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Mechanik mal anders: praxisnahe Beispiele für nachhaltigen Lernerfolg mit DTM

Im Projekt „Digitale Technische Mechanik“ (DTM) sind praxisnahe Fallbeispiele entwickelt worden, die das Fach Mechanik für Studierende besser verständlich machen sollen. Sie können unter anderem in Studiengängen wie Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Wirtschaftsingenieurwesen eingesetzt werden. Insgesamt waren in den vergangenen zwei Jahren acht NRW-Hochschulen an der Erstellung beteiligt. DTM wurde im Rahmen von OERContent.nrw gefördert, alle Materialien sind in der Fächer-Bibliothek des Landesportals ORCA.nrw abrufbar.

Eine Montagehalle wird aufgerüstet. Um die Produktionskapazitäten zu erhöhen, sollen schwere Materialien künftig effizienter von A nach B bewegt werden können – mithilfe eines neuen Brückenkrans. Doch bevor der Kran unters Hallendach einziehen kann, sind verschiedene Konzeptionsschritte und Berechnungen erforderlich. Die dazu notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen werden im Fach Mechanik gelehrt, das Bestandteil zahlreicher Ingenieurstudiengänge ist. Dass dieses Fach alles andere als langweilig und theoretisch sein muss, zeigt das Projekt „Digitale Technische Mechanik“ (DTM).

Porträt von Thorsten Bartel
Projektleiter Dr. Thorsten Bartel

Studierende sollen Regeln und Formeln nicht nur anwenden können, sondern schon früh in ihrem Studium den Sinn und Wert von Mechanik in der Praxis verstehen – so das Ziel. Projektleiter Dr. Thorsten Bartel von der Technischen Universität Dortmund erklärt das gerne so: „Mechanik ist das Instrument für die Planung tragfähiger, aber dennoch kosteneffizienter und ressourcenschonender Bauwerke.“ So viel wie nötig, so wenig wie möglich also, um den Einsatz von Ressourcen, Zeit und Kosten im Bauprozess zu optimieren. Dafür hat Bartel zusammen mit seinem Kollegen Michael Fiege und dem Projektteam aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TU Dortmund und sieben weiteren Hochschulen aus NRW, verschiedene Fälle – Projekte genannt – entwickelt. „Studierende erkennen oft nicht, warum Mechanik wichtig fürs Ingenieurwesen ist. Das wollen wir ändern“, sagt Bartel. In DTM wurden realitätsnahe Beispiele wie ein Fahrrad, eine Brücke oder Kurbelwelle erstellt, anhand derer sich Studierende mit sukzessiv komplexer werdenden ingenieurtechnischen Fragestellungen auseinandersetzen.

Bild des Brückenkrans mit verschiedenen Drag-and-Drop-Elementen, die vom Nutzer an die richtige Stelle gezogen werden müssen

Screenshot aus dem Kurs DTM: Die Begriffe sind an der richtigen Stelle eingeordnet.

Im Beispiel des Brückenkrans heißt das zuallererst: Begrifflichkeiten klären. Was ist ein Balken, wo ist das Seil, gibt es eine Feder? Per Drag-and-Drop-Funktion zieht man als Nutzer die einzelnen Begriffe an die vermeintlich richtigen Stellen im Bild und erhält im Anschluss eine Auswertung. „Wir wollen nicht mit der dicken Mechanik-Tür ins Haus fallen, sondern erst mal anregen, in die Materie einzutauchen“, sagt Bartel. Sind alle Häkchen auf Grün, geht’s weiter zur nächsten Aufgabe: Es soll ein realistisches Modell des Brückenkrans erstellt werden. „In der Mechanik ist man oft mit abstrakten Zeichnungen beschäftigt, wir haben uns aber bewusst dazu entschieden, zunächst der Modellbildung viel Raum zu geben. Das fördert die Vorstellungskraft“, sagt Michael Fiege: „Musterlösungen gibt es erst, wenn man sich selbst mit dem Thema ausgiebig auseinandergesetzt hat.“ Studierende sollen sich so bildlich vorstellen können, was Mechanik ist, warum sie wichtig ist und wie man mit ihr arbeitet.

