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NRW:Stage – Ein Tag voller Highlights

Endlich ist es soweit: Das offizielle Programm für das University:Future Festival (22. bis 24. Juni) steht fest! Damit ist auch klar, welche spannenden Programmpunkte am 22. Juni Teil der von ORCA.nrw gemeinsam mit zahlreichen Partnerinstitutionen organisierten NRW:Stage im Unperfekthaus in Essen sein werden. Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf einen abwechslungsreichen Tag voller Inspiration, Austausch und Networking freuen.

Der Tag startet um 9:30 Uhr mit einer offiziellen Begrüßung durch ORCA.nrw-Geschäftsführer PD Dr. Markus Deimann. „Wir freuen uns sehr, so hochkarätige Speakerinnen und Speaker mit spannenden Themen aus unterschiedlichen Bereichen für unsere Bühne gewonnen zu haben. Besucherinnen und Besucher erwartet ein vielfältiges Programm in Essen“, so Deimann.

Doch nicht nur auf der Bühne ist einiges geboten: Zahlreiche Workshops laden dazu ein, neue Impulse zu gewinnen und sich aktiv einzubringen. Die Landesinitiative für Forschungsdatenmanagement – fdm.nrw ist mit einem eigenen Stand vertreten. Außerdem macht das Projekt KlimaOER mit seinem Klimakoffer den Klimawandel experimentell erlebbar.

Ein besonderes Highlight am Vormittag ist das Community-Treffen des Kompetenzzentrums Digitale Barrierefreiheit.nrw, das in das Rahmenprogramm der U:FF NRW:Stage eingebettet ist. Am Nachmittag öffnet die Teaching Clinic ihre Türen: Ab 14:15 Uhr können Sie Ihre Fragen rund um die Lehre direkt an die Expertinnen und Experten von KI:edu.nrw, Moodle.nrw, ILIAS.nrw, dem Netzwerk hdw NRW, dem Netzwerk Hochschuldidaktik NRW, dem Kompetenzzentrum Digitale Barrierefreiheit.nrw, dem Universitätsverbund digiLL und der Rechtsinformationsstelle ORCA.nrw richten. Die Möglichkeit zur Vorab-Buchung der Beratungsslots besteht zwei Wochen vor der Veranstaltung über die Veranstaltungsplattform.

Abgerundet wird der Tag durch zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch und zur Vernetzung – etwa im Wintergarten, unserem Community Space mit Dachterrasse.

Das offizielle Bühnenprogramm:

9:30 Uhr bis 10:00 Uhr
Eröffnung der NRW:Stage Essen

PD Dr. Markus Deimann eröffnet die NRW:Stage. Gemeinsam mit allen organisierenden Partnerinnen und Partnern – Moodle.nrw, ILIAS.nrw, dem Kompetenzzentrum Digitale Barrierefreiheit.nrw, hdw NRW, dem Netzwerk Hochschuldidaktik NRW, KI.edu.nrw und dem Universitätsverbund digiLL – begrüßt er die Gäste in Essen und an den Bildschirmen. Teil der Eröffnung ist ein gemeinsames Warm-up mit Silke Kirberg von der Hochschule Niederrhein.

10:05 Uhr bis 10:35 Uhr
STACK.nrw: Digitale Prüfungen mit automatisiert bewerteten Aufgaben – von der Infrastruktur zur Praxis (Input 30 Min)

Digitale Prüfungen mit automatisiert bewerteten Aufgaben gewinnen in der Hochschullehre zunehmend an Bedeutung. Das Projekt STACK.nrw adressiert die zentrale Herausforderung, wie solche Prüfungsformate qualitätsgesichert, skalierbar und nachhaltig umgesetzt werden können. Der Beitrag gibt zunächst einen Überblick über Ziele, Struktur und Ansatz des Projekts und zeigt, wie Lehrende bei der Erstellung, Nutzung und Weiterentwicklung von Aufgaben unterstützt werden. Am Beispiel der Datenbank ATLAS wird anschließend konkret erläutert, wie Aufgaben kollaborativ entwickelt, gepflegt und in digitalen Prüfungen sowie im E-Assessment eingesetzt werden können. Teilnehmende erhalten Einblicke in organisatorische, technische und didaktische Aspekte sowie Anregungen für die eigene Praxis.

