• Chapter 1 Studifinder - 1.8  Höhere Funktionen - Trigonometrische Funktionen

      Hinführung

      Datum Sep 28, 2026
      orca_hoeherefkt_trigonfkt_
      Trigonometrische Funktionen
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      In der Lerneinheit Trigonometrie werden die Winkelfunktionen Sinus, Cosinus und Tangens zunächst anhand eines beliebigen rechtwinkligen Dreiecks eingeführt. Hierfür werden zunächst die Bezeichnungen der Seiten des Dreiecks erklärt:
      Im rechtwinkligen Dreieck wird die Seite, welche dem rechten Winkel gegenüber liegt, als Hypotenuse bezeichnet. Die Seiten, die am rechten Winkel anliegen, heißen Katheten. Dabei liegt die Ankathete am Winkel α an und die Gegenkathete liegt dem Winkel α gegenüber.
      8_lv_RechtwinkligDreieck.png
      Die Winkelfunktionen werden mit diesen Bezeichnungen wie folgt definiert:
      sin(α) = a c = Gegenkathete Hypotenuse cos(α) = b c = Ankathete Hypotenuse tan(α) = a b = Gegenkathete Ankathete

      Auf diesen Definitionen werden wir in diesem Kapitel aufbauen, um die Funktionen auch für Winkel, die größer als 90∘ sind, zu verwenden.
      Die folgende Abbildung zeigt eine Kreisscheibe (Draufsicht und Seitenansicht), auf der am Rand ein Korken befestigt ist (r=1  dm ).
      8_lv_scheibe_korken.png
      Bild 1 Kreisscheibe mit Korken (Draufsicht und Seitenansicht)
      Die Kreisscheibe wird nun, mithilfe des Motors, gleichmäßig gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Gleichzeitig wird die Bewegung des Korkens mit den Lichtstrahlen zweier Lampen zum einen auf eine senkrecht stehende und zum anderen auf eine waagerecht liegende Wand projiziert.
      Diese Projektionen der Schatten werden in zwei Koordinatensystemen aufgezeichnet. Dabei wird auf der x-Achse die Zeit und auf der y-Achse der Abstand d des Korkens von der Mittellage aufgetragen.
      8_lv_schematische_darstellung_korken.png
      Bild 2 Schematische Darstellung der Korkenbewegung
      Wenn man sich den Verlauf des Korkens anschaut, kommt man zu folgender Tabelle:
      Position Korken Winkel Schatten 1 Schatten 2
      Rechts 0° 0 1
      Oben 90° 1 0
      Links 180° 0 -1
      Unten 270° -1 0
      8_lv_korkenbewegungExtrema.png
      Bild 3
      Wie der Verlauf zwischen diesen Höhen ist, lässt sich allerdings nicht so leicht vorstellen. Das folgende Video zeigt diesen Verlauf.
      Video 2
      Die oben beschriebenen Vorgänge wollen wir nun noch etwas näher untersuchen. Wir betrachten hierfür den in der folgenden Abbildung dargestellten Einheitskreis.
      8_lv_einheitskreis_neu.png
      Bild 4 Einheitskreis
      Mit dem Sinus und Cosinus folgt für das rechtwinklige Dreieck ABC und einen Winkel α von maximal 90∘ :
      sin(α)= y 1 ⇒y=sin(α)    und    cos(α)= x 1 ⇒x=cos(α)

      Die Längen der Katheten entsprechen also im Einheitskreis dem Sinus - bzw. Cosinuswert zu einem bestimmten Winkel α. Da der Punkt C von α abhängt bezeichnen wir ihn auch mit Cα . Es ergibt sich also die Situation:
      8_lv_sin_cos_einheitskreis1.png
      Bild 5 Darstellung von Sinus und Cosinus am Einheitskreis
      Für 0∘ ≤α≤ 90∘ gilt: Cα hat die Koordinaten (cos(α);sin(α)).
      Auf diesem Kreis lassen wir nun den Zeiger (Hypotenuse mit der Länge 1) im mathematisch positiven Drehsinn rotieren. Dabei erhalten wir für 90∘ <α≤ 180∘ die folgende Situation
      8_lv_quadrant2.png
      Bild 6 Sinus und Cosinus für 90∘ <α≤ 180∘
      Die Koordinaten des Punktes (x;y) kann man mittels Sinus und Cosinus offenbar durch (-cos( 180∘ -α);sin( 180∘ -α)) darstellen.
      Der Sinus und der Cosinus wurden bisher nur für 0∘ ≤α≤ 90∘ definiert. Um für den Punkt (x;y)=(-cos( 180∘ -α);sin( 180∘ -α)) für 90∘ <α≤ 180∘ eine einfache Beschreibung aufrecht zu erhalten, sind die Mathematiker auf die Idee gekommen, folgendes für 90∘ <α≤ 180∘ zu definieren:
      sin(α):=sin( 180∘ -α)    und    cos(α):=-cos( 180∘ -α)