Nachdem das Brückenkran-Modell hochgeladen und damit abgegeben wurde, wird es vom jeweiligen Dozierenden bewertet. In der Lehrveranstaltung können die Ergebnisse und Herangehensweisen parallel diskutiert werden, ehe es im Fallbeispiel recht bald auch an konkrete Berechnungen geht. Nach und nach setzt man sich so mit allen Einzelheiten des Brückenkrans auseinander, berechnet beispielsweise die Auflagereaktionen des Krans, wenn die Laufkatze bewegt wird oder in welcher Position des Greifers das Material am wenigsten belastet wird.

Zwischendurch müssen Nutzer immer wieder praxisnahe Probleme lösen. Es stellt sich im Falle des Brückenkrans zum Beispiel heraus, dass die Dachbinder aus Holz in der Halle nach gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr ausreichend seien, um das Dach zu stützen. Es werden verschiedene Lösungsvorschläge genannt, die nun analysiert und beurteilt werden sollen – unter anderem auch unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen Faktoren. „Uns ist wichtig, dass Studierende später wissen, warum sie etwas tun“, sagt Michael Fiege und Thorsten Bartel ergänzt: „Wir sind uns sicher, dass der Anwendungsbezug eine wichtige Rolle für den Lernerfolg spielt.“ 

Das kommt an. Die ersten Rückmeldungen von Studierenden sind durchweg positiv, besonders die praxisnahe Gestaltung wurde gelobt. Die harte Projektarbeit in den vergangenen zwei Jahren hat sich also gelohnt. Für Dr. Thorsten Bartel, Michael Fiege und das DTM-Team ist die Arbeit aber noch nicht vorbei. Sie freuen sich, ihre Materialien jetzt auch in der Lehre einzusetzen und die Mechanik-Kurse in NRW damit Semester für Semester ein Stück weit besser zu machen.

Beteiligte Hochschulen an DTM:
Technische Universität Dortmund (Konsortialführung), Hochschule Hamm-Lippstadt, Ruhr-Universität Bochum, Universität Paderborn, Bergischen Universität Wuppertal, Universität Duisburg-Essen, Hochschule Rhein-Waal, Westfälische Hochschule

Was muss ich bei Schriftarten in OER-PDFs beachten? – Fall des Monats Juni ’26

Das Team der Rechtsinformationsstelle ORCA.nrw unterstützt Lehrende aus Nordrhein-Westfalen bei rechtlichen Fragen. Im Format „Fall des Monats“ stellt es regelmäßig einen besonderen Sachverhalt vor, der sich aus einer zu bearbeitenden Anfrage oder aus aktueller Rechtsprechung ergibt.

Ausgangslage

Eine Hochschule erstellt digitale Lehrmaterialien, die als PDF-Dateien im Internet veröffentlicht und unter einer Creative-Commons-Lizenz bereitgestellt werden sollen. Für die Gestaltung wird eine in der verwendeten Softwareumgebung vorhandene Standardschrift genutzt. Beim PDF-Export wird die Schrift eingebettet, damit das Dokument auf unterschiedlichen Endgeräten korrekt dargestellt werden kann. Die vollständige, eigenständig installierbare Schriftdatei wird nicht gesondert weitergegeben. Fraglich ist, ob die Nutzung und Einbettung der Schrift der Veröffentlichung entgegenstehen.

Rechtliche Bewertung

Maßgeblich ist zunächst die Unterscheidung zwischen der Schriftart als sichtbarer Gestaltung und dem Font als technischer Datei.

1. Schriftart als Gestaltung

Schriftarten können als Werke der angewandten Kunst nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG geschützt sein. Voraussetzung hierfür ist nach § 2 Abs. 2 UrhG jedoch eine persönliche geistige Schöpfung. Bei einfachen, klaren und zweckgerichteten Standardschriften, wie sie typischerweise in wissenschaftlichen Texten, Präsentationen oder Lehrmaterialien verwendet werden, wird diese Schutzschwelle regelmäßig nicht erreicht sein. Anders kann dies bei besonders eigentümlichen Zier-, Schmuck- oder Displayschriften liegen.

Fehlt es an einem urheberrechtlich geschützten Schriftbild, ist die bloße Verwendung der Schriftart zur Darstellung des Textes grundsätzlich unproblematisch. Die damit erstellten Texte stellen dann keine Vervielfältigung eines geschützten Schriftbildes dar und dürfen grundsätzlich verwendet werden.