10:50 Uhr bis 11:20 Uhr
Fall des Monats live: Rechtliche Rahmenbedingungen für die Erstellung von Lehrmaterialien

Der Vortrag gibt anhand eines Urteils des OLG Nürnberg Einblicke in die urheberrechtlichen Fragestellungen, die bei der Erstellung und Nutzung fremder Materialien im Rahmen der Lehre eine Rolle spielen. Im Zentrum steht die Frage, wann und in welchem Umfang fremde Werke für Lehrzwecke genutzt werden dürfen. Dabei wird eingeordnet, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen und welche Grenzen zu beachten sind. Im Anschluss stehen die Vortragenden für Fragen zur Verfügung.

11:25 Uhr bis 11:55 Uhr
Mehr als Leuchttürme

Lehr- und Lernraumprojekte an Hochschulen bewegen sich häufig in einem Spannungsfeld: Einzelne ‚innovative‘ Modellräume entstehen unter schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen. Leuchtturmprojekte befinden sich nicht selten in einem Umfeld, das in der Breite von didaktisch oder technisch veralteter Infrastruktur geprägt ist. Die ‚Skalierung‘ von Modellräumen bleibt ein ungelöstes Problem. Unser Beitrag setzt bei dieser Spannung an: Er zeigt am Beispiel des „Raumlabors Philologie“, wie die Ruhr-Universität Bochum (RUB) aus experimentellen Raumsettings heraus ein zukunftsorientiertes Raumportfolio entwickelt. Die RUB durchläuft gerade eine umfassende Phase der Campussanierung, die sie mit dem Projekt „Flächen der Zukunft“ auch didaktisch-konzeptionell begleitet. In unserem Input werden wir – mit Transferpotential für andere Hochschulen – datengestützt zeigen, vor welchen Herausforderungen die Lehr-Lernraumentwicklung an der RUB steht und wie die konkreten Nutzungserfahrungen des Raumlabors in die strategische Campusentwicklung eingehen.

12:10 Uhr bis 12:40 Uhr
Vom Artefakt zum System

Hochschullehre steht unter dem Anspruch kontinuierlicher Weiterentwicklung und Qualitätssicherung. Gleichzeitig geraten klassische produktionsorientierte Formate vor dem Hintergrund generativer KI unter Druck: Produkte lassen sich zunehmend ohne tiefes fachliches Verständnis erzeugen, Lernprozesse werden schwerer sichtbar. In Game Jams unseres Arbeitskreises ProLudens zeigt sich ein anderer Zugang: Wenn Lernende Inhalte spielerisch umsetzen und eigene Spielkonzepte entwickeln, setzen sie sich intensiv mit dem Lerngegenstand auseinander. Didaktisch kohärente Spiele erfordern Transferleistungen, bei denen Lerninhalte in regelbasierte Systeme, Mechaniken und Wirkungslogiken übersetzt werden. Der Fokus verschiebt sich vom Produzieren einzelner Artefakte hin zum Modellieren von Systemen.

12:45 Uhr bis 13:15 Uhr
Accessible Materials

Digitale Lehr- und Lernmaterialien sind häufig nicht barrierefrei – mit erheblichen Folgen für Teilhabe und Chancengleichheit. Der Workshop beleuchtet typische Barrieren und strukturelle Herausforderungen in der Gestaltung und Auswahl von Materialien in Schule und Hochschule. Die Teilnehmenden reflektieren ihre eigene Materialpraxis, entwickeln ein Problembewusstsein für inklusive digitale Didaktik und lernen zentrale Prinzipien, Tools und Standards kennen. Kurze Praxisimpulse dienen der Illustration und Diskussion. Ziel ist es, Lehrende und (zukünftige) Lehrkräfte für digitale Barrierefreiheit zu sensibilisieren und sie als Multiplikator:innen für inklusive Bildung zu stärken.

14:15 Uhr bis 15:20 Uhr
Paneldiskussion Hochschullehre digital gestalten: Einblicke in erfolgreiche Ansätze aus NRW

Die Podiumsdiskussion bringt Expert*innen aus allen relevanten Bereichen der digitalen Hochschullehre in Nordrhein-Westfalen zusammen. Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit in NRW. Innovative Learning – was bedeutet das konkret für die jeweiligen Organisationen und was können sie gemeinsam erreichen, was alleine nicht möglich wäre?

