• Chapter 1 Studifinder - 1.8  Höhere Funktionen - Exponentialfunktionen

      Inhalte mit Erklärungen

      Datum Sep 28, 2026
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      Exponentialfunktionen
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      Exponentialfunktion zur Basis a

      Definition 1
      Eine Funktion f:ℝ→ℝ, welche die Funktionsvorschrift f(x)= ax mit a∈ℝ+ , a≠1 besitzt, heißt Exponentialfunktion zur Basis a.
      Mit der folgenden Interaktion können Sie sich den Verlauf der Funktion f:ℝ→ℝ mit f(x)= ax ansehen. Den Wert für a steuern Sie mithilfe des Schiebereglers in der linken unteren Ecke.  

      Video 2
      In diesem Video werden wichtige Funktionswerte von Exponentialfunktionen beschrieben.
      Satz 1
      Eine Exponentialfunktion f:ℝ→ℝ,f(x)= ax mit a∈ ℝ+ und a≠1 hat folgende Eigenschaften:
      1. f(0)=1
      2. f(1)=a
      3. f(x)>0 für alle x∈ℝ. Das bedeutet insbesondere, dass f keine Nullstellen besitzt.
      4. Wenn a>1 ist, dann ist f streng monoton steigend, d. h. aus x1 < x2 folgt f( x1 )<f( x2 ) für alle x1 , x2 ∈ℝ.
      5. Wenn 0<a<1 ist, dann ist f streng monoton fallend, d. h. aus x1 < x2 folgt f( x1 )>f( x2 ) für alle x1 , x2 ∈ℝ.
      6. f( x1 + x2 )=f( x1 )·f( x2 ) für alle x1 , x2 ∈ℝ
      7. f(x+1)=f(x)·a für alle x∈ℝ

      Video 3
      In diesem Video werden wichtige Eigenschaften von Exponentialfunktionen erläutert.
      Begründungen mithilfe der Potenzgesetze
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      Die Potenzgesetze für reelle Exponenten sind im Kapitel Wurzeln und Potenzen mit reellen Exponenten der Lerneinheit Potenzen, Wurzeln, Logarithmen ausführlich beschrieben. Sie sind die Grundlage für die folgenden Begründungen.
      1. f(0)= a0 =1
      2. f(1)= a1 =a
      3. Da nach Definition der Exponentialfunktion a>0 gilt, folgt nach Definition der Potenzen, dass auch ax >0 und somit f(x)>0 für alle x∈ℝ.
      4. Sei a>1 und x1 < x2 , dann gilt x1 +d= x2 mit einem d∈ℝ und d>0.
        Es gilt f( x2 )=f( x1 )· ad , denn f( x2 )= a x2 = a x1 +d = a x1 · ad =f( x1 )· ad .
        Wegen d>0 und a>1 gilt zudem ad >1 und damit folgt f( x2 )>f( x1 ).
      5. Sei 0<a<1 und x1 < x2 . Wie zuvor in 4. zeigt man f( x2 )=f( x1 )· ad .
        Wegen d>0 und 0<a<1 gilt zudem 0< ad <1 und damit folgt f( x2 )<f( x1 ).
      6. Mit Hilfe der Potenzgesetze formen wir um:
        f( x1 + x2 ) = a x1 + x2 = a x1 · a x2 = f( x1 )·f( x2 )

      7. Es gilt mit voriger Eigenschaft, sowie x1 :=x und x2 :=1 und f(1)=a:
        f(x+1) = f(x)·f(1) = f(x)·a


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      Weiterführende Bemerkung zu 7.
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      Die Eigenschaft kann man wie folgt formulieren:
      • Falls a>1:
        Wann immer man das Argument x um 1 erhöht, wächst die Funktion um den Faktor a:
        f(x+1)=a·f(x)>f(x) .