2. Designrechtlicher Schutz

Daneben kann ein designrechtlicher Schutz in Betracht kommen. Nach § 2 Abs. 1 DesignG setzt dieser Neuheit und Eigenart voraus. Eigenart liegt nach § 2 Abs. 3 DesignG vor, wenn sich der Gesamteindruck beim informierten Benutzer von älteren Designs unterscheidet. Ein eingetragenes Design entsteht nach § 11 DesignG grundsätzlich erst durch Anmeldung und Eintragung. Bei gewöhnlichen Standardschriften wird dieser Schutz in der Praxis häufig nicht ausschlaggebend sein.

3. Fontdatei, Hints und Lizenzbedingungen

Von der Schriftart zu unterscheiden ist der Font als technische Datei. Er enthält die Informationen, mit denen das Schriftbild digital erzeugt wird. Dazu können bei Vektorschriften auch sogenannte Hints gehören, also technische Steuerungsinformationen zur optimierten Darstellung bei unterschiedlichen Größen, Auflösungen oder Ausgabegeräten. Soweit solche Bestandteile eine programmierte Steuerungsleistung enthalten, kann ein Schutz als Computerprogramm nach § 69a UrhG in Betracht kommen. Zustimmungsbedürftige Handlungen ergeben sich dann insbesondere aus § 69c UrhG, etwa für Vervielfältigung, Bearbeitung oder Verbreitung. Auch wenn das sichtbare Schriftbild selbst nicht geschützt ist, kann die technische Nutzung des Fonts daher lizenzabhängig sein. Diese Lizenzabhängigkeit betrifft jedoch nicht ohne Weiteres den Inhalt des Dokuments. Sie bezieht sich vor allem auf die Nutzung der Fontdatei und ihrer technischen Bestandteile.

4. PDF-Einbettung und CC-Lizenz

Die Einbettung einer Schrift in ein PDF ist nicht ohne Weiteres mit der Weitergabe einer vollständigen, installierbaren Fontdatei gleichzusetzen. Wird die Schrift nur dokumentbezogen eingebettet, damit das konkrete PDF korrekt angezeigt werden kann, werden die dahinterliegenden Fonts regelmäßig nicht als selbstständig nutzbare Dateien bereitgestellt. Gleichwohl muss auch diese Einbettung von der jeweiligen Fontlizenz gedeckt sein. Die Creative-Commons-Lizenz des PDFs ersetzt diese Prüfung nicht. Sie kann nur Rechte an dem Lehrmaterial einräumen, über die die Hochschule selbst verfügen darf. Rechte an eingebetteten Schriften, Fontdateien oder technischen Bestandteilen werden dadurch nicht automatisch mitlizenziert.

Fazit

Die Veröffentlichung des PDFs ist nicht schon deshalb problematisch, weil eine bestimmte Schrift verwendet wird. Soweit das Schriftbild selbst nicht urheberrechtlich geschützt ist, dürfen die damit erstellten Texte grundsätzlich als OER veröffentlicht werden. Gesondert zu prüfen bleibt jedoch die technische Nutzung der Fontdatei, insbesondere ihre Einbettung in das PDF. Wird die Schrift rechtmäßig genutzt, erlaubt die Lizenz die dokumentbezogene PDF-Einbettung und wird keine vollständige, eigenständig installierbare Fontdatei weitergegeben, spricht regelmäßig viel für die Zulässigkeit der Veröffentlichung. Für die Lehrpraxis empfiehlt sich, bei OER-Materialien möglichst auf gängige Standard- oder offen lizenzierte Schriften zurückzugreifen, das PDF nur mit dokumentbezogener Schrifteinbettung zu exportieren und keine vollständige, eigenständig installierbare Fontdatei weiterzugeben. Bei der Wahl und Ausweisung der Creative-Commons-Lizenz sollte zudem deutlich werden, dass die gewählte CC-Lizenz das Lehrmaterial selbst erfasst, nicht aber eingebettete Schriftdateien oder sonstige Drittbestandteile, an denen keine eigenen Rechte eingeräumt werden können.

Ist Mythos zu gefährlich für den Markt? – KI-News mit Prof. Paaßen

Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen hatten es in sich: Das Sprachmodell Mythos der Firma Anthropic sei angeblich so schlau, dass es zu gefährlich wäre, veröffentlicht zu werden. Benjamin Paaßen, Juniorprofessor und KI-Experte an der Universität Bielefeld, schaut genau hin und erklärt, was an der Geschichte dran ist.

Zudem beantwortet er die Frage, warum auf einmal alle MacMinis ausverkauft zu sein scheinen und ein Überblick über die vielfältigen KI-Unterstützungsangebote aus NRW darf in Folge sechs auch nicht fehlen.

