• Chapter 1 Studifinder - 1.8  Höhere Funktionen - Exponentialfunktionen

      Anwendung

      Datum Sep 28, 2026
      orca_hoeherefkt_expfkt_
      Exponentialfunktionen
      8
      2

      Beispiel 2: Bestimmen von Exponentialfunktionen durch Punkte
      Bestimmen Sie die Funktionsvorschrift zur Exponentialfunktion der Form f:ℝ→ℝ mit f(x)= ax , deren Graph durch den Punkt P(2;16) verläuft.

      Video 8
      In diesem Video wird ausgehend von einem gegebenen Punkt die Funktionsvorschrift einer Exponentialfunktion zur Basis a bestimmt.
      Lösung: Hierzu setzt man einfach das entsprechende Wertepaar in die Funktionsgleichung ein und erhält f(2)= a2 und damit a2 =16. Somit ist a=16=4, da Exponentialfunktionen für negative a nicht definiert sind. Somit lautet die Funktionsvorschrift f(x)= 4x .

      Beispiel 3: Typischer Verlauf von Exponentialfunktionen
      Die Graphen von Exponentialfunktionen der Form f:ℝ→ℝ, f(x)=b· eλ·x können grundsätzlich vier verschiedene Verläufe zeigen, abhängig von den Werten der Parameter b und λ.
      Für jeden Verlauf schauen wir im Folgenden einen Prototypen an. Die Graphen sind in den folgenden beiden Bildern dargestellt.
      8_lv_exp_anwendung_typverlauf_1.png 8_exp_anwendung_typverlauf_2.png
      Bild 11
      Im Bild auf der linken Seite sehen wir zum einen die Standard- e-Funktion mit der Vorschrift f1 (x)= ex . Der Graph schmiegt sich links an die x-Achse an, ist streng monoton steigend und schneidet die y-Achse bei (0;1).
      Der andere Graph links gehört zur Funktionsvorschrift f2 (x)=- ex . Er entspricht einer Spiegelung des Graphen von f1 an der x-Achse.
      Im Bild auf der rechten Seite sehen wir oben den Graphen zur Funktionsvorschrift f3 (x)= e-x . Der Graph entsteht durch eine Spiegelung des Graphen von f1 an der y-Achse. Wir können den Verlauf auch detaillierter beschreiben: Der Graph „kommt“ von links oben, schneidet die y-Achse bei (0;1) und ist streng monoton fallend.
      Der andere Graph rechts gehört zur Funktionsvorschrift f4 (x)=- e-x . Er entspricht einer Spiegelung des Graphen von f3 an der x-Achse.
      Die Parameter b und λ können auch andere Werte annehmen als 1 und -1. Der Graph folgt dann immer noch einem der vier Grundverläufe und ist lediglich ein wenig flacher oder steiler. Einige Beispiele sind in der folgenden Aufgabe zu finden.
      λ>0 λ<0
      b>0 wie ex : über der x-Achse, str. mon. steigend wie e-x : über der x-Achse, str. mon. fallend
      b<0 wie - ex : unter der x-Achse, str. mon. fallend wie - e-x : unter der x-Achse, str. mon. steigend
      Wäre b=0 oder λ=0, entspricht der Graph einer Geraden und es ist keine Exponentialfunktion mehr gegeben.
      Aufgabe 11
      Im folgenden Bild sehen Sie vier Graphen von Exponentialfunktionen.
      8_lv_exp_anwendung_typverlauf_aufgabe.png
      Bild 12 Welche Funktionsvorschriften gehören zu den Graphen der Funktionen f1 (blau), f2 (schwarz), f3 (rot) und f4 (grün)?
      Wählen Sie aus, welcher der vier Graphen zu der Funktionsvorschrift passt.
      Funktionsterm: 2· e0,5·x       
      Funktionsterm: -2· e-0,75·x       
      Funktionsterm: 2· e-1,5·x       
      Funktionsterm: -2· ex       
      Kontrolle
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      Die Aufgabe lässt sich mit den typischen Verläufen lösen, die im vorherigen Beispiel vorgestellt wurden. Wir ordnen die vier Terme in die Tabelle aus dem Beispiel ein:
      λ>0 λ<0
      b>0 wie ex : über der x-Achse, str. mon. steigend wie e-x : über der x-Achse, str. mon. fallend
      b<0 wie - ex : unter der x-Achse, str. mon. fallend wie - e-x : unter der x-Achse, str. mon. steigend
      Daraus ergibt sich:
      2· e0,5·x wird durch den schwarzen Graphen dargestellt: f2
      -2· e-0,75·x wird durch den grünen Graphen dargestellt: f4
      2· e-1,5·x wird durch den blauen Graphen dargestellt: f1
      -2· ex wird durch den roten Graphen dargestellt: f3
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      Beispiel 4: Verdopplungen
      Dass bei vorgegebenen x-Werten die zugehörigen Funktionswerte und damit alle x-ten Potenzen zur Basis a berechnet werden können, ist bei Verwendung eines Taschenrechners genauso einfach wie klar. Der umgekehrte Fall, das Berechnen von Stellen bei vorgegebenen Funktionswerten, ist mitunter schwieriger, aber im Anwendungskontext mindestens genauso wichtig.
      Eine Standardfrage ist dabei, wie sich das Argument einer Funktion ändern muss, damit sich der Funktionswert verdoppelt. Nehmen wir dazu beispielsweise die Exponentialfunktion f: ℝ0 + →ℝ mit f(t)= 10t und betrachten dabei zunächst als Ausgangswert f(1)=10. Wenn hierbei nun nach der Zeit (dem t-Wert) gefragt wird, nach der f auf den doppelten Wert angewachsen ist, so suchen wir dasjenige t1 , für das gilt f(1+ t1 )=10·2=20. Die Variable t1 stellt hierbei die Zeitspanne dar, die seit dem Ausgangswert vergangen ist. Setzt man das Argument 1+ t1 sowie den Funktionswert 20 in die Funktionsgleichung ein und löst sie nach t1 auf, so erhält man:
      f(1+ t1 ) = 20 |  einsetzen 101+ t1 = 20 |  Potenzgesetz anwenden 101 · 10 t1 = 20 | :10 10 t1 = 2 |  log10


