Page 29 - ORCA Magazin I 2026
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KI im künstlerischen Bereich                                                                 29



               der Akteur*innen, sondern daran,   Tillmann Eller:  Musik ist immer   nicht einfach als zusätzliches Tool,
               dass sich Ausbildungsstrukturen   mit Fragen der Autor*innenschaft,   sondern als Anlass, grundsätzlicher
               im Lehramt Musik nur schrittwei-  Kreativität und kulturellen Reprä-  über das Selbstverständnis von
               se verändern. Dennoch zeichnen   sentation verbunden. Mit generati-  Musikpädagogik im digitalen Zeit-
               sich deutliche Verschiebungen im   ver KI treten Themen wie Cultural   alter nachzudenken.
               Selbstverständnis  insbesondere  Bias, Urheberrecht, Nachhaltigkeit
               der Musikpädagogik ab. KI wird das   oder Deepfakes besonders plas-  Wenn Sie fünf bis zehn Jahre in
               Fach nicht ersetzen, sie wird aber   tisch hervor. Für die Ausbildung   die Zukunft blicken: Was sollte
               Lehrende und Studierende heraus-  bedeutet das: Studierende sollen   eine KI-kompetente  Musiklehr-
               fordern, musikalische und musikpä-  nicht nur technisch mit KI umge-  kraft können?
               dagogische Praxen neu zu denken.  hen können, sondern lernen, deren   Malte Sachsse: Sie sollte gestalten
                                                gesellschaftliche, kulturelle und   können, also KI kreativ, aber auch
               In vielen Fachdisziplinen ist das   politische Dimensionen kritisch zu   kritisch-reflexiv  in  musikalische
               Thema generative KI hochschul-   reflektieren.                    Lern- und Bildungsprozesse einbin-
               didaktisch bislang kaum syste-                                    den. Wichtig ist zudem die Chancen
               matisch  verankert. Wie  steht  es   In Ihrem Projekt arbeiten Sie an   und Grenzen einzuschätzen und
               hier um die Musiklehramtsaus-    der Entwicklung, Erprobung, Eva-  dabei auch ethische Fragen offen zu
               bildung?                         luation und Dissemination eines   thematisieren. Darüber hinaus soll-
               Malte Sachsse:  Ähnlich, wir se-  hochschuldidaktischen Modells   te sie moderieren können, also die
               hen aber bestimmte Bereiche,     zum Einsatz generativer KI in der   Aushandlungsprozesse  zwischen
               an denen die Thematik beson-     Musiklehrkräftebildung.    Was   den  Lernenden  und  der  Maschine
               ders gut andocken kann. Zum      ist aus Ihrer Sicht der konkrete   begleiten und die KI-Kompetenz
               Beispiel  in  Seminarsitzungen,  Mehrwert eines solchen Modells   mit fachlichen sowie überfachlichen
               wo KI als Werkzeug für Unter-    für  Lehrende  in der  Musiklehr-  Zielen wie Demokratiebildung, Par-
               richtsplanung, Gestaltung  und   kräfteausbildung?                tizipation oder kultureller Bildung
               Reflexion  erprobt  werden  kann.   Jonas  Völker:  Unser  Modell  bün-  verbinden können.
               Ebenso in künstlerisch-pädago-   delt die empirischen Erkenntnisse,
               gischen Schwerpunktsetzungen,    die wir im Projekt gesammelt ha-  Was  wünschen  Sie  sich  persön-
               wo die Spannungsfelder zwischen   ben, in sogenannten Designprinzi-  lich für die hochschuldidaktische
               menschlicher und maschineller    pien. Damit wollen wir Lehrenden   Diskussion über generative KI an
               Kreativität ganz konkret erfahr-  eine Orientierung geben, wie sie   Musikhochschulen und den Hoch-
               bar  werden. Und  schließlich in   KI fundiert in ihre Seminare oder   schulbereich insgesamt?
               der Schulpraxisphase, wenn Stu-  auch im Musikunterricht einbin-  Jonas Völker:  Vor allem Mut zur
               dierende die Integration von KI   den können. Es geht also nicht nur   Auseinandersetzung. KI wirft viele
               direkt im Unterricht ausprobieren   um Handreichungen, sondern um   Fragen auf, die nicht durch schnelle
               und evaluieren. Genau an dieser   evidenzbasierte Szenarien, wie KI   Handreichungen  zu beantworten
               Schnittstelle setzt unser Projekt   in Lehr-Lern-Settings sinnvoll ein-  sind. Notwendig ist ein diskursiver
               KIMu_Lab an, indem wir empirisch   gesetzt werden kann.           Raum, in dem Lehrende, Studie-
               informierte Designprinzipien für   Malte Sachsse: Gleichzeitig schaf-  rende und Forschende gemeinsam
               KI-bezogene   Lehr-Lern-Settings  fen  wir  damit  Reflexionsanlässe   experimentieren,  reflektieren  und
               entwickeln.                      sowohl für Lehrende als auch Stu-  gestalten können. Für die Musik-
                                                dierende, um mit Unsicherheiten,   hochschulen bedeutet das: KI nicht
               Welche Bedeutung haben in der    Ambivalenzen oder auch ethischen   als Bedrohung, sondern als Anlass
               Ausbildung zukünftiger Musik-    Fragen produktiv umzugehen. In   zur fachlichen Profilierung zu ver-
               lehrkräfte ethische Aspekte?     diesem Sinne verstehen wir KI    stehen.

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