Alle weiteren Folgen finden Sie hier.

Sie haben eine Frage zum Thema „KI in der Lehre“? Schicken Sie uns gerne eine Mail und wir beantworten sie in einer der kommenden Ausgaben.

Prof. Dr. Franziska Bellinger: „Wir wollen die Medienkompetenz junger Menschen stärken“

Im Projekt ULAT „Unlearning Anti-Feminism on TikTok” (gefördert von der Volkswagen-Stiftung) wurde an der Universität zu Köln (UzK) gemeinsam mit „mediale pfade“, einem Verein für Medienbildung, ein Workshop-Konzept entwickelt, das nun auch über ein neues Themenfenster bei ORCA.nrw erreichbar ist. Projektleiterin Juniorprofessorin Dr. Franziska Bellinger (UzK) verrät im Interview, was Nutzerinnen und Nutzer erwarten dürfen, warum Antifeminismen und TikTok so eng zusammenhängen und wieso von Anfang an klar war, dass alle Materialien als OER veröffentlicht werden.

Franziska Bellinger, seit Neuestem stellen wir auf ORCA.nrw das Projekt ULAT vor, an dem du maßgeblich beteiligt warst. Was sieht man beim Blick durch unser neues Themenfenster?

Bellinger: Mit unserem Projekt wollen wir die Medienkompetenz junger Menschen stärken. Dazu haben wir ein modulares Workshop-Konzept entwickelt, mit dessen Hilfe das kritische Denken hinsichtlich Social Media und der Souveränität im Umgang mit den Plattformen gestärkt werden soll. In unserem Projekt haben wir die Beobachtung zum Ausgangspunkt genommen, dass sich auf der Plattform TikTok antifeministische Diskurse aus dem rechten Spektrum in vermeintlich harmlosen Lifestyle-Formaten zeigen. Wir wollten wissen, wie Jugendliche und junge Erwachsene dieses Phänomen wahrnehmen und wie sie durch Bildungsangebote und -materialien in ihrer Handlungsfähigkeit dahingehend gestärkt werden können. Dabei sind offene und empirisch fundierte Bildungsmaterialien (OER) sowie Handlungsempfehlungen für die Bildungsarbeit im Bereich der politischen Medienbildung entstanden. Diese können sowohl in formalen Kontexten wie Schulen oder Hochschulen als auch in non-formalen Kontexten wie Vereinen oder Initiativen zur Förderung eines kritischen Bewusstseins und souveräner Handlungsstrategien im Umgang mit antifeministischen Inhalten und Diskursen auf Social Media genutzt werden.

Heute wirst du interviewt, im Zuge des Projekts saßest du oft auf der anderen Seite des Tisches.

Bellinger: Richtig. Wir haben am Anfang des Projekte eine Interview-Studie durchgeführt, um überhaupt erst den Gegenstandsbereich zu definieren, nämlich wie junge Erwachsene auf TikTok mit antifeministischen Inhalten und Narrativen konfrontiert werden. Dazu haben wir mit 16 Personen im Alter zwischen 15 und 22 Jahren gesprochen. Diese Interviews waren eine wichtige Grundlage, um im Anschluss didaktische Implikationen ableiten, Methoden entwickeln und das Workshop-Konzept gestalten zu können.

ULAT steht für „Unlearning Anti-Feminism on TikTok”. Ganz grundsätzlich gefragt: Was genau versteht man unter Antifeminismus?

Bellinger: Im Kern geht es um weltanschauliche Positionen, die sich gegen Feminismus und die Errungenschaften des Feminismus richten. Diese Narrative und Spielarten schließen auch eine ablehnende Haltung gegenüber der Gleichberechtigung von LGBTQ+ ein. Heteronormative Herrschaftsverhältnisse sollen durch Antifeminismen aufrechterhalten und Ungleichwertigkeit wieder salonfähig gemacht werden. Im wissenschaftlichen Diskurs gilt Antifeminismus auch als Ideologie, die den Zugang zu anderen menschenverachtenden Positionen erleichtern kann. Deswegen ist uns das Thema so wichtig. Es ist gesellschaftlich relevant: Es geht schließlich auch um demokratische Werte und um zentrale Fragen dazu, wie wir zusammenleben wollen.

Warum ist speziell die Plattform TikTok für eure Arbeit so interessant gewesen?