      Dies ist eine sinnvolle Definition, denn für 90∘ <α≤ 180∘ gilt 0∘ ≤ 180∘ -α< 90∘ , also sind die Ausdrücke auf der rechten Seite bereits definiert. Für 90∘ <α≤ 180∘ gilt dann mit der neuen Definition auch:
      (x;y)=(-cos( 180∘ -α);sin( 180∘ -α))=(cos(α);sin(α))

      Analog definiert man für 180∘ <α≤ 270∘
      sin(α):=-sin( 270∘ -α)    und    cos(α):=-cos( 270∘ -α)

      und für 270∘ <α≤ 360∘
      sin(α):=-sin( 360∘ -α)    und    cos(α):=cos( 360∘ -α)

      Mit dieser Erweiterung der Definition von sin(α) und cos(α) auf Werte von α mit 90∘ <α≤ 360∘ kann man eine einfache Beschreibung geben. Ein Punkt Cα zum Winkel α ( 0∘ ≤α≤ 360∘ ) hat immer die Koordinaten

      Cα =(cos(α);sin(α)).

      Der Cosinus entspricht der x - Koordinate, der Sinus der y - Koordinate des Punktes.
      Wir haben Sinus und Cosinus nun für alle Winkel am Einheitskreis 0∘ ≤α≤ 360∘ definiert.
      Einen Punkt Cα auf dem Einheitskreis kann man auch für α> 360∘ (mehr als eine volle Drehung) oder auch für α<0 (Drehung im Uhrzeigersinn) angeben. Für diese Winkel definiert man:
      cos(α):= x -Koordinate von   Cα sin(α):= y -Koordinate von   Cα

      Somit ist klar, dass sich der Wert von Sinus und Cosinus periodisch unverändert bleibt, wenn man 360∘ zu einem Winkel addiert. Es gilt für alle Winkel α:

      sin(α+ 360∘ )=sin(α)    und    cos(α+ 360∘ )=cos(α)

      Sinus und Cosinus am Einheitskreis:  
      Insgesamt ergeben sich die in der nächsten Abbildung dargestellten Funktionsverläufe.
      8_lv_grafen_sin_cos.png
      Bild 7 Graphen der Sinus - und Cosinusfunktion
      Die beiden Kurvenverläufe zeigen anschaulich, dass beide Funktionen Werte aus dem Intervall [-1;1] annehmen, was auch aus der Definition folgt.


      Info 1
      Es gilt für beliebige Winkel α  und  k∈ℤ:

      sin(α) = sin(α+k· 360∘ ), cos(α) = cos(α+k· 360∘ ).

      Die Sinus- und die Cosinusfunktion sind somit beide periodisch mit Periode 360∘ .
      Bisher wurde also festgestellt, dass die Sinus - und die Cosinusfunktion periodisch sind. Im Folgenden wird untersucht, ob es bei diesen Funktionen noch weitere Zusammenhänge gibt.
      Aufgabe 1
      Untersuchen Sie den Verlauf der Sinus - und Cosinusfunktion. Versuchen Sie Ihre Vermutungen allgemein in der folgenden Tabelle oder einer selbst aufgestellten Tabelle festzuhalten und gehen Sie dabei wie folgt vor:
      x sin(x) cos(x) x sin(x) cos(x)
      -α
      90∘ +α 90∘ -α
      180∘ +α 180∘ -α
      270∘ +α 270∘ -α
      360∘ +α 360∘ -α
      1. Zeile der Tabelle: Untersuchung auf Symmetrie.
      2. und 4. Zeile der Tabelle: Drücken Sie den Sinus durch den Cosinus und den Cosinus durch den Sinus aus.
      3. Zeile der Tabelle: Stellen Sie die Terme sin( 180∘ ±α) und cos( 180∘ ±α) durch sin(α) bzw. cos(α) dar.
      5. Zeile der Tabelle: Untersuchung auf Periodizität.
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      Untersucht man die beiden Kurvenverläufe, so kann man feststellen, dass die Sinusfunktion punktsymmetrisch zum Ursprung und die Cosinusfunktion achsensymmetrisch zur y-Achse sind. Außerdem sind die Sinus - und die Cosinusfunktion um 90∘ zueinander verschoben und beide Funktionen sind periodisch. Die Tabelle lässt sich wie folgt ausfüllen:
      x sin(x) cos(x) x sin(x) cos(x)
      -α -sin(α) cos(α)
      90∘ +α cos(α) -sin(α) 90∘ -α cos(α) sin(α)
      180∘ +α -sin(α) -cos(α) 180∘ -α sin(α) -cos(α)
      270∘ +α -cos(α) sin(α) 270∘ -α -cos(α) -sin(α)
      360∘ +α sin(α) cos(α) 360∘ -α -sin(α) cos(α)

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