15:35 Uhr bis 16:05 Uhr
Wissenstransfer immersiv gestalten: Von der didaktischen Idee zur strategischen Implementierung

Immersive Technologien (XR) bieten enorme Potenziale für den Wissenstransfer, vor allem dann, wenn sie didaktisch-strukturell eingebettet sind. Am Beispiel des XR-Labs der TH Köln zeigt dieser Beitrag den Aufbau einer XR- Infrastruktur auf, die weit über die Hardware-Bereitstellung hinausgeht. Im Fokus steht der systematische Übergang von punktuellen Anwendungen hin zu einer strategischen Verankerung in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Vorgestellt wird ein praxisorientiertes Phasenmodell, das von der Bedarfsanalyse über die didaktische Konzeption bis zur Implementierung reicht. Dabei werden Lehrende sensibilisiert, Curricula angepasst und Programme verstetigt. Der Beitrag verdeutlicht, wie durch Co-Creation zwischen Fachdisziplinen und Mediendidaktik Synergien entstehen. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Struktur, Didaktik und Technologie zusammenwirken, um immersive Weiterbildung nachhaltig umzusetzen.

16:10 Uhr bis 16:40 Uhr
Zocken, Streamen, Reflektieren

Unsere Welt ist stark von digitalen Medien, Streaming-Plattformen und Games geprägt. Hochschulbildung, die Studierende erreichen will, muss deren Lebensrealität aufgreifen und Lernformate entwickeln, die Relevanz, Interaktion und Reflexion verbinden. Der Beitrag zeigt auf, wie innovative Lehrformate die Hochschulbildung bereichern und nachhaltige Lernprozesse fördern können. Im Fokus steht die Integration mediendidaktischer Ansätze, die Studierende anregen, globale Herausforderungen zu reflektieren sowie individuelle Lösungsansätze zu entwickeln. Vorgestellt werden evaluierte Praxisbeispiele, darunter die Kursreihen „Zocken gegen die Klimakrise“, „Planetary Health Challenge“ und „Herr der Ringe und Co. – Was wir aus Fantasyfilmen lernen können“. Der Beitrag möchte Lehrende ermutigen, eigene Lernformate zu konzipieren und zu erproben, die Studierenden ermöglichen, mit Spaß zu lernen.

16:45 Uhr bis 17:15 Uhr
Wir schaffen das zusammen: dezentrale souveräne KI-Infrastruktur

‘Souveränität’, insbesondere im digitalen Raum, wird zunehmend von einer Floskel zu einem ernstzunehmenden Thema – nicht zuletzt durch die aktuelle Weltlage. Somit stellt sich für Hochschulen die Frage nach Möglichkeiten der Bereitstellung von souveräner KI-Infrastruktur mit hoher Relevanz. Deutschlandweit haben sich erste Ansätze der Bereitstellung an einzelnen Hochschulen und an zentralen Einrichtungen geformt und erfolgreich etabliert. Im Raum stehen dabei jedoch stets die Fragen der Skalierbarkeit, Resilienz und Kosten. Daher stellen wir unseren Ansatz einer dezentralen souveränen und skalierbaren KI-Infrastruktur aus NRW vor, der „bottom-up“ schnelles iteratives Prototyping und Erkenntnisgewinne ermöglicht.

17:15 Uhr bis 17:30 Uhr
Closing: Recap und Verabschiedung

Zum Abschluss der NRW:Stage blickt PD. Dr. Markus Deimann zurück auf einen ereignisreichen Festivaltag und lässt die Highlights auf und abseits der Bühne Revue passieren.

Ist Mythos zu gefährlich für den Markt? – KI-News mit Prof. Paaße

Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen hatten es in sich: Das Sprachmodell Mythos der Firma Anthropic sei angeblich so schlau, dass es zu gefährlich wäre, veröffentlicht zu werden. Benjamin Paaßen, Juniorprofessor und KI-Experte an der Universität Bielefeld, schaut genau hin und erklärt, was an der Geschichte dran ist.

Zudem beantwortet er die Frage, warum auf einmal alle MacMinis ausverkauft zu sein scheinen und ein Überblick über die vielfältigen KI-Unterstützungsangebote aus NRW darf in Folge sechs auch nicht fehlen.

Alle weiteren Folgen finden Sie hier.

Sie haben eine Frage zum Thema „KI in der Lehre“? Schicken Sie uns gerne eine Mail und wir beantworten sie in einer der kommenden Ausgaben.

