehen von der Quadratwurzel aus und verallgemeinern. Die Quadratwurzel einer nicht negativen Zahl a ist diejenige positive Zahl, deren Quadrat a ergibt. Die n-te Wurzel einer nicht negativen Zahl a ist nun diejenige positive Zahl, deren n-te Potenz a ergibt.
      Definition 2
      Sei n∈ℕ und sei a∈ℝ, a≥0 eine reelle Zahl. Wir bezeichnen die Zahl b∈ℝ, welche größer oder gleich Null ist und deren n-te Potenz a ergibt, mit an:

      b=an   ⇔    bn =a   (a,b≥0).

      Sprechweise: n-te Wurzel aus a.
      Wie bei den Quadratwurzeln existieren auch n-te Wurzeln in der Menge der reellen Zahlen zu jeder reellen Zahl a≥0. Das kann man mathematisch beweisen.

      Video 3
      In diesem Video wird die obige Definition der n-ten Wurzel ausführlich erläutert.
      Im allgemeinen Fall verlassen wir uns bei der näherungsweisen numerischen Berechnung einer n-ten Wurzel wieder auf den Rechner. Wir geben als Beispiel zwei Zahlenwerte auf 20 Stellen genau an:
      23=1,25992104989487316477…
      105=1,58489319246111348520…

      Beispiel 2
      Es gilt:
      83 = 2     denn     8= 23 , 814 = 3     denn     81= 34 , 710 10 = 7.

      Außerdem gilt für a∈ℝ:
      a4 4=|a|

      und allgemein für n∈ℕ:
      a2n 2n=|a|

      Satz 2
      Sei n∈ℕ und seien a,b∈ℝ. Wie bei den Quadratwurzeln gilt:
      abn = anbn,   a,b≥0    (W n 1), a b n = an bn ,   a≥0,b>0     (W n 2) .

      Klicken Sie hier, um die Beweise der Gleichungen für n-te Wurzeln anzuzeigen
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      Beweis zu (W n 1) :
       
      Seien a,b∈ℝ,a,b≥0, n∈ℕ und sei x∈ℝ diejenige Zahl, für die gilt x=abn, d.h. insbesondere x≥0. Dann gilt: \begin{eqnarray*} \quad x&=&\sqrt[n]{a b} & |~ {...}^n\\ \Leftrightarrow x^n&=&a b & |~ a= \underbrace{\sqrt[n]{a} \cdot \ldots \cdot \sqrt[n]{a}}_{\text{n-mal}},b = \underbrace{\sqrt[n]{b} \cdot \ldots \cdot \sqrt[n]{b}}_{\text{n-mal}} \\ \Leftrightarrow x^n&=&\underbrace{\sqrt[n]{a} \cdot \ldots \cdot \sqrt[n]{a}}_{\text{n-mal}} \cdot \underbrace{\sqrt[n]{b} \cdot \ldots \cdot \sqrt[n]{b}}_{\text{n-mal}} & ~\\ \Leftrightarrow x^n&=&(\sqrt[n]{a}\sqrt[n]{b})^n & | ~ \sqrt[n]{\phantom{x}}\\ \Leftrightarrow ~x &=&\sqrt[n]{a}\sqrt[n]{b} & ~ \end{eqnarray*}
      Beweis zu (W n 2) :
       
      Seien a,b∈ℝ,a≥0,b>0, n∈ℕ und sei x∈ℝ diejenige Zahl, für die gilt x= a b n, d.h. insbesondere x≥0. Dann gilt: \begin{eqnarray*} \quad x&=&\sqrt[n]{\frac{a}{b}} & |~ {...}^n\\ \Leftrightarrow x^n&=& \frac{a}{b} & |~ a= \underbrace{\sqrt[n]{a} \cdot \ldots \cdot \sqrt[n]{a}}_{\text{n-mal}},b = \underbrace{\sqrt[n]{b} \cdot \ldots \cdot \sqrt[n]{b}}_{\text{n-mal}} \\ \Leftrightarrow x^n&=&\frac{\overbrace{\sqrt[n]{a} \cdot \ldots \cdot \sqrt[n]{a}}^{\text{n-mal}}}{\underbrace{\sqrt[n]{b} \cdot \ldots \cdot \sqrt[n]{b}}_{\text{n-mal}}} & ~\\ \Leftrightarrow x^n&=& \underbrace{\frac{\sqrt[n]{a}}{\sqrt[n]{b}} \cdot \ldots \cdot \frac{\sqrt[n]{a}}{\sqrt[n]{b}}}_{\text{n-mal}} & ~ \\ \Leftrightarrow x^n&=& (\frac{\sqrt[n]{a}}{\sqrt[n]{b}})^n & | ~ \sqrt[n]{\phantom{x}}\\ \Leftrightarrow ~x &=&\frac{\sqrt[n]{a}}{\sqrt[n]{b}} & ~ \end{eqnarray*}
      Bemerkung: Für die Argumentation in unseren Beweisen ist es wichtig, dass x≥0 gilt, denn sonst ist das Ziehen der n-ten Wurzel keine Äquivalenzumformung. Denn zum Beispiel gilt 81=3·3·3·3= 34 , aber es gilt auch (-3)·(-3)·(-3)·(-3)=(-3 )4 =81.

