Hochschulen stehen zunehmend vor der Erwartung, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern aktiv zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beizutragen. Zugleich gilt es, Studierende auf eine Welt vorzubereiten, die von dynamischen gesellschaftlichen, ökologischen und technologischen Veränderungen geprägt ist. Mit dem Centre for City Futures (CCF) unternimmt die Ruhr-Universität Bochum einen wichtigen Schritt, sich systematisch mit der Stadt und ihrer Gesellschaft zu vernetzen und dabei Lehre, Forschung und Transfer enger zu verbinden. Das CCF schafft so den institutionellen Rahmen, um zukunftsrelevante Kompetenzen gezielt in realen Anwendungsfeldern zu fördern.
Das CCF ist als zentrale Schnittstelle zwischen Universität und Stadtgesellschaft konzipiert. Es bietet organisatorische und hochschuldidaktische Strukturen, die Lehrende und Studierende dabei unterstützen, praxisnahe, transdisziplinäre Lehrformate umzusetzen. Dazu gehören: eine koordinierte Ansprech- und Beratungsstelle für Lehrende und externe Praxispartner*innen, die Durchführung ko-kreativer Formate, eine digitale Kollaborationsplattform sowie Unterstützung bei der Integration realer Praxisherausforderungen in die Lehre.
Durch die enge Einbindung externer Praxispartner*innen werden Herausforderungen aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft oder Kultur unmittelbar in die Lehre integriert. Studierende arbeiten so an aktuellen „real world problems“, deren Lösungsansätze konkrete Wirkung in der Stadtgesellschaft entfalten können. Diese Arbeitsweise vermittelt gezielt Future Skills wie interdisziplinäre Problemlösekompetenz, systemisches Denken, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie den konstruktiven Umgang mit Unsicherheit und komplexen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig kann die RUB dank der kontinuierlichen Kooperation mit ihren Praxispartner*innen schnell auf neue gesellschaftliche Entwicklungen, lokale Bedarfe und technologische Trends reagieren – und diese zeitnah in Lehrveranstaltungen einfließen lassen.
Der Beitrag zeichnet den Entwicklungsweg nach, der in der Gründung des CCF mündet: Ausgangspunkt waren die UNIC CityLabs im Rahmen der Europäischen Hochschulallianz UNIC, in denen Studierende, Forschende und Vertreter*innen der Stadt Bochum gemeinsam an Herausforderungen arbeiteten. Daneben ermöglichte ein vom Stifterverband gefördertes Projekt die gezielte Vermittlung von Entrepreneurial Skills durch Challenge-based Learning. Lokale Praxispartner*innen brachten dabei reale Herausforderungen in die Lehre ein, Studierende entwickelten innovative Lösungsansätze, erhielten Feedback und erlebten, wie ihre Arbeit gesellschaftliche Relevanz entfalten kann.
Aus diesen Erfahrungen zusammen mit den am Anfang geschilderten Erwartungen an Hochschulen entstand die Idee, eine dauerhafte Struktur zu schaffen, die solche Lern- und Kooperationsformate nicht nur projektbezogen, sondern nachhaltig ermöglicht. Das CCF bringt Lehrende zusammen, die forschendes, projektbasiertes und partizipatives Lernen fördern, und vernetzt sie mit Praxispartner*innen, die an langfristiger Kooperation interessiert sind. So entsteht ein stetig wachsendes Ökosystem für Lehre im Dialog mit der Stadtgesellschaft – offen für unterschiedliche Disziplinen, flexibel gegenüber neuen Themen und stark in der Förderung der Kompetenzen, die Studierende für eine aktive Rolle in der Gesellschaft von morgen benötigen.
Der Beitrag lädt zur Diskussion ein, wie sich aus punktuellen Projekterfahrungen tragfähige Infrastrukturen entwickeln lassen, die sowohl die Qualität der Lehre steigern als auch die gesellschaftliche Wirkung von Hochschulen stärken. Anhand konkreter Beispiele aus der Praxis zeigt er, wie an der RUB mit dem Centre for City Futures gezielt Future Skills vermittelt, wissenschaftliche Expertise in die Stadt getragen und Impulse aus der Stadtgesellschaft in die universitäre Lehre zurück gespiegelt werden.