Prof. Dr. Franziska Bellinger: „Wir wollen die Medienkompetenz junger Menschen stärken“

Im Projekt ULAT „Unlearning Anti-Feminism on TikTok” (gefördert von der Volkswagen-Stiftung) wurde an der Universität zu Köln (UzK) gemeinsam mit „mediale pfade“, einem Verein für Medienbildung, ein Workshop-Konzept entwickelt, das nun auch über ein neues Themenfenster bei ORCA.nrw erreichbar ist. Projektleiterin Juniorprofessorin Dr. Franziska Bellinger (UzK) verrät im Interview, was Nutzerinnen und Nutzer erwarten dürfen, warum Antifeminismen und TikTok so eng zusammenhängen und wieso von Anfang an klar war, dass alle Materialien als OER veröffentlicht werden.

Franziska Bellinger, seit Neuestem stellen wir auf ORCA.nrw das Projekt ULAT vor, an dem du maßgeblich beteiligt warst. Was sieht man beim Blick durch unser neues Themenfenster?

Bellinger: Mit unserem Projekt wollen wir die Medienkompetenz junger Menschen stärken. Dazu haben wir ein modulares Workshop-Konzept entwickelt, mit dessen Hilfe das kritische Denken hinsichtlich Social Media und der Souveränität im Umgang mit den Plattformen gestärkt werden soll. In unserem Projekt haben wir die Beobachtung zum Ausgangspunkt genommen, dass sich auf der Plattform TikTok antifeministische Diskurse aus dem rechten Spektrum in vermeintlich harmlosen Lifestyle-Formaten zeigen. Wir wollten wissen, wie Jugendliche und junge Erwachsene dieses Phänomen wahrnehmen und wie sie durch Bildungsangebote und -materialien in ihrer Handlungsfähigkeit dahingehend gestärkt werden können. Dabei sind offene und empirisch fundierte Bildungsmaterialien (OER) sowie Handlungsempfehlungen für die Bildungsarbeit im Bereich der politischen Medienbildung entstanden. Diese können sowohl in formalen Kontexten wie Schulen oder Hochschulen als auch in non-formalen Kontexten wie Vereinen oder Initiativen zur Förderung eines kritischen Bewusstseins und souveräner Handlungsstrategien im Umgang mit antifeministischen Inhalten und Diskursen auf Social Media genutzt werden.

Heute wirst du interviewt, im Zuge des Projekts saßest du oft auf der anderen Seite des Tisches.

Bellinger: Richtig. Wir haben am Anfang des Projekte eine Interview-Studie durchgeführt, um überhaupt erst den Gegenstandsbereich zu definieren, nämlich wie junge Erwachsene auf TikTok mit antifeministischen Inhalten und Narrativen konfrontiert werden. Dazu haben wir mit 16 Personen im Alter zwischen 15 und 22 Jahren gesprochen. Diese Interviews waren eine wichtige Grundlage, um im Anschluss didaktische Implikationen ableiten, Methoden entwickeln und das Workshop-Konzept gestalten zu können.

ULAT steht für „Unlearning Anti-Feminism on TikTok”. Ganz grundsätzlich gefragt: Was genau versteht man unter Antifeminismus?

Bellinger: Im Kern geht es um weltanschauliche Positionen, die sich gegen Feminismus und die Errungenschaften des Feminismus richten. Diese Narrative und Spielarten schließen auch eine ablehnende Haltung gegenüber der Gleichberechtigung von LGBTQ+ ein. Heteronormative Herrschaftsverhältnisse sollen durch Antifeminismen aufrechterhalten und Ungleichwertigkeit wieder salonfähig gemacht werden. Im wissenschaftlichen Diskurs gilt Antifeminismus auch als Ideologie, die den Zugang zu anderen menschenverachtenden Positionen erleichtern kann. Deswegen ist uns das Thema so wichtig. Es ist gesellschaftlich relevant: Es geht schließlich auch um demokratische Werte und um zentrale Fragen dazu, wie wir zusammenleben wollen.

Warum ist speziell die Plattform TikTok für eure Arbeit so interessant gewesen?

Bellinger: TikTok ist aus vielen Gründen spannend. Die Plattform ist gerade bei vielen jungen Menschen relevant. Anders als auf Instagram oder YouTube hat man viel schneller die Möglichkeit, mit Inhalten viral zu gehen – das kann Fluch und Segen zugleich sein. Wir haben uns also intensiv angeschaut, wie TikTok funktioniert. Die Darbietung der Inhalte über die For-You-Page und wie Diskurse auf der Plattform entstehen, das ist besonders. Gerade auf TikTok ist Antifeminismus ein Thema. Wir versuchen mit unserem Projekt darüber aufzuklären.