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      Video 4
      In diesem Video begründen wir, warum das Wurzelgesetz für die Multiplikation von Quadratwurzeln und n-ten Wurzeln gilt.
      Lösen Sie die Aufgaben aus dem unten folgenden Video mithilfe des Wurzelgesetzes für die Multiplikation von Quadratwurzeln und n-ten Wurzeln.
       

      Video 5

      Video 6
      In diesem Video begründen wir, warum das Wurzelgesetz für die Division von Quadratwurzeln und n-ten Wurzeln gilt.
      Aufgabe 2
      Lösen Sie die Aufgaben aus dem unten folgenden Video mithilfe des Wurzelgesetzes für die Division von Quadratwurzeln und n-ten Wurzeln.
       

      Video 7
      Bruchzahlen als Exponenten von Potenzen
      Definition 3
      Wir schreiben Wurzeln auch als Potenzen ( a∈ℝ,a≥0):
      a 1 2 := a=a2 , a 1 n := an    mit  n∈ℕ.

      Schreibt man die n - te Wurzel als Potenz, so lautet die Definitionsgleichung der Wurzel:

      ( a 1 n )n = (an)n =a.

      Zur Erinnerung - für ganzzahlige Exponenten m und n gilt die Regel:

      ( an )m = anm =( am )n

      Wenden wir diese Formel einmal auf ( a 1 n )n an, folgt ( a 1 n )n = a 1 n ·n = a1 =a, also das richtige Ergebnis. Wir werden gleich sehen, dass dies kein Zufall ist und die Potenzgesetze auch gelten werden, wenn man Stammbrüche oder allgemeine Brüche als Exponenten zulässt.
      Als Nächstes erheben wir n-te Wurzeln in andere Potenzen. Für a≥0,m∈ℕ0 und n∈ℕ folgt mit den Rechenregeln für Wurzeln:

      (an)m = an·an·…·an ⏟ m- mal =   a·a·…·a ⏟ m-mal n = am n.

      Hieraus entnehmen wir:

      ( a 1 n )m = (an)m = am n= ( am ) 1 n .

      Die Terme ( a 1 n )m und ( am ) 1 n sind jeweils Potenzen einer Potenz. Dies erinnert an das Potenzgesetz (P′3): ( am )n = am·n für m,n∈ℤ. Wenn dies auch für rationale Exponenten gelten soll, so muss gelten ( a 1 n )m = a 1 n ·m = a m n und ( am ) 1 n = am· 1 n = a m n . Somit liegt nahe, für n∈ℕ und m∈ℕ0 zu definieren
      a m n := am n= (an)m .

      Definition 4: Potenzen mit Brüchen als Exponenten
      Für a∈ℝ, a≥0, n∈ℕ und m∈ℕ0 definieren wir

      a m n := am n= (an)m .

      Wir haben nun z.B. festgelegt, was 2 3 4 und 2 6 8 bedeutet. Es gilt natürlich 3 4 = 6 8 , aber ergibt unsere Definition auch, dass 2 3 4 = 2 6 8 gilt?
      Dazu setzen wir 2 3 4 = 23 4=:a und zeigen, dass 2 6 8 = 26 8 ebenfalls gleich a ist.
      Es gilt a= 23 4⇔ a4 = 23
      und damit folgt a8 = a4 · a4 = 23 · 23 = 26 .
      Damit erhalten wir a8 = 26 ⇔a= 26 8, also ist 23 4=a= 26 8 und damit gilt 2 3 4 = 2 6 8 .
      Für q∈ℚ, q>0 kann aq = a m n mit m∈ℕ0 , n∈ℕ berechnet werden, wobei immer dasselbe heraus kommt, wenn nur m n =q ist.
      Für negative Exponenten liegt nahe, a- m n := 1 a m n zu definieren. Wir erhalten dann die folgende Definition.
      Definition 5: Potenzen mit rationalen Exponenten
      Sei a∈ℝ, a>0 und r∈ℚ.
      Fall 1: r≥0, dann existiert m∈ℕ0 , n∈ℕ mit r= m n :
      ar := a m n = am n

