Page 28 - ORCA Magazin I 2026
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28 KI im künstlerischen Bereich
„Einige Hürden sind spezifisch
für das Fach Musik“
Setzen sich intensiv mit dem Einsatz von KI im künstlerischen Bereich auseinander: die Mitarbeiter des Projekts KIMu_Lab.
© Ferdinand Albert
Gerade im künstlerischen Bereich wird der Einsatz von generativer KI in der Lehre kontrovers diskutiert. Jonas Völker, Mal-
te Sachsse, Tillmann Eller und Björn Jeddeloh vom Projekt Künstliche Intelligenz in der Musik_Lehramtsausbildung - kurz:
KIMu_Lab - an der Hochschule für Musik Detmold verraten im Interview mit Daniel Diekmann, welche Besonderheiten
es an Kunst- und Musikhochschulen gibt und warum der KI-Einsatz trotzdem viel Potenzial birgt. Das Projekt wurde von
November 2024 bis einschließlich November 2025 als Praxisprojekt von KI:edu.nrw unter dem Dach der Digitalen Hoch-
schule NRW vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
Welche Potenziale bietet genera- schen Dimensionen solcher Pro- der leicht zu einem Gefühl des Ver-
tive KI für die Musiklehramtsaus- zesse. lustes von künstlerischer Selbst-
bildung? wirksamkeit führen kann.
Jonas Völker: Generative KI eröff- Sehen Sie für den Einsatz gene- Jonas Völker: Darüber hinaus
net neue Möglichkeiten für krea- rativer KI in der Musiklehramts- spielen ethische und rechtliche
tives, forschendes und reflektie- ausbildung besondere Schwierig- Fragen eine große Rolle: Urheber-
rendes Lernen. Das Potenzial für keiten? recht, Datenschutz, Bias oder auch
die Musiklehrkräftebildung liegt Malte Sachsse: Einige Hürden sind Aspekte der Nachhaltigkeit sind
sowohl im künstlerischen Um- sehr spezifisch für das Fach Musik. im Musikbereich besonders rele-
gang, das heißt der konkreten Er- So sind viele gängige KI-Systeme äs- vant, da wir es oft mit individuellen
probung und Realisierung ästhe- thetisch stark auf Mainstream-Stile künstlerischen Identitäten, Stim-
tischer Ausdrucksabsichten mit trainiert, während experimentelle men oder Bildern zu tun haben.
KI als auch darin, über Chancen, oder kulturell diverse Ausdrucks- Schließlich bestehen auch didakti-
Grenzen und Implikationen sol- formen bislang kaum berücksichtigt sche Herausforderungen.
cher Technologien ins Gespräch zu werden. Für eine musikpädagogi-
kommen. Wenn angehende Lehr- sche Ausbildung, die gerade Vielfalt Welche Auswirkungen werden
kräfte KI im Unterricht kompetent und Kreativität fördern möchte, ist die aktuellen und zukünftigen Ent-
und fachspezifisch einsetzen wol- das eine deutliche Einschränkung. wicklungen Ihrer Meinung nach
len, setzt das beides voraus: eine Hinzu kommt, dass Studierende haben?
künstlerische Praxis im Umgang und Schüler*innen im Umgang mit Björn Jeddeloh: Wir rechnen eher
mit KI und ein kritisch-reflexives KI erleben, wie zentrale kreative mit graduellen als mit disruptiven
Bewusstsein für die gesellschaft- Entscheidungen von der Maschine Veränderungen. Das liegt weniger
lichen, kulturellen und pädagogi- übernommen werden – ein Prozess, an einer generellen Zurückhaltung