Im Projekt sind zahlreiche Materialien entstanden. Auf was dürfen sich Nutzerinnen und Nutzer freuen?

Bellinger: Konkret haben wir ein Workshop-Konzept und Methoden entwickelt, die vielfältig beziehungsweise modular eingesetzt werden können. Damit wollen wir Lehrenden eine Unterstützung an die Hand geben. Wir haben zum Beispiel eine Zeitstrahlmethode, im Rahmen derer eine Auswahl an feministischen Errungenschaften zeitlich einsortiert werden soll. Beim TikTok-Puzzle, unserer Kernmethode, beschäftigt man sich zum Beispiel sehr intensiv mit einem Video, anstelle von nur wenigen Sekunden, wie es auf der Plattform üblich ist. Lehrende können für ihren Workshop diese Bausteine eigenständig auswählen oder den kompletten Ablauf übernehmen. Es geht dabei auch darum, die Plattform und Mechanismen auf Social Media zu kennen und kritisch zu reflektieren.

Du bist seit Jahren in der OER-Welt bekannt und wirst für deine offene Einstellung geschätzt. Wie groß war die Chance, dass die Materialien nicht als OER veröffentlicht werden?

Bellinger: (lacht) Vermutlich null Prozent. Es ist für mich eine grundsätzliche Haltung als Lehrperson: diese Offenheit. Ich bin seit Langem im Bereich der Hochschulentwicklung und Hochschuldidaktik dabei, deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass Offenheit so viel ermöglicht und Lehre dadurch besser weiterentwickelt werden kann. Das gemeinsame Gestalten ist bei etwas ganz Besonderes. Deswegen war schnell klar: Ohne OER gehen wir nicht aus diesem Projekt raus.

Franziska Bellinger zu Gast bei „Lehre verbindet NRW“
Am 25. Juni von 13 bis 14 Uhr stellt Prof. Dr. Franziska Bellinger die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Projekt ULAT im Rahmen der beliebten ORCA.nrw-Veranstaltungsreihe „Lehre verbindet NRW“ vor. Eine kostenlose Teilnahme ist möglich, wir freuen uns auf Ihre Anmeldung.

Neues ORCA.nrw-Magazin: 46 Seiten zu „KI in der Hochschullehre“

Kaum ein Thema beschäftigt Lehrende und Hochschulangehörige aktuell wohl so sehr wie Künstliche Intelligenz. Deswegen haben wir Expertinnen und Experten aus Nordrhein-Westfalen interviewt, spannende Projekte porträtiert und zahlreiche Gastbeiträge gesammelt. Das Ergebnis: die erste Digital-Ausgabe von „Studium und Lehre – das ORCA.nrw-Magazin“. Das Thema: Künstliche Intelligenz in der Hochschullehre.

Auf 46 Seiten werden zahlreiche interessante Projekte wie Tutor.AI von der Universität Münster oder Ippolis von der Fachhochschule Dortmund vorgestellt. Fünf Expertinnen und Experten gehen der Frage nach, ob KI das Vertrauen in die Lehre zerstört. Dr. Katrin Stolz und Joana Eichhorn von der Technischen Universität Dortmund geben aus Sicht zweier Mitarbeiterinnen einer hochschuldidaktischen Einrichtung einen Einblick in den Umgang mit KI und Nadine Lordick von der Ruhr-Universität Bochum plädiert in ihrem Gastbeitrag für einen starken Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden. Tauchen Sie ein in unser Magazin!

Das Besondere: In der digitalen Ausgabe sind zahlreiche weiterführende Links hinterlegt, das Blättern durch die Seiten oder Zoomen funktioniert einfach und schnell. Vom Inhaltverzeichnis kommen Sie per Mausklick zudem direkt auf jede gewünschte Geschichte. Viel Spaß!

Wir freuen uns auch über Ihre Teilnahme an unserer Kurzumfrage zum ORCA.nrw-Magazin.

Platzt die KI-Blase? – KI-News mit Prof. Paaßen

In der neuen Folge des Formats „KI-News mit Prof. Paaßen“ widmet sich Benjamin Paaßen, Juniorprofessor und KI-Experte an der Universität Bielefeld, einigen kritischen Fragestellungen zum Thema KI.

Darüber hinaus gibt er einen Einblick in sogenannte multimodale Modelle und erklärt, welche Systeme welchen IQ haben. Die Ergebnisse sind verblüffend.

