Keynote von Professor Dr. Joshua Weidlich, Universität Zürich
Leistung ist nicht Lernen
Was wir bisher über KI in der Hochschullehre wissen – und was nicht
Generative KI gilt wahlweise als Lernbeschleuniger oder als Gefahr für das Lernen, und die Forschung scheint beides zu belegen. Der Vortrag vertritt die These, dass KI weniger neue Probleme der Hochschullehre schafft, als vielmehr bestehende unübersehbar zu machen. Das zeigt sich zuerst in der Forschung selbst: Viele Studien wiederholen die Fallstricke der alten Medienvergleichsdebatte und unterscheiden nicht immer stringent zwischen Leisten und Lernen. Dass diese auseinanderfallen können, ist jedoch keine Entdeckung des KI-Zeitalters. Die Lernpsychologie weiß es seit Langem, und auch Prüfungen haben schon immer nur indirekt vom Produkt auf das Können geschlossen. Neu ist, wie groß dieser Abstand mit KI werden kann. Ausgehend von klassischen Arbeiten wie den „Ironies of Automation“ und „Partners in Cognition“ fragt der Vortrag, was wir empirisch tatsächlich wissen und welche Ansätze produktive Lernprozesse und -aktivitäten mit KI erhalten können. Am Ende steht eine Frage, die solche Ansätze allerdings kaum beantworten können: Welche Arbeit sollten Studierende künftig noch selbst tun?