Bellinger: TikTok ist aus vielen Gründen spannend. Die Plattform ist gerade bei vielen jungen Menschen relevant. Anders als auf Instagram oder YouTube hat man viel schneller die Möglichkeit, mit Inhalten viral zu gehen – das kann Fluch und Segen zugleich sein. Wir haben uns also intensiv angeschaut, wie TikTok funktioniert. Die Darbietung der Inhalte über die For-You-Page und wie Diskurse auf der Plattform entstehen, das ist besonders. Gerade auf TikTok ist Antifeminismus ein Thema. Wir versuchen mit unserem Projekt darüber aufzuklären.

Im Projekt sind zahlreiche Materialien entstanden. Auf was dürfen sich Nutzerinnen und Nutzer freuen?

Bellinger: Konkret haben wir ein Workshop-Konzept und Methoden entwickelt, die vielfältig beziehungsweise modular eingesetzt werden können. Damit wollen wir Lehrenden eine Unterstützung an die Hand geben. Wir haben zum Beispiel eine Zeitstrahlmethode, im Rahmen derer eine Auswahl an feministischen Errungenschaften zeitlich einsortiert werden soll. Beim TikTok-Puzzle, unserer Kernmethode, beschäftigt man sich zum Beispiel sehr intensiv mit einem Video, anstelle von nur wenigen Sekunden, wie es auf der Plattform üblich ist. Lehrende können für ihren Workshop diese Bausteine eigenständig auswählen oder den kompletten Ablauf übernehmen. Es geht dabei auch darum, die Plattform und Mechanismen auf Social Media zu kennen und kritisch zu reflektieren.

Du bist seit Jahren in der OER-Welt bekannt und wirst für deine offene Einstellung geschätzt. Wie groß war die Chance, dass die Materialien nicht als OER veröffentlicht werden?

Bellinger: (lacht) Vermutlich null Prozent. Es ist für mich eine grundsätzliche Haltung als Lehrperson: diese Offenheit. Ich bin seit Langem im Bereich der Hochschulentwicklung und Hochschuldidaktik dabei, deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass Offenheit so viel ermöglicht und Lehre dadurch besser weiterentwickelt werden kann. Das gemeinsame Gestalten ist bei etwas ganz Besonderes. Deswegen war schnell klar: Ohne OER gehen wir nicht aus diesem Projekt raus.

Franziska Bellinger zu Gast bei „Lehre verbindet NRW“
Am 25. Juni von 13 bis 14 Uhr stellt Prof. Dr. Franziska Bellinger die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Projekt ULAT im Rahmen der beliebten ORCA.nrw-Veranstaltungsreihe „Lehre verbindet NRW“ vor. Eine kostenlose Teilnahme ist möglich, wir freuen uns auf Ihre Anmeldung.

Neues ORCA.nrw-Magazin: 46 Seiten zu „KI in der Hochschullehre“

Kaum ein Thema beschäftigt Lehrende und Hochschulangehörige aktuell wohl so sehr wie Künstliche Intelligenz. Deswegen haben wir Expertinnen und Experten aus Nordrhein-Westfalen interviewt, spannende Projekte porträtiert und zahlreiche Gastbeiträge gesammelt. Das Ergebnis: die erste Digital-Ausgabe von „Studium und Lehre – das ORCA.nrw-Magazin“. Das Thema: Künstliche Intelligenz in der Hochschullehre.

Auf 46 Seiten werden zahlreiche interessante Projekte wie Tutor.AI von der Universität Münster oder Ippolis von der Fachhochschule Dortmund vorgestellt. Fünf Expertinnen und Experten gehen der Frage nach, ob KI das Vertrauen in die Lehre zerstört. Dr. Katrin Stolz und Joana Eichhorn von der Technischen Universität Dortmund geben aus Sicht zweier Mitarbeiterinnen einer hochschuldidaktischen Einrichtung einen Einblick in den Umgang mit KI und Nadine Lordick von der Ruhr-Universität Bochum plädiert in ihrem Gastbeitrag für einen starken Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden. Tauchen Sie ein in unser Magazin!

Das Besondere: In der digitalen Ausgabe sind zahlreiche weiterführende Links hinterlegt, das Blättern durch die Seiten oder Zoomen funktioniert einfach und schnell. Vom Inhaltverzeichnis kommen Sie per Mausklick zudem direkt auf jede gewünschte Geschichte. Viel Spaß!