KI-News mit Prof. Paaßen – Folge 5

Alle weiteren Folgen finden Sie hier.

Sie haben eine Frage zum Thema „KI in der Lehre“? Schicken Sie uns gerne eine Mail und wir beantworten sie in einer der kommenden Ausgaben.

Intelligente Suche nach Bildungsmaterialien mit dem neuen KI-Chatbot für Videos

Sie suchen für Ihre Lehre ein bestimmtes Video oder eine Sequenz, wollen aber nicht sechs Stunden Material durchschauen? Dann sind Sie bei ORCA.nrw genau richtig: Der neue KI-Chatbot für Videos von ORCA.nrw hilft Ihnen rund 2.400 Videos zu durchsuchen, die auf dem TIB-AV-Portal durch ORCA.nrw veröffentlicht wurden. So ist eine gezielte Erschließung der Videoinhalte möglich. Zu jeder Ihrer Anfragen erhalten Sie eine Auswahl von fünf Videos oder Videozeitmarken, die zur Anfrage in Bezug stehen.

In enger Kooperation mit dem KI-Servicezentrum WestAI hat ORCA.nrw in den vergangenen Monaten das Tool entwickelt. „Die Erstellung des Tools hat zweierlei gezeigt: LLM‘s können im Umfeld von Hochschule und OER sinnvoll eingesetzt werden und die Materialerschließung erleichtern. Darüber hinaus zeigt die operative Durchführung des Projekts, dass innerhalb eines kleinen Rahmens mit entsprechendem Know-how und Engagement aller Beteiligten tragfähige Ergebnisse erzielt werden können“, sagt PD Dr. Markus Deimann, Geschäftsführer von ORCA.nrw.

Mehrwert: effizient, offen und datenschutzkonform

Der neue KI-Chatbot von ORCA.nrw spart vor allem Zeit. Das lange Durchschauen zahlreicher Videos ist nicht mehr nötig, stattdessen erhalten Nutzerinnen und Nutzer präzise Treffer dank der Analyse von Untertiteln. Es entlastet, steigert die Qualität der Lernangebote und durch den Einsatz DSGVO‑konformer Infrastruktur bleibt der Datenschutz gewährleistet. Zudem ist die Lösung nachhaltig, da sie auf offenen Standards basiert und beliebig erweiterbar bleibt.

ORCA.nrw-Tagung 2025 mit viel Austausch und Vernetzung

Reges Treiben herrschte am Mittwoch im Veranstaltungszentrum an der Ruhr-Universität (RUB). Zur vierten ORCA.nrw-Jahrestagung fanden gut 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Weg nach Bochum, um sich über aktuelle Entwicklungen rund um die Hochschulbildung auszutauschen. Das siebenstündige Programm bot dabei vielfältige Informations- und Vernetzungsmöglichkeiten. Ausgerichtet wurde die Tagung von ORCA.nrw sowie dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, gefördert wurde sie vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW). 

Um Punkt Uhr eröffnete ORCA.nrw-Geschäftsführer PD Dr. Markus Deimann die Tagung und moderierte die Grußworte von Prof. Dr. Kornelia Freitag (Prorektorin für Lehre und Studium an der RUB), Dr. Henning Koch (Stifterverband) und Dr. Martin Jungwirth (Geschäftsführer der DH.NRW) an. Im Anschluss wurde es direkt inhaltlich: Unter dem Motto „Hochschullehre inspirierend und verbindend“ warteten insgesamt 26 Beiträge auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Besonders dabei: Die Hälfte der Beiträge stammte aus der Community.

PD Dr. Markus Deimann: „Als Landesportal für Studium und Lehre möchten wir mit Veranstaltungen wie der heutigen einen Ort zum Austausch und zur Vernetzung bieten. Wir freuen uns sehr, dass unsere Tagung auch in diesem Jahr großen Anklang gefunden hat. Unser Dank geht an alle Referentinnen und Referenten sowie den Stifterverband für die auch in diesem Jahr wieder hervorragende Zusammenarbeit.“

Impressionen der ORCA.nrw-Tagung 2025:

Mehr zur ORCA.nrw-Tagung 2025 sowie die Präsentationen der Referentinnen und Referenten finden Sie auf der Tagungswebsite.

