Page 13 - ORCA Magazin I 2026
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KI und Vertrauen 13
Prof.in Dr. Anne Stockem Novo
Hochschule Ruhr West
Stiftungsprofessur für Angewandte Künstliche Intelligenz
Meine Erfahrung im Umgang mit KI in der Lehre war zunächst von einer großen Verunsicherung geprägt. Sie
zeigte sich sowohl im Team der Lehrenden als auch bei den Studierenden. Studierende genießen zunehmend die
Vorteile von KI bei der Erstellung von Studienleistungen und den damit verbundenen Erleichterungen bei der
Ideengenerierung und Produktion ansprechender Texte. Das Lehrpersonal beschäftigt sich vertiefend mit der
Frage, welche Prüfungsformate zukünftig greifen werden. Lehrende haben es mittlerweile verstanden, KI unter-
stützend einzusetzen, um Inhalte ästhetisch ansprechender und zielgerichteter zu gestalten. Allerdings besteht
für alle Nutzenden die Notwendigkeit, den Einsatz von KI kontinuierlich zu üben und Ausgaben zu reflektieren,
insbesondere bezogen auf den Umgang mit Daten. Das betrifft unter anderem das Prüfen von Quellen, der Stim-
migkeit der inneren Logik sowie einer Plagiatskontrolle. © HRW / henning:photographie
Dr. Alexander Dominicus
Hochschule Bochum
DigiTeach Institut – Institut für Digitale Transformation und E-Learning
KI kann verschiedene Vertrauensebenen in der Hochschullehre gefährden: vom gegenseitigen Vertrauen zwi-
schen Lehrenden und Studierenden bis hin zum Selbstvertrauen der Lernenden in ihre eigenen Fähigkeiten.
Während Transparenz und offene Kommunikation über den KI-Einsatz das Vertrauen zwischen den Beteiligten
wiederherstellen können, liegt die zentrale Herausforderung in der schleichenden KI-Abhängigkeit der Studie-
renden, die deren eigenständige Problemlösekompetenz untergraben kann. Als Hochschulen müssen wir daher
nicht nur klare Richtlinien für den KI-Einsatz entwickeln, sondern vor allem die Reflexionsfähigkeit und kritische
Medienkompetenz unserer Studierenden stärken, damit KI zu einem förderlichen Werkzeug wird und nicht zu
einer Krücke, die das Vertrauen in die eigenen intellektuellen Fähigkeiten untergräbt. © HS Bochum
Prof. Dr. Martin Mauve
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Prorektor für Digitalisierung und wissenschaftliche Infrastruktur Direktor des
Heine Center for Artificial Intelligence and Data Science (HeiCAD)
Dies hängt entscheidend davon ab, wie Lehrende und Lernende mit dem Einsatz von KI umgehen. Wird KI als
neues Werkzeug transparent, bewusst und verantwortungsvoll eingesetzt, dann kann sie die Lehre erheblich be-
reichern. Wird KI dagegen von Lernenden schlicht zur Vereinfachung der Abarbeitung von Übungen und Haus-
arbeiten verwendet oder gar von Lehrenden, um Studienleistungen automatisiert zu bewerten, dann drohen
erhebliche Einbußen in der Qualität der Lehre und in das Vertrauen in die Lehre. Ich selber sehe hier die Hoch-
schulleitungen in der Pflicht, einen geeigneten Rahmen für den Einsatz von KI in der Lehre zu setzen. Weiter liegt
es dann in der Verantwortung der Lehrenden die Lehr- und Prüfungsformate an eine Realität anzupassen, in der
KI allgegenwärtig ist. © HHU / Lukas Schulze
Gastbeiträge.

