Page 31 - ORCA Magazin I 2026
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Misstrauen durch KI                                                                           31



               dem sich die Beteiligten mit so schwierigen Konzep-
               ten wie „Eigenständigkeit“, „guter wissenschaftlicher
               Praxis“,  „guter  Lehre“,  „Prüfungsgerechtigkeit“  und
               so weiter vor dem Hintergrund generativer KI aus-
               einandergesetzt haben. Um das zu tun, müssen Stu-
               dierende und  Lehrende einen Schritt aufeinander
               zugehen und offen darüber diskutieren. Das ist nicht
               leicht in einer Kultur, in der die einen die anderen
               nach ihrer Leistung bewerten müssen, und in der zu-
               weilen viel Konkurrenz und Druck herrscht; es setzt
               das Vertrauen voraus, dass alle an einem Strang zie-
               hen. Aus meinen Gesprächen mit Studierenden und
               Lehrenden  höre  ich  heraus,  dass  dieses  Vertrauen
               nicht immer gegeben zu sein scheint.


               Um es zu fördern, erscheint es mir hilfreich, zunächst
               einmal Verständnis für die jeweils andere Gruppe
               aufzubringen: Wenn Lehrende sich wünschen, ille-
               gitime KI-Nutzung aufdecken zu können, dann oft,
               weil es ihnen um Fairness und Gerechtigkeit gegen-
               über den Studierenden geht. Wenn Studierende Tä-
               tigkeiten an Sprachmodelle auslagern, die sie nicht
               auslagern sollten, dann oft, weil sie unter Zeitdruck
               stehen, einen zu hohen Workload oder Angst vor
               schlechten Noten haben. Meist hilft schon ein ein-
               facher Perspektivwechsel, um die andere Seite bes-
               ser zu verstehen: Vor welchen Problemen könnte je-
               mand stehen und kennt man die nicht vielleicht auch
               selbst?


               Zudem braucht es den Mut, Unsicherheiten zuzulas-
               sen. Wir müssen die Tatsache, dass man auch mal et-
               was falsch macht, dass Dinge vielleicht länger dauern
               und mit Reibungen verbunden sind, aushalten – bei
               uns selbst und bei anderen. Dazu kommt es nämlich                      Ihre Beiträge zum Thema KI sind
               meist dann, wenn etwas wirklich wichtig ist! In der                  seit Jahren beliebt: Nadine Lordick.
               Debatte um „generative KI“ zeigt sich insofern eine                              © Sebastian Strauß
               Chance: Unsicherheit besteht auf allen Seiten. In der
               Hochschulgemeinschaft können wir aber gemeinsam
               gestalten, wie es weitergehen soll. Dafür müssen wir
               uns selbst und uns gegenseitig etwas mehr trauen.









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