Mit Julia durch die Schulzeit – praxisnahe Fallbeispiele für stärkere Beratungskompetenz in pädagogischen Kontexten

Im Projekt „DigiFall“ sind in den vergangenen zwei Jahren besondere Bildungsmaterialien für pädagogische und gesundheitsbezogene Studiengänge entstanden. Als Nutzerin oder Nutzer begleitet man unter anderem Julia, Jackson und Nicole und lernt dabei praxisnah, welche Rolle Kommunikation und Beratung für die Ermöglichung von Teilhabe in verschiedenen Bereichen spielt. Alle Materialien aus „DigiFall“ sowie aus vielen weiteren Projekten aus der OERContent.nrw-Förderlinie werden in Kürze auf ORCA.nrw abrufbar sein.

Julia blickt in ihre Handykamera und atmet tief durch. „Hey Leute“, sagt sie, „es ist wieder Zeit für ein Update aus meinem Leben.“ Die 17-Jährige wirkt angespannt und fährt sich mit ihrer freien Hand einmal schnell durch die langen rötlichen Haare. „Die Schule macht mir echt zu schaffen. Ich meine, ich liebe Informatik und so, aber der Rest ist nicht so toll.“ Sie atmet schwer, lässt den Arm mit dem Handy in der Hand ein wenig nach unten fallen und schüttelt leicht den Kopf, als sie sagt: „Und irgendwie wird das Stottern immer schlimmer mit dem ganzen Stress.“

Porträt von Michelle Möhring
Dr. Michélle Möhring

Was auf den ersten Blick wie eine Story auf Instagram aussieht, ist die Einstiegssequenz eines digitalen Lernmoduls aus dem Projekt „DigiFall“. Die Follower sind dabei Studierende aus pädagogischen und gesundheitsbezogenen Studiengängen, Julia selbst wird von einer Schauspielerin verkörpert. „Ziel ist es, die Kommunikations- und Beratungskompetenzen von Studierenden in multiprofessionellen Teams praxisnah zu stärken“, sagt Dr. Michélle Möhring von der Technischen Universität Dortmund, die das Projekt zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Nadine Elstrodt-Wefing leitet. „DigiFall“ steht für „Digitale Fallarbeit – Transdisziplinäres Self-Assessment in pädagogischen und gesundheitsbezogenen Kontexten“. Vor allem in Studiengängen wie Soziale Arbeit, Rehabilitationspädagogik, Heil- und Sonderpädagogik sowie Logopädie und Ergotherapie können die entstandenen Materialien eingesetzt werden, aber auch angehende Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte profitieren von ihnen. Die Idee: Durch problemorientiertes und kollaboratives Arbeiten an praxisnahen Fallbeispielen lernen Studierende, ihre in Lehrveranstaltungen erworbenen theoretischen Kenntnisse im Bereich der Kommunikation und Beratung sowie der multiprofessionellen Arbeit in die Praxis zu transferieren.

Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das: aufnehmen, reflektieren, beschreiben und immer wieder selbstständig Entscheidungen treffen. Konkret schlüpfen sie zum Beispiel in die Rolle der Schulsozialarbeiterin Kerstin Sommer und werden nach dem Einstiegsvideo gefragt, welchen Eindruck sie von Julia hatten und welche Aspekte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit besonders relevant sein könnten. Zur Bearbeitung erhalten sie zahlreiche zusätzliche Materialien wie einen Steckbrief mit persönlichen Informationen über Julia oder einen ausführlichen Anamnesebogen aus einer Logopädie-Praxis, der über die sechsjährige Julia existiert. „Im Vordergrund steht, die Teilhabe der beschriebenen Person zu sichern oder gegebenenfalls wiederherzustellen“, erklärt Möhring. Bei Julia steht die Teilhabe im Bereich Bildung und Wohnen im Fokus, im Projekt wurden aber noch zwei weitere Fallbeispiele entwickelt. Das Modul Teilhabe in Pflege und Assistenz behandelt den Fall von Jackson, der unter Muskeldystrophie leidet, im Modul Teilhabe im Wohnen geht es um Nicole, die einen Waschzwang und ein belastetes Verhältnis zu ihren Eltern hat. Eingeleitet werden die drei praxisnahen Beispiele durch zwei allgemeine Wissensmodule zu den Themen Kommunikation und Beratung sowie multiprofessionelle Zusammenarbeit. Alle fünf Bausteine sind auch einzeln durchlaufbar und als Self Assessments auf ORCA.nrw veröffentlicht.

Screenshot aus einem DigiFall-Video: POV der Sozialarbeiterin, Julia sitzt ihr gegenüber und dreht sich weg.

