Page 19 - ORCA Magazin I 2026
P. 19
KI in Prüfungen 19
kompetenz, Transfer und Reflexion überprüft wer-
den können.
Wie kann man Prüfungen sinnvoll anpassen, ohne
gleich das ganze Curriculum umzubauen?
Zunächst: Transparenz schaffen. Es braucht klare Re-
gelungen, wie KI genutzt werden darf – und wie nicht.
Dann sollten wir stärker auf Transfer und Reflexion
setzen: Können Studierende zeigen, dass sie Zusam-
menhänge verstehen, kritisch denken, Urteile begrün-
den? Spannend wird es, wenn man KI nicht verbietet,
sondern als Werkzeug zulässt – und die Aufgabe darin
besteht, den Einsatz zu reflektieren: Welcher Prompt
wurde gewählt? Was leistet die KI, was nicht? Warum
wurde die Antwort übernommen – oder eben nicht?
Statt Prüfungen auf die Maschine zuzuschneiden, soll-
ten wir Kompetenzen prüfen, die sich nicht so leicht
automatisieren lassen – Intuition, Argumentation, kri-
tische Prüfung von Ergebnissen.
Haben Sie ein Beispiel für ein solches „neues“ Prü-
fungsformat?
Ein Beispiel ist die begleitete Projektarbeit mit KI-
Nutzung. Die Studierenden arbeiten an einer realen Beschäftigt sich intensiv mit dem Prüfungen im KI-Zeitalter:
Problemstellung – etwa einem Kommunikationskon- Dr. Fabian Schoden. © Hochschule Bielefeld
zept, einer technischen Lösung oder einem Text – und
dürfen KI-Tools nutzen. Aber: Der KI-Einsatz muss
dokumentiert, kommentiert und bewertet werden. nerieren, vergleichen, einordnen – dann kann KI ein
Die Maschine liefert, aber der Mensch steuert. Diese starker Impulsgeber sein. Aber nur, wenn wir Raum für
„Prompting-Reflexion“ wird Teil der Note. Dazu kommt Reflexion schaffen.
ein abschließendes Kolloquium, in dem Entscheidun-
gen und Ergebnisse erläutert werden. So entsteht eine Was raten Sie Hochschulleitungen und Lehrenden,
vielschichtige Prüfungsleistung. die angesichts dieser Entwicklungen eher zögerlich
oder skeptisch sind?
Gibt es bestimmte didaktische Ansätze, die durch KI
sogar gefördert werden? KI wird bleiben. Wer heute experimentiert, prägt die
Standards von morgen. Hochschulleitungen können
Unbedingt. Konstruktivistische Ansätze, Forschendes Freiräume schaffen – für didaktische Entwicklung, für
Lernen, problembasiertes Arbeiten – all das lässt sich rechtssichere Regelungen, für gemeinsame Reflexion.
mit KI sehr gut kombinieren. Wenn Studierende ein Prüfungen sind kein technisches Problem, sondern ein
Thema explorieren, Hypothesen testen, Inhalte ge- pädagogisches Gestaltungsfeld.
Interview.