      Fall 2: r<0, dann existiert m∈ℕ0 , n∈ℕ mit r=- m n :
      ar := a- m n = 1 am n

      Bemerkung: Wir haben oben am Beispiel begründet, warum die Definition für alle Brüche m n , die r darstellen, dasselbe Ergebnis liefert.

      Video 8
      In diesem Video wird erläutert, wie Wurzeln als Potenzen geschrieben werden können.
      Darauf aufbauend können wir nun die Potenzgesetze für Potenzen mit rationalen Exponenten formulieren.
      Satz 3: Potenzgesetze für rationale Exponenten
      Für alle a,b∈ℝ mit a,b>0 und r,s∈ℚ gelten folgende Gleichungen:
      ar · as = ar+s       (P1) ar as = ar-s       (P2) ( ar )s = ar·s       (P3) ar · br = (a·b )r       (P4) ar br = ( a b )r       (P5)

      Klicken Sie hier, um den Beweis der Potenzgesetze anzuzeigen.
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      Beweis der Potenzgesetze
      Der Beweis kann schrittweise erfolgen. Wir starten für (P1), (P3) und (P4) mit den natürlichen Zahlen als Exponenten, nehmen danach die ganzen Zahlen hinzu und schließlich auch die rationalen Zahlen.
      Es seien für den gesamten Beweis a,b∈ℝ, a,b>0.
      1. ℕ: Seien r,s∈ℕ. Dann gilt
        • (P1):
          ar · as = a·…·a ⏟ r-mal · a·…·a ⏟ s-mal = a·…·a ⏟ (r+s)-mal = ar+s
        • (P3):
          ( ar )s = ar ·…· ar ⏟ s-mal = a·…·a ⏟ r·s-mal = ar·s
        • (P4):
          ar · br = a·…·a ⏟ r-mal · b·…·b ⏟ r-mal = (a·b)·…·(a·b) ⏟ r-mal =(a·b )r
      2. ℤ: Die Potenzgesetze für ganzzahlige Exponenten erhält man aus a-r = 1 ar und einer Reihe von Fallunterscheidungen. Es gilt exemplarisch für das erste Potenzgesetz (r,s∈ℤ)
        • I: Es gelte r=0 oder s=0. Dann folgt
          • Sei r=0.
               ar · as = a0 · as =1· as = as = a0+s = ar+s
          • Sei s=0.
               ar · as = ar · a0 = ar ·1= ar = ar+0 = ar+s
        • II: r,s∈ℕ: siehe 1.
        • III: r∈ℕ,s∈ℤ,s<0
          \(a^r \cdot a^s = a^r \cdot a^{ - ( - s)} \overset{*}{=} a^r \cdot \frac{1}{a^{ - s}} = \frac{a^r}{a^{ - s}} \) \( \quad = \frac{\overbrace{a \cdot \ldots \cdot a}^{r\text{-mal}}}{\underbrace{a\cdot \ldots \cdot a}_{ (-s)\text{-mal}}}\)
          * Da (-s)∈ℕ gilt, kann die Definition für negative Exponenten angewendet werden.
          Gilt r>-s, dann folgt mit Kürzen a·…·a ⏞ r -mal a·…·a ⏟ (-s) -mal = a·…·a ⏟ r-(-s) -mal = a·…·a ⏟ r+s -mal = ar+s .
          Andernfalls ist r≤-s und es ergibt sich a·…·a ⏞ r -mal a·…·a ⏟ (-s) -mal = 1 a·…·a ⏟ (-s-r) -mal = 1 a·…·a ⏟ -(r+s) -mal = ar+s .
          In beiden Fällen kommt man also am Ende auf ar · as = ar+s .
        • IV: r∈ℤ, r<0, s∈ℕ: analog zu III.
        • V: r,s∈ℤ, r,s<0: analog zu II.
      3. ℚ: Man beweist die Potenzgesetze für rationale Exponenten mithilfe der Potenzgesetze für ganzzahlige Exponenten und indem r und s als Brüche dargestellt werden: r= m n bzw. s= p q (mit m,p∈ℤ und n,q∈ℕ).
        • (P1): \begin{eqnarray*} a^{r + s}& = &a^{\frac{m}{n} + \frac{p}{q}} = a^{\frac{mq + pn}{nq}}\\ &\overset{\text{Def.}}{=}& \sqrt[nq]{a^{mq+np}}\\ &\overset{\text{*}}{=}& \sqrt[nq]{a^{mq} \cdot a^{np}}\\ &\overset{\text{(W}_n\text{1)}}{=}& \sqrt[nq]{a^{mq}} \cdot \sqrt[nq]{a^{np}}\\ &\overset{\text{Def. 5.2 und 5.3}}{=}& a^{\frac{mq}{nq}} \cdot a^{\frac{np}{nq}}\\ &=& a^{\frac{m}{n}} \cdot a^{\frac{p}{q}} \\ & = &a^r\,\cdot a^s \end{eqnarray*} * Im Kapitel zu Potenzen mit ganzzahligen Exponenten haben wir gezeigt, dass für r,s∈ℤ gilt: ar · as = ar+s .
        • (P3) und (P4): Können analog zum Vorgehen für (P1) bewiesen werden
      4. Beweis von (P2):
        Seien r,s∈ℚ. Wir formen die linke Seite des Gesetzes (P2) äquivalent um, bis wir zur rechten Seite gelangen.
        \( \frac{a^r}{a^s} = a^r \cdot \frac{1}{a^{s}} \overset{\text{Def. und (P3)}}{=} a^r \cdot a^{-s}\) \(\overset{\text{(P1)}}{=} a^{r+(-s)} = a^{r - s} \)
      5. Beweis von (P5) :
        Sei r∈ℚ.
        • Fall 1: r≥0
          Wir formen die linke Seite des Gesetzes (P5) äquivalent um, bis wir zur rechten Seite gelangen:
          \(\frac{a^r}{b^r} = a^r\cdot\frac{1}{b^r} \overset{\text{Def.}}{=} a^r\cdot b^{-r} \overset{\text{(P3)}}{=} a^r\cdot \left(b^{-1}\right)^r$ $\overset{\text{Def.}}{=} a^r\cdot \left(\frac{1}{b}\right)^r \overset{\text{(P4)}}{=} \left(a\cdot \frac{1}{b}\right)^r = \left(\frac{a}{b}\right)^r\)
        • Fall 2: r<0
          Es gilt \(~~\frac{a^r}{b^r} \overset{\text{(P3) und Def.}}{=} \frac{b^{-r}}{a^{-r}}.\)
          Wenn r negativ ist, dann ist -r positiv und wir können den bereits bewiesenen Fall 1 anwenden.
          \(\frac{b^{-r}}{a^{-r}} \overset{\text{Fall 1}}{=} \left(\frac{b}{a}\right)^{-r} \overset{\text{(P3)}}{=} \left(\left(\frac{b}{a}\right)^{-1}\right)^r = \left(\frac{a}{b}\right)^r\)