Im Fall von Julia geht die Geschichte mit einem nächsten Video weiter. Julia – Realschülerin in der zehnten Klasse – sitzt der Schulsozialarbeiterin gegenüber, die sagt: „Deine Lehrerin hat mich gebeten, mit dir über deine schulischen Leistungen zu sprechen.“ Die Schülerin sagt darauf nichts, schaut nur auf den Boden und zieht sich zurück. Dann ploppt eine Aufgabe auf: Man soll aus Sicht der Sozialarbeiterin zwischen drei Optionen entscheiden, wie das Gespräch weitergeht: Unterstützung anbieten, praktische Ansätze finden oder direkt die Eltern mit einbeziehen. Wählt man Letzteres, erhält man prompt Julias emotionale Reaktion im Video. „Solche Negativbeispiele will man in der Praxis vermeiden, aber sie können vorkommen“, sagt Möhring und erklärt: „Mithilfe unserer Materialien kann man sich aber gedanklich mit ihnen auseinandersetzen, reflektieren, und man erhält Unterstützung, wie die Situation gelöst werden könnte.“ Die bisherigen Rückmeldungen zeigen, dass Lernende gerade diese Konfrontation fasziniert. Zu wissen, wofür man etwas lernt, sei für Studierende enorm motivierend, bestätigt Möhring.

Die Praxisnähe haben die Projektbeteiligten mit Bravour geschaffen. Aufgabe für Aufgabe, Entscheidung für Entscheidung lernt man Julia – und in den weiteren Modulen auch Jackson und Nicole – immer besser kennen. Man begleitet Julia bei ihren familiären Problemen mit den fordernden Eltern, der Beziehung zu ihrer besten Freundin Hannah, ihren Zukunftsängsten und dem Traum, sich beruflich mit ihrer Leidenschaft Informatik zu beschäftigen. Auch die persönlichen und sozialen Herausforderungen durch ihr Stottern sind Thema. Durch die vielen Videos taucht man als Nutzerin oder Nutzer schnell in die Geschichte ein und merkt dabei, wie viel Arbeit und Liebe zum Detail in den Materialien steckt. Über 20 Personen von fünf verschiedenen NRW-Hochschulen (Technische Universität Dortmund, Hochschule Niederrhein, Universität Siegen, Hochschule Ruhr West, Fachhochschule Dortmund) haben sich in den vergangenen zwei Jahren mit der Konzeption, Erstellung und Veröffentlichung auf ORCA.nrw beschäftigt. „Wir waren in all der Zeit ein starkes Team“, erklärt Möhring und gibt zu: „Es war uns ein Herzensprojekt, entsprechend habe ich auch ein kleines weinendes Auge, dass es nun zu Ende geht. Ich kann nur allen Beteiligten – vor allem den wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Hilfskräften – unseren großen Dank aussprechen.“

Auch für Julia schließt sich ein Kapitel. Inzwischen ist sie 19 Jahre alt und man sieht sie vor Umzugskisten und einem Transporter. „Hey Leute“, sagt sie wieder. „Ich nehme euch mal mit in mein neues Zuhause. Es ist so aufregend, endlich auszuziehen und sein eigenes Ding zu machen. Informatik, neue Freunde treffen, Abenteuer erleben – das ist jetzt mein Leben.“ Man freut sich mit ihr, denkt dabei an gelungene Teilhabe und will sich endlich entspannt zurücklehnen. Doch dann ploppt wieder ein Fenster auf: Ein paar abschließende Aufgaben warten noch, bevor das Modul erfolgreich abgeschlossen ist.

Was bringt mir der Study Mode bei ChatGPT? – KI-News mit Prof. Paaßen

Vor einigen Wochen hat OpenAI den sogenannten Study Mode bei ChatGPT freigeschaltet. In der neuen Folge des Formats „KI-News mit Prof. Paaßen“ erklärt Benjamin Paaßen, Juniorprofessor und KI-Experte an der Universität Bielefeld, was es damit genau auf sich hat und welche Einsatzmöglichkeiten für Studium und Lehre sich ergeben.

Dazu setzt er sich intensiv mit dem aufkommenden Misstrauen und Vertrauensverlust in die Lehre durch den KI-Einsatz auseinander.

Alle weiteren Folgen finden Sie hier.

Sie haben eine Frage zum Thema „KI in der Lehre“? Schicken Sie uns gerne eine Mail und wir beantworten sie in einer der kommenden Ausgaben.