Wir freuen uns auch über Ihre Teilnahme an unserer Kurzumfrage zum ORCA.nrw-Magazin.

Intelligente Suche nach Bildungsmaterialien mit dem neuen KI-Chatbot für Videos

Sie suchen für Ihre Lehre ein bestimmtes Video oder eine Sequenz, wollen aber nicht sechs Stunden Material durchschauen? Dann sind Sie bei ORCA.nrw genau richtig: Der neue KI-Chatbot für Videos von ORCA.nrw hilft Ihnen rund 2.400 Videos zu durchsuchen, die auf dem TIB-AV-Portal durch ORCA.nrw veröffentlicht wurden. So ist eine gezielte Erschließung der Videoinhalte möglich. Zu jeder Ihrer Anfragen erhalten Sie eine Auswahl von fünf Videos oder Videozeitmarken, die zur Anfrage in Bezug stehen.

In enger Kooperation mit dem KI-Servicezentrum WestAI hat ORCA.nrw in den vergangenen Monaten das Tool entwickelt. „Die Erstellung des Tools hat zweierlei gezeigt: LLM‘s können im Umfeld von Hochschule und OER sinnvoll eingesetzt werden und die Materialerschließung erleichtern. Darüber hinaus zeigt die operative Durchführung des Projekts, dass innerhalb eines kleinen Rahmens mit entsprechendem Know-how und Engagement aller Beteiligten tragfähige Ergebnisse erzielt werden können“, sagt PD Dr. Markus Deimann, Geschäftsführer von ORCA.nrw.

Mehrwert: effizient, offen und datenschutzkonform

Der neue KI-Chatbot von ORCA.nrw spart vor allem Zeit. Das lange Durchschauen zahlreicher Videos ist nicht mehr nötig, stattdessen erhalten Nutzerinnen und Nutzer präzise Treffer dank der Analyse von Untertiteln. Es entlastet, steigert die Qualität der Lernangebote und durch den Einsatz DSGVO‑konformer Infrastruktur bleibt der Datenschutz gewährleistet. Zudem ist die Lösung nachhaltig, da sie auf offenen Standards basiert und beliebig erweiterbar bleibt.

ORCA.nrw-Tagung 2025 mit viel Austausch und Vernetzung

Reges Treiben herrschte am Mittwoch im Veranstaltungszentrum an der Ruhr-Universität (RUB). Zur vierten ORCA.nrw-Jahrestagung fanden gut 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Weg nach Bochum, um sich über aktuelle Entwicklungen rund um die Hochschulbildung auszutauschen. Das siebenstündige Programm bot dabei vielfältige Informations- und Vernetzungsmöglichkeiten. Ausgerichtet wurde die Tagung von ORCA.nrw sowie dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, gefördert wurde sie vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW). 

Um Punkt Uhr eröffnete ORCA.nrw-Geschäftsführer PD Dr. Markus Deimann die Tagung und moderierte die Grußworte von Prof. Dr. Kornelia Freitag (Prorektorin für Lehre und Studium an der RUB), Dr. Henning Koch (Stifterverband) und Dr. Martin Jungwirth (Geschäftsführer der DH.NRW) an. Im Anschluss wurde es direkt inhaltlich: Unter dem Motto „Hochschullehre inspirierend und verbindend“ warteten insgesamt 26 Beiträge auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Besonders dabei: Die Hälfte der Beiträge stammte aus der Community.

PD Dr. Markus Deimann: „Als Landesportal für Studium und Lehre möchten wir mit Veranstaltungen wie der heutigen einen Ort zum Austausch und zur Vernetzung bieten. Wir freuen uns sehr, dass unsere Tagung auch in diesem Jahr großen Anklang gefunden hat. Unser Dank geht an alle Referentinnen und Referenten sowie den Stifterverband für die auch in diesem Jahr wieder hervorragende Zusammenarbeit.“

Impressionen der ORCA.nrw-Tagung 2025:

Mehr zur ORCA.nrw-Tagung 2025 sowie die Präsentationen der Referentinnen und Referenten finden Sie auf der Tagungswebsite.