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      Info 1
      Wir haben definiert, dass für n∈ℕ und a∈ℝ mit a≥0 gilt: an= a 1 n . Bemerkenswerterweise passen die Regeln für Potenzrechnung und die hier eingeführten Regeln für die Wurzelrechnung widerspruchsfrei zusammen. Sie können beliebig zwischen der Wurzeldarstellung mit Wurzelzeichen und der Darstellung von Wurzeln als Potenzen wechseln. Die Darstellungsform beeinflusst nicht das Ergebnis Ihrer Berechnungen.
      Potenzen mit irrationalen Exponenten
      Wir haben schrittweise Potenzen ar für r∈ℕ, r∈ℤ und r∈ℚ eingeführt und festgestellt, dass die Potenzgesetze immer weiter gelten. Nun stellt sich die Frage, ob wir auch für reelle, nicht rationale Exponenten eine Potenz definieren können. Welche Zahl könnte z.B. 23 darstellen? Die Idee ist, 3 durch eine Folge von rationalen Zahlen rn beliebig genau zu approximieren und 2 rn als beliebig genaue Näherungen für 23 zu nehmen.
      Die theoretische Existenz der Zahl 23 kann man durch Intervallschachtelungen sichern. Wir definieren zunächst über das Intervallhalbierungsverfahren eine Intervallschachtelung für 3.
      Wenn man auch für den Moment annimmt, 23 würde als Zahl existieren und die üblichen Abschätzungen für Potenzen würden gelten, dann könnte man wie folgt argumentieren:
       