        8_lv_exp_satz1_ergaenzung1.png
      • Für 0<a<1 gilt:
        Wann immer das Argument x um 1 erhöht wird, fällt die Funktion um den Faktor a:
        f(x+1)=a·f(x)<f(x)

        8_lv_exp_satz1_ergaenzung2.png
      Man kann die Aussage verallgemeinern für Δx>0
      f(x+Δx)= ax+Δx = ax · aΔx = aΔx ·f(x)

      (*) Wann immer x um die Differenz Δx wächst, wächst/fällt f immer mit dem konstanten Faktor aΔx .
      Falls a>1 ist, ist auch aΔx >1, also wächst f um diesen Faktor.
      Falls 0<a<1 ist, so ist auch aΔx <1, also fällt f um diesen Faktor.
      Die Aussage (*) ist eine charakteristische Eigenschaft exponentiellen Wachstums.
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      Erweiterung der Exponentialfunktion

      Wir betrachten Funktionen f der Form: f(x)= acx , mit a,c∈ℝ, a>0, a≠1, c≠0.
      8_lv_exp_erweiterung.png
      Bild 6 Dargestellt sind Ausschnitte der Graphen von drei Funktionen mit f(x)= 31,1·x (schwarz), g(x)= ( 3 4 ) 3 2 ·x (blau) und h(x)= 2-3·x (rot).
      Im Folgenden Satz werden die Eigenschaften solcher Exponentialfunktionen angegeben.
      Satz 2
      Eine Exponentialfunktion f:ℝ→ℝ, f(x)= acx (a,c∈ℝ, a>0, a≠1, c≠0) hat folgende Eigenschaften:
      1. f(0)=1
      2. f(1)= ac
      3. f(x)>0 für alle x∈ℝ. Das bedeutet insbesondere, dass f keine Nullstellen besitzt.
      4. Wenn 1< ac ist, dann ist f streng monoton steigend.
      5. Wenn 0< ac <1 ist, dann ist f streng monoton fallend.
      6. f( x1 + x2 )=f( x1 )·f( x2 ) für alle x1 , x2 ∈ℝ.
      7. f(x+1)=f(x)· ac für alle x∈ℝ.
      Begründungen der Eigenschaften
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      Die Begründung dieser Eigenschaften lässt sich auf die zuvor begründeten Eigenschaften für Exponentialfunktionen (s.o.) zurückführen, indem wir die Funktionsgleichung wie folgt umformen: f(x)= acx =( ac )x . Das kann man mit dem entsprechenden Potenzgesetz machen.
      Die nachfolgende Tabelle zeigt zusätzlich, in welchen Fällen ac >1 bzw. ac <1 gilt.
      a>1 0<a<1
      c>0 ac >1 0< ac <1
      c<0 0< ac <1 ac >1

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      Exponentialfunktion zur Basis e

      Definition 2
      Die Funktion f:ℝ→ℝ mit der Funktionsvorschrift f(x)= ex bezeichnet man als Exponentialfunktion zur Basis e. Die Zahl e steht für die irrationale Eulersche Zahl ( e≈2,7183). Der Wertebereich von f ist die Menge aller positiven reellen Zahlen.
       
      In den meisten Anwendungen für Exponentialfunktionen wird die Exponentialfunktion zur Basis e verwendet. Dies hängt u. a. mit ihrer Ableitung zusammen. Die Exponentialfunktion zur Basis e stimmt mit ihrer Ableitung überein, d.h. für
      f(x)= ex

      ist die Ableitung
      f′(x)= ex

      Auf diese Eigenschaft wird in der Lerneinheit Differentialrechnung genauer eingegangen.

      Basiswechsel von Exponentialfunktionen

      Es lässt sich schnell zeigen, dass sich jede Exponentialfunktion zur Basis a in eine Exponentialfunktion zur Basis e transformieren lässt. Für die Umrechnung ist wichtig, dass man eine positive, reelle Zahl a auch so schreiben kann: a= eln(a) . Dabei bezeichnet ln den natürlichen Logarithmus, also den Logarithmuns zur Basis e:ln= loge . Folgende Gleichung veranschaulicht die erforderlichen Umformungen:
      ax = ( eln(a) )x = eln(a)·x