Mit Julia durch die Schulzeit – praxisnahe Fallbeispiele für stärkere Beratungskompetenz in pädagogischen Kontexten

Im Projekt „DigiFall“ sind in den vergangenen zwei Jahren besondere Bildungsmaterialien für pädagogische und gesundheitsbezogene Studiengänge entstanden. Als Nutzerin oder Nutzer begleitet man unter anderem Julia, Jackson und Nicole und lernt dabei praxisnah, welche Rolle Kommunikation und Beratung für die Ermöglichung von Teilhabe in verschiedenen Bereichen spielt. Alle Materialien aus „DigiFall“ sowie aus vielen weiteren Projekten aus der OERContent.nrw-Förderlinie werden in Kürze auf ORCA.nrw abrufbar sein.

Julia blickt in ihre Handykamera und atmet tief durch. „Hey Leute“, sagt sie, „es ist wieder Zeit für ein Update aus meinem Leben.“ Die 17-Jährige wirkt angespannt und fährt sich mit ihrer freien Hand einmal schnell durch die langen rötlichen Haare. „Die Schule macht mir echt zu schaffen. Ich meine, ich liebe Informatik und so, aber der Rest ist nicht so toll.“ Sie atmet schwer, lässt den Arm mit dem Handy in der Hand ein wenig nach unten fallen und schüttelt leicht den Kopf, als sie sagt: „Und irgendwie wird das Stottern immer schlimmer mit dem ganzen Stress.“

Porträt von Michelle Möhring
Dr. Michélle Möhring

Was auf den ersten Blick wie eine Story auf Instagram aussieht, ist die Einstiegssequenz eines digitalen Lernmoduls aus dem Projekt „DigiFall“. Die Follower sind dabei Studierende aus pädagogischen und gesundheitsbezogenen Studiengängen, Julia selbst wird von einer Schauspielerin verkörpert. „Ziel ist es, die Kommunikations- und Beratungskompetenzen von Studierenden in multiprofessionellen Teams praxisnah zu stärken“, sagt Dr. Michélle Möhring von der Technischen Universität Dortmund, die das Projekt zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Nadine Elstrodt-Wefing leitet. „DigiFall“ steht für „Digitale Fallarbeit – Transdisziplinäres Self-Assessment in pädagogischen und gesundheitsbezogenen Kontexten“. Vor allem in Studiengängen wie Soziale Arbeit, Rehabilitationspädagogik, Heil- und Sonderpädagogik sowie Logopädie und Ergotherapie können die entstandenen Materialien eingesetzt werden, aber auch angehende Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte profitieren von ihnen. Die Idee: Durch problemorientiertes und kollaboratives Arbeiten an praxisnahen Fallbeispielen lernen Studierende, ihre in Lehrveranstaltungen erworbenen theoretischen Kenntnisse im Bereich der Kommunikation und Beratung sowie der multiprofessionellen Arbeit in die Praxis zu transferieren.

Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das: aufnehmen, reflektieren, beschreiben und immer wieder selbstständig Entscheidungen treffen. Konkret schlüpfen sie zum Beispiel in die Rolle der Schulsozialarbeiterin Kerstin Sommer und werden nach dem Einstiegsvideo gefragt, welchen Eindruck sie von Julia hatten und welche Aspekte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit besonders relevant sein könnten. Zur Bearbeitung erhalten sie zahlreiche zusätzliche Materialien wie einen Steckbrief mit persönlichen Informationen über Julia oder einen ausführlichen Anamnesebogen aus einer Logopädie-Praxis, der über die sechsjährige Julia existiert. „Im Vordergrund steht, die Teilhabe der beschriebenen Person zu sichern oder gegebenenfalls wiederherzustellen“, erklärt Möhring. Bei Julia steht die Teilhabe im Bereich Bildung und Wohnen im Fokus, im Projekt wurden aber noch zwei weitere Fallbeispiele entwickelt. Das Modul Teilhabe in Pflege und Assistenz behandelt den Fall von Jackson, der unter Muskeldystrophie leidet, im Modul Teilhabe im Wohnen geht es um Nicole, die einen Waschzwang und ein belastetes Verhältnis zu ihren Eltern hat. Eingeleitet werden die drei praxisnahen Beispiele durch zwei allgemeine Wissensmodule zu den Themen Kommunikation und Beratung sowie multiprofessionelle Zusammenarbeit. Alle fünf Bausteine sind auch einzeln durchlaufbar und als Self Assessments auf ORCA.nrw veröffentlicht.

Screenshot aus einem DigiFall-Video: POV der Sozialarbeiterin, Julia sitzt ihr gegenüber und dreht sich weg.

