Page 12 - ORCA Magazin I 2026
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12 KI und Vertrauen
Zerstört KI das Vertrauen
in die Lehre?
5 Meinungen
KI hat die Hochschullehre maßgeblich verändert. KI-Anwendungen haben in allen Phasen der Lehre Einzug ge-
halten – von der Konzeption und Vorbereitung von Veranstaltungen über die Durchführung bis hin zur Leistungs-
überprüfung. Diese Veränderung wirft bei Lehrenden und Studierenden eine Vielzahl von Fragen auf. Lernen
Studierende mithilfe von KI selbstständig genug? Wie können Lehrende im Zeitalter von KI fair prüfen? Wie viel
Fach- und wie viel Methodenkompetenz sollte in der Lehre im Zeitalter von KI vermittelt werden?
Diese und viele weitere bislang unbeantwortete Fragen können verunsichern. Zerstört KI so das Vertrauen in die
Lehre? Wiebke Breustedt hat Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachrichtungen, Hochschulen und
Statusgruppen, die im Bereich KI und Hochschuldidaktik tätig sind, nach ihrer Meinung gefragt.
Prof. Dr. Aimee van Wynsberghe
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Alexander von Humboldt-Professorin für Angewandte Ethik der KI
Direktorin des Instituts für Wissenschaft und Ethik
AI doesn’t inherently destroy trust in teaching, but its rapid integration into education, expected to grow into
a $20 billion industry by 2027, raises serious concerns about over-reliance. Both students and educators may
begin to blindly trust AI outputs, which undermines critical thinking, the cornerstone of meaningful education.
Reflection, analysis, and the ability to generate original ideas risk being replaced by passive acceptance of AI-
generated conclusions. As educators, it is our ethical responsibility to teach students how to question and eva-
luate AI-generated content, fostering critical thinking and intellectual independence. Only then can AI serve
as a tool for growth rather than a barrier to deeper learning. © BMBF/PLS/Thilo Schoch
Prof.in Dr. Kirsten Schindler
Bergische Universität Wuppertal
Professorin für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur mit Schwerpunkt
Sprachdidaktik/Germanistik
KI zerstört nicht das Vertrauen in die Lehre, zwingt aber alle Beteiligten sich hinsichtlich der Beziehung unterein-
ander und der Beziehung zu KI zu vergewissern. Ausgangspunkt der Lehr-/Lern-Interaktion ist dann weder blin-
des Vertrauen noch grundlegendes Misstrauen, sondern eine Aushandlung über Bedingungen und Ziele, aber
auch Beschränkungen von KI. Im Idealfall tritt die KI als vertrauensvoller Akteur zum Lehr-/Lernprozess hinzu;
das wiederum ist auch eine technische Anforderung an KI-Modelle. © Bergische Universität Wuppertal

