Page 15 - ORCA Magazin I 2026
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KI-Lab                                                                                        15



               Methodisch orientierte sich das Lab an Formaten der   Besonders weitreichend war ein Fall aus einer Hoch-
               kollegialen Fallberatung, ergänzt durch thematische   schule, die den Anspruch verfolgt, KI-Kompetenzen
               Workshops, moderierte Reflexionsrunden und indivi-  strukturell in die Curricula von Studiengängen zu ver-
               duelle Roadmaps. Es ging nicht darum, Best-Practice-  ankern. Dazu wurden Kompetenzmatrizen entwickelt,
               Folien zu präsentieren, sondern reale Herausforde-  Richtlinien  für  den  Einsatz  generativer  KI  formuliert
               rungen sichtbar zu machen und gemeinsam daran zu   und geschaffen. Doch auch hier zeigte sich: Die Ent-
               arbeiten.                                         wicklung fachlich tragfähiger Use Cases ist komplex.
                                                                 Viele Lehrende befinden sich selbst noch im Lernpro-
                                                                 zess und zugleich dominiert der Fokus auf generative
               Fallarbeit – Hochschulrealitäten                  KI. Diese einseitige technische Fixierung wurde im Lab
                                                                 kritisch diskutiert.
               zwischen Ambition und Alltagsdruck.

                                                                 Neben der Fallberatung bot das Lab Raum für offe-
               Der Kern des KI-Labs in Münster bestand aus der   ne Reflexionen: Was funktioniert und was nicht? Die
               kollegialen Fallberatung – einer strukturierten Me-  Bilanz war überraschend klar. Formate wie offene
               thode, bei der reale Herausforderungen aus dem    Sprechstunden, Barcamps oder Moodle-Bausteine
               Hochschulalltag gemeinsam analysiert und weiterge-  erzielen oft geringe Wirkung, während punktuelle
               dacht wurden. Das Format wirkte wie ein produktiver
               Kontrapunkt  zu  klassischen  Konferenzen:  Statt  über
               abstrakte Strategien zu sprechen, wurde an konkre-
               ten Praxisproblemen gearbeitet – offen, ehrlich und
               manchmal auch ernüchternd.


               In einem Fall ging es um das Scheitern freiwilliger
               Qualifizierungsangebote  für  Lehrende  zur  KI-Nut-
               zung. Trotz gut aufbereiteter Online-Kurse und nied-
               rigschwelliger Zugänge blieb die Resonanz gering. Die
               Angebote wurden vor allem von technikaffinen „early
               adopters“ genutzt, erreichten aber kaum eine Breiten-
               wirkung. Studierende signalisierten dagegen ein wach-
               sendes Interesse an KI-Kompetenzen. Die didaktische
               Anschlussfähigkeit auf Seiten der Lehrenden blieb je-
               doch hinter diesen Erwartungen zurück.


               Ein anderer Fall zeigte, wie schwer es ist, innovati-
               ve Maßnahmen zur KI-Sensibilisierung innerhalb
               der eigenen Hochschule zu verankern. Formate wie
               digitale  Infohäppchen  oder  Servicestellen  stießen
               an  ihre  Grenzen,  wenn  Gremienstrukturen oder
               abweichende Regelungen einzelner Fachbereiche
               blockierten. Ein Vorschlag lautete, die Auseinander-
               setzung mit KI in Zielvereinbarungen auf Instituts-
               ebene zu verankern, was ein Zeichen dafür ist, dass
               Freiwilligkeit und punktuelle Ansprache allein nicht   Sehenswerte Kulisse: das Alexianer Hotel am Wasserturm.
               ausreichen.                                                              © ORCA.nrw/Markus Deimann

                                                                                             Reportage.
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