Im Fall von Julia geht die Geschichte mit einem nächsten Video weiter. Julia – Realschülerin in der zehnten Klasse – sitzt der Schulsozialarbeiterin gegenüber, die sagt: „Deine Lehrerin hat mich gebeten, mit dir über deine schulischen Leistungen zu sprechen.“ Die Schülerin sagt darauf nichts, schaut nur auf den Boden und zieht sich zurück. Dann ploppt eine Aufgabe auf: Man soll aus Sicht der Sozialarbeiterin zwischen drei Optionen entscheiden, wie das Gespräch weitergeht: Unterstützung anbieten, praktische Ansätze finden oder direkt die Eltern mit einbeziehen. Wählt man Letzteres, erhält man prompt Julias emotionale Reaktion im Video. „Solche Negativbeispiele will man in der Praxis vermeiden, aber sie können vorkommen“, sagt Möhring und erklärt: „Mithilfe unserer Materialien kann man sich aber gedanklich mit ihnen auseinandersetzen, reflektieren, und man erhält Unterstützung, wie die Situation gelöst werden könnte.“ Die bisherigen Rückmeldungen zeigen, dass Lernende gerade diese Konfrontation fasziniert. Zu wissen, wofür man etwas lernt, sei für Studierende enorm motivierend, bestätigt Möhring.

Die Praxisnähe haben die Projektbeteiligten mit Bravour geschaffen. Aufgabe für Aufgabe, Entscheidung für Entscheidung lernt man Julia – und in den weiteren Modulen auch Jackson und Nicole – immer besser kennen. Man begleitet Julia bei ihren familiären Problemen mit den fordernden Eltern, der Beziehung zu ihrer besten Freundin Hannah, ihren Zukunftsängsten und dem Traum, sich beruflich mit ihrer Leidenschaft Informatik zu beschäftigen. Auch die persönlichen und sozialen Herausforderungen durch ihr Stottern sind Thema. Durch die vielen Videos taucht man als Nutzerin oder Nutzer schnell in die Geschichte ein und merkt dabei, wie viel Arbeit und Liebe zum Detail in den Materialien steckt. Über 20 Personen von fünf verschiedenen NRW-Hochschulen (Technische Universität Dortmund, Hochschule Niederrhein, Universität Siegen, Hochschule Ruhr West, Fachhochschule Dortmund) haben sich in den vergangenen zwei Jahren mit der Konzeption, Erstellung und Veröffentlichung auf ORCA.nrw beschäftigt. „Wir waren in all der Zeit ein starkes Team“, erklärt Möhring und gibt zu: „Es war uns ein Herzensprojekt, entsprechend habe ich auch ein kleines weinendes Auge, dass es nun zu Ende geht. Ich kann nur allen Beteiligten – vor allem den wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Hilfskräften – unseren großen Dank aussprechen.“

Auch für Julia schließt sich ein Kapitel. Inzwischen ist sie 19 Jahre alt und man sieht sie vor Umzugskisten und einem Transporter. „Hey Leute“, sagt sie wieder. „Ich nehme euch mal mit in mein neues Zuhause. Es ist so aufregend, endlich auszuziehen und sein eigenes Ding zu machen. Informatik, neue Freunde treffen, Abenteuer erleben – das ist jetzt mein Leben.“ Man freut sich mit ihr, denkt dabei an gelungene Teilhabe und will sich endlich entspannt zurücklehnen. Doch dann ploppt wieder ein Fenster auf: Ein paar abschließende Aufgaben warten noch, bevor das Modul erfolgreich abgeschlossen ist.

Was bringt mir der Study Mode bei ChatGPT? – KI-News mit Prof. Paaßen

Vor einigen Wochen hat OpenAI den sogenannten Study Mode bei ChatGPT freigeschaltet. In der neuen Folge des Formats „KI-News mit Prof. Paaßen“ erklärt Benjamin Paaßen, Juniorprofessor und KI-Experte an der Universität Bielefeld, was es damit genau auf sich hat und welche Einsatzmöglichkeiten für Studium und Lehre sich ergeben.

Dazu setzt er sich intensiv mit dem aufkommenden Misstrauen und Vertrauensverlust in die Lehre durch den KI-Einsatz auseinander.

Alle weiteren Folgen finden Sie hier.

Sie haben eine Frage zum Thema „KI in der Lehre“? Schicken Sie uns gerne eine Mail und wir beantworten sie in einer der kommenden Ausgaben.