      ⇒ t1 = log10 (2)≈0,3

      Somit erhält man eine Verdopplung des Funktionswertes f(1) mit t1 ≈0,3.
      Ausgehend von dem neuen Argument t=1+ t1 wollen wir nun untersuchen, bei welchem Argument erneut eine Verdopplung stattfindet. Demnach wollen wir berechnen, für welches t2 gilt f(1+ t1 + t2 )=2·20=40.
      Dies ergibt sich wie folgt:
      f(1+ t1 + t2 ) = 40 |  einsetzen 101+ t1 + t2 = 40 |  Potenzgesetz anwenden 101+ t1 · 10 t2 = 40 |( 101+ t1 =20)  einsetzen 20· 10 t2 = 40 | :20 10 t2 = 2 |  log10


      ⇒ t2 = log10 (2)≈0,3

      Wie Sie sehen, erhält man t1 = t2 = log10 (2). Dies legt die Vermutung nahe, dass ausgehend von einem beliebigen Startzeitpunkt t0 stets eine Verdopplung bei t0 + t1 , d. h. in t1 -Schritten stattfindet.
      Die Allgemeingültigkeit dieser Vermutung kann man durch eine Herleitung beweisen, die wir jetzt durchführen wollen. Dazu berechnen wir ausgehend von einem beliebigen Startwert t0 die Änderung t1 , bis der doppelte Funktionswert 2·f( t0 ) erreicht wird. Es ergibt sich demnach folgende Gleichung, die nach t1 aufgelöst werden muss:
      2·f( t0 ) = f( t0 + t1 ) | :f( t0 ) 2 = f( t0 + t1 ) f( t0 ) |  einsetzen 2 = 10 t0 + t1 10 t0 |  Potenzgesetz anwenden 2 = 10 t0 · 10 t1 10 t0 |  kürzen 2 = 10 t1 |  log10 t1 = log10 (2)

      Für unser konkretes Beispiel ergibt sich somit Zweierlei: Zum einen findet stets eine Verdopplung nach t1 = log10 (2) statt, zum anderen kürzt sich die Potenz 10 t0 und damit der Funktionswert an der Stelle t0 heraus. Das bedeutet, dass die Zeitspanne für die Verdopplung unabhängig vom Startzeitpunkt t0 und seinem zugehörigen Funktionswert f( t0 ) ist.
      Allgemein lässt sich analog zeigen, dass bei allen Exponentialfunktionen zu einer beliebigen Basis a unabhängig vom Startzeitpunkt und dem entsprechenden Ausgangswert die Zeitspanne für die Verdopplung stets loga (2) beträgt. Diese bezeichnet man als Verdopplungszeit.

      Video 9
      In diesem Video wird die Halbwertszeit für eine Exponentialfunktion zur Basis a∈(0,1) bestimmt.

      Beispiel 5: Wachstumsprozess
      Wachstumsprozesse können durch Exponentialfunktionen f:ℝ→ℝ, f(x)=b· ax mit a,b∈ℝ+ beschrieben werden. Dabei ist b der Startwert und x die vergangene Zeit seit dem Startzeitpunkt. Wir betrachten folgendes Beispiel:
      Eine Bakterienkultur von 1000 Gramm Gewicht wächst stetig mit einem Prozentsatz von 3 %(= 0,03) pro Jahr. Auf welches Gewicht ist die Kultur nach drei Jahren und zehn Tagen angewachsen?
      Der Startwert b beträgt 1000. Den Parameter a kann man aus der Wachstumsangabe bestimmen: Pro Jahr wächst das Gewicht um 3%, d.h. nach einem Jahr man 1000·1,03=1030 Gramm. Ein weiteres Jahr später hat man dann 1030·1,03=1060,9 Gramm. Das sind 1000·1,032 Gramm. Also lässt sich das Gewicht durch die Funktion f:ℝ→ℝ mit f(x)=1000·1, 03x berechnen, wobei x die Anzahl der Jahre seit Beobachtungsbeginn bezeichnet. Damit kann man die Frage beantworten:
      f(3+ 10 365 ) = 1000·1, 03(3+ 10 365 ) ≈ 1000·1,0936 ≈ 1094.

      Also wiegt die Bakterienkultur nach 3 Jahren und 10 Tagen etwa 1094 Gramm.

       
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