Page 38 - ORCA Magazin I 2026
P. 38
38 KI-Policys
Wie haben unterschiedliche Interessengruppen Die KI-Dienstvereinbarung war der Eisbrecher für KI-
– etwa Lehrende, Studierende, Verwaltung und Projekte an der FernUniversität. Jetzt laufen die Mit-
Personalvertretung – auf die Initiative zur KI- bestimmungsprozesse schneller, da die wichtigsten
Dienstvereinbarung reagiert? Gab es von Beginn Anliegen der Interessenvertretungen bereits in der
an gemeinsame Ziele oder mussten zunächst unter- Dienstvereinbarung geregelt sind. Ich als Justiziar ste-
schiedliche Erwartungen zusammengeführt wer- he natürlich in erster Linie im Dienst der Hochschul-
den? verwaltung. Insbesondere beim Thema KI fungiere
ich derzeit aber auch als Bindeglied zwischen Wissen-
Die Verhandlungen verliefen außerordentlich kon- schaft und Interessenvertretungen. Ich unterstütze
struktiv und gehören zu den erfreulichsten Erfahrun- mit Rückendeckung meines Abteilungsleiters und
gen, die ich in acht Jahren an der FernUniversität ge- unserer Personaldezernentin die KI-bezogenen Mit-
macht habe. Man hat gespürt, dass letztlich alle das bestimmungsprozesse. Normalerweise prüfen wir nur
gleiche Ziel verfolgten: die ungeheuerlichen Chancen die Mitbestimmungspflichtigkeit und die Tauglichkeit
von KI zu nutzen, ohne dass deren Risiken Realität der dafür vorgelegten Unterlagen (Betriebskonzept,
werden. Niemand wollte überwachende KI-Systeme etc.). Bei mitbestimmungspflichtigen KI-Projekten be-
oder eine KI, die autonom Entscheidungen oder Be- gleiten wir den Mitbestimmungsprozess dagegen ak-
wertungen vornimmt. Auch hat uns der Wunsch ge- tiv, indem wir zwischen den Projektverantwortlichen
eint, dass die Daten der FernUniversität, wann immer und den Interessenvertretungen vermitteln und auch
möglich, bei uns auf dem Campus bleiben. mit in die Verhandlungen gehen.
Im Prozess der Entwicklung einer KI-Policy entste- Haben sich daraus bereits neue Formen der Koope-
hen mitunter kontroverse Diskussionen. Welche ration oder auch Spannungsfelder ergeben?
Themen oder Fragestellungen haben bei Ihnen zu
Debatten oder Konflikten geführt? Eine erfolgreiche Kooperation zwischen Wissen-
schaft und Hochschulverwaltung haben wir derzeit
Es gab zunächst Überlegungen, ob man in die Dienst- bereits in Betrieb. Der Lehrstuhl für Bildungstechno-
vereinbarung noch mehr technische Details oder logien für die digitale Transformation von Herrn Prof.
detailliertere Regelungen zum Daten- und Urheber- Dr. Thomas Ludwig hat einen KI-gestützten Chatbot
rechtsschutz einfließen lassen sollte. Man hat aber entwickelt. Diesen setzen wir nach einer monate-
schnell erkannt, dass dies immer von den Einzelheiten langen gemeinsamen Testphase nun seit dem 22.
des konkreten KI-Projektes abhängt und einer ab- September 2025 auf den Webseiten der Reisekos-
strakt generellen Regelung nicht zugänglich ist. Der tenstelle ein. Der Chatbot hat bis Ende Januar 2026
Wissenschaft haben wir frühzeitig signalisiert, dass die ca. 1.200 Fragen unserer Beschäftigten beantwor-
Dienstvereinbarung keineswegs den Freiheitsbereich tet. Er berät bei allen Fragen rund um Dienstreisen,
von Forschung und Lehre einengen soll. Uns ging es und das Feedback der Beschäftigten ist sehr positiv.
darum, KI-Projekte auf sichere Art und Weise schnel- Im Rahmen einer Evaluation gaben 70% der Befrag-
ler an den Start zu bekommen, was angesichts des un- ten an, nach der Konversation mit dem Chatbot mit
glaublichen Tempos der technischen Entwicklung ab- keinem Mitarbeiter mehr sprechen zu müssen. Auch
solut entscheidend ist. wegen dieser Rückmeldungen bereiten wir derzeit
den Einsatz weiterer Chatbots in anderen Bereichen
Inwiefern hat die Entwicklung der KI-Dienstver- der FernUniversität vor. Es ist eben ein großer Unter-
einbarung den Austausch und die Zusammenarbeit schied, ob man sich aus umfangreichen Webseiten die
zwischen den verschiedenen Statusgruppen an Ihrer Informationen selbst zusammensuchen muss oder
Hochschule verändert? einfach den Chatbot fragen kann.
Interview .