      Info 1: Basiswechsel
      Eine Exponentialfunktion f:ℝ→ℝ mit der Funktionsvorschrift f(x)= ax , a∈ℝ+ , a≠1, kann in eine Exponentialfunktion zur Basis e umgeschrieben werden. Es gilt: f(x)= eln(a)·x .
      Nach diesen Vorüberlegungen kann man feststellen, dass sich die Familie der Exponentialfunktionen auf zwei Weisen parametrisieren lässt.
      Die Funktionsgleichung f(x)= ax , kann man schreiben als f(x)= eλx mit λ=ln(a).
      Die Funktionsgleichung f(x)= eλx , kann man schreiben als f(x)= ax mit a= eλ .
      Die Familie der Exponentialfunktionen kann man also auf zwei Weisen parametrisieren:
      f(x)= ax    (a∈ℝ,a>0,a≠1)       oder       f(x)= eλx    (λ∈ℝ,λ≠0)

      In der Hochschulmathematik wird oft mit der Funktionsfamilie eλx (λ≠0) gearbeitet.
      Info 2
      Mithilfe von Exponentialfunktionen der Form f(x)= eλx lassen sich Wachstumsprozesse ( λ>0) und Zerfallsprozesse ( λ<0) beschreiben.
      In der folgenden Tabelle wird dargestellt, in welchen Fällen Wachstums- und Zerfallsprozesse in beiden Parametrisierungsvarianten beschrieben werden können (λ=ln(a)).
      ax eλx
      Wachstum a>1 λ>0
      Zerfall 0<a<1 λ<0

      Video 4
      In diesem Video wird die Halbwertszeit des radioaktiven Zerfalls von Caesium bestimmt.

      Erweiterung der Exponentialfunktion

      Auch Funktionen f der Form f(x)=b· acx (mit a∈ℝ+ , a≠1 und b,c∈ℝ \ {0}) heißen Exponentialfunktion, also insbesondere auch Funktionen des Typs f(x)=b· eλx (mit b,λ∈ℝ \ {0}).
      Satz 3
      Für eine Exponentialfunktion f:ℝ→ℝ, f(x)=b· eλx mit b,λ∈ℝ \ {0} gilt: f(0)=b.
      Beweis:
      f(0)=b· eλ·0 =b· e0 =b·1=b.
      Der Graph einer solchen Exponentialfunktion schneidet die y-Achse also immer bei b.

      Beispiel 1
      Aufgrund des oben beschrieben Basiswechsels stehen uns nun zwei Möglichkeiten zur Verfügung, wenn wir etwa Wachstumsvorgänge modellieren möchten.
      Als Beispiel betrachten wir die folgende (vereinfachte) Datenreihe, die einem kontinuierlichem Prozess entnommen ist:
      x 1 2 3 4 …
      y 1 2 4 8 …
      Gesucht ist eine Parametrisierung als Exponentialfunktion wahlweise in der Form f(x)=b· ax oder f(x)=b· eλx . Nachfolgend wird beides bestimmt.
      Parametrisierung als f(x)=b· ax :
      Wir setzen die ersten beiden Datenpunkte (1;1) und (2;2) in die Funktionsgleichung ein und erhalten die beiden Gleichungen:
      (*) 1=b· a1
      (**) 2=b· a2
      (**) geteilt durch (*) liefert:
      2 1 = b· a2 b· a1 ⇔a=2
      Mit dem Datenpunkt (1;1) und a=2 erhalten wir durch Einsetzen in die Funktionsgleichung:
      1=b· 21 ⇔b= 1 2 .
      Also gilt:
      f(x)= 1 2 · 2x .
       
      Parametrisierung als f(x)=b· eλx :
      Wir setzen die ersten beiden Datenpunkte (1;1) und (2;2) in die Funktionsgleichung ein und erhalten die beiden Gleichungen:
      (*) 1=b· eλ·1
      (**) 2=b· eλ·2
      Gleichung (**) geteilt durch Gleichung (*) liefert:
      2 1 = b· eλ·2 b· eλ·1 ⇔2= eλ ⇔λ=ln(2)
      Mit dem Datenpunkt (1;1) und a=2 erhalten wir durch Einsetzen in die Funktionsgleichung:
      1=b· 21 ⇔b= 1 2 .
      Also gilt:
      f(x)= 1 2 eln(2)x .
       
      Wegen 1 2 eln(2)x = 1 2 ( eln(2) )x = 1 2 · 2x erhalten wir mit dieser Methode (natürlich) dasselbe Ergebnis wie mit der ersten Parametrisierung.

       
      \(1+1\)