      Das Intervallhalbierungsverfahren zur Bestimmung von Potenzen mit reellem Exponenten
       
      Das Intervall [1,2] wird halbiert und die Mitte (in diesem Fall also 1,5) wird quadriert und mit der Zahl 3 verglichen. Ist 3 größer als das Quadrat der Mitte, so befindet sich die Zahl 3 im rechten Teilintervall [1.5,2], andernfalls im linken Teilintervall [1,1.5]. Da 1,52 =2,25 ist, liegt 3 im Intervall [1.5,2] und somit 23 im Intervall [ 21,5 , 22 ]. So fortfahrend erhält man folgende Tabelle und somit durch die Intervallgrenzen Näherungswerte für 23 .
      Abschätzung für 3 Abschätzung für 23 Intervall für 23
      1<3<2 21 < 23 < 22 [2;4]
      1,5<3<2 21,5 < 23 < 22 [2,828427125; 4]
      1,5<3<1,75 21,5 < 23 < 21,75 [2,828427125; 3,363585661]
      1,625<3<1,75 21,625 < 23 < 21,75 [3,084421651; 3,363585661]
      1,6875<3<1,75 21,6875 < 23 < 21,75 [3,220980664; 3,363585661]
      1,71875<3<1,75 21,71875 < 23 < 21,75 [3,291510956; 3,363585661]
      1,71875<3<1,734375 21,71875 < 23 < 21,734375 [3,291510956; 3,327353161]
      1,7265625<3<1,734375 21,7265625 < 23 < 21,734375 [3,309383535; 3,327353161]
      Mit jedem weiteren Schritt verkleinert sich das Intervall, in welchem 23 nach unserer Berechnung liegen könnte. Diese Überlegung ist auch Basis für einen Existenznachweis. Dazu muss man allerdings zeigen, dass die Intervalle in der rechten Spalte der Tabelle beliebig schmal werden. Dann gibt es genau eine reelle Zahl, die in all diesen Intervallen enthalten ist. Diese Zahl nennen wir dann 23 .
      Info 2: Potenzen mit irrationalen Exponenten
      Sei a∈ℝ, a>0 und sei r eine irrationale Zahl ( r∈ℝ \ ℚ). Dann kann man eine eindeutige reelle Zahl ar theoretisch definieren.
      Näherungsweise kann man ar berechnen, indem man a rn berechnet, wobei rn die nach n Stellen abgebrochene Dezimalzahlbruchentwicklung von r ist.

      Beispiel 3
      Es gilt 3=1,7320508… und 23 =3,321997085…
      Die Werte
      21 =2,
      21,7 =3,24901…,
      21,73 =3,31728…,
      21,732 =3,32188…,
      21,7320 =3,32188…,
      21,73205 =3,321995…,
      21,732050 =3,321995…,
      21,7320508 =3,3219971…
      liefern immer genauere Annäherungen an die Zahl 23 .
      Satz 4: Potenzgesetze für beliebige reelle Exponenten
      Für alle a,b∈ℝ mit a,b>0 und r,s∈ℝ gelten folgende Gleichungen:
      ar · as = ar+s       (P1) ar as = ar-s       (P2) ( ar )s = ar·s       (P3) ar · br = (a·b )r       (P4) ar br = ( a b )r       (P5)

      Klicken Sie hier, um die Beweisidee zu den Potenzgesetzen für Potenzen mit reellen Exponenten anzuzeigen
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      Beweisidee: Die Potenzgesetze für beliebige reelle Exponenten kann man auf die von rationalen Exponenten zurückführen, indem man die reellen Exponenten durch rationale Exponenten annähert. Dazu braucht man Mittel der Hochschulanalysis.

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      Info 3
      • a,b>0 ist eine wichtige Voraussetzung für Potenzen bei denen auch nicht ganzzahlige Exponenten zugelassen werden, da sonst ar bzw. br nicht für alle r∈ℝ definiert ist.
      • Die Gleichungen ergeben stets zwei Rechenregeln. Man darf die linke Seite durch die rechte Seite ersetzen, man darf aber auch die rechte Seite stets durch die linke Seite ersetzen. Beides kann in praktischen Rechnungen hilfreich sein.
      Satz 5
      Für alle a∈ℝ mit a>0 und r∈ℝ gilt: ar >0.

       
      \(1+1\)