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Wann muss ich die KI-Nutzung kennzeichnen? – Fall des Monats Oktober ’26

Das Team der Rechtsinformationsstelle ORCA.nrw unterstützt Lehrende aus Nordrhein-Westfalen bei rechtlichen Fragen. Im Format „Fall des Monats“ stellt es regelmäßig einen besonderen Sachverhalt vor, der sich aus einer zu bearbeitenden Anfrage oder aus aktueller Rechtsprechung ergibt.

Ausgangspunkt

Ein Team aus Lehrenden erstellt einen neuen Moodle-Kurs und möchte mit verschiedenen Medien arbeiten, die sie selbst mithilfe von KI erzeugen wollen. Zum einen sollen durch ein KI-System Bilder, die realistisch wirkende Szenen zur Veranschaulichung der Lerninhalte darstellen, erzeugt und gegebenenfalls anschließend bearbeitet werden. Zum anderen sollen die Lerninhalte in ein KI-System eingegeben werden, um daraus einen Podcast mit KI-generierten Stimmen zu erstellen. Die Lehrenden fragen sich nun, ob und wie diese KI-Erzeugnisse als solche zu kennzeichnen sind.

Rechtliche Bewertung

(1.) Deepfake

Die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-VO) verpflichtet Betreiber bestimmter KI-Systeme seit dem 2. August 2026 dazu, die Verwendung von KI offenzulegen. Diese Offenlegungspflicht betrifft gemäß Art. 50 Abs. 4 KI-VO jedoch nicht sämtliche KI-generierten Inhalte. Für die Lehre besonders relevant sind die sogenannten „Deepfakes“. Hierunter fallen entgegen dem alltäglichen Sprachgebrauch nicht nur täuschend echte Darstellungen von Personen. Vielmehr bezeichnet der Begriff jeden durch KI erzeugten oder manipulierten Bild-, Ton- oder Videoinhalt, der wirklichen Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähnelt und einer Person fälschlicherweise als echt oder wahrheitsgemäß erscheinen würde (Art. 3 Nr. 60 KI-VO). Entscheidend ist somit, ob der jeweilige Inhalt den Eindruck erwecken kann, eine tatsächliche Aufnahme oder Darstellung der Wirklichkeit zu sein. Nicht jedes KI-generierte Bild und nicht jede KI-generierte Audiodatei stellt daher automatisch einen Deepfake dar.

Bei den im Moodle-Kurs verwendeten realistischen Bildern kann es sich um Deepfakes handeln, wenn sie beispielsweise tatsächlich existierende Orte, Personen oder Ereignisse darstellen und dabei der Eindruck entsteht, es handele sich um authentische Aufnahmen.

Auch der KI-generierte Podcast ist gesondert zu betrachten. Allein die Verwendung einer synthetischen Stimme begründet noch nicht zwingend einen Deepfake. Eine Offenlegungspflicht kann jedoch insbesondere dann bestehen, wenn durch die KI-Stimme der Eindruck erweckt wird, eine tatsächlich existierende Person spreche oder eine authentische Tonaufnahme werde wiedergegeben. Gerade bei Podcasts ist daher zwischen einer bloß synthetischen Vertonung und einem Deepfake zu unterscheiden. Wird ein sachlicher Lehrtext mit einer erkennbar neutralen KI-Stimme vorgelesen, ohne dass eine authentische Aufnahme oder eine konkrete sprechende Person vorgetäuscht wird, besteht nicht allein aufgrund der KI-Stimme eine Offenlegungspflicht nach Art. 50 Abs. 4 S. 1 KI-VO.

(2.) Ausnahme

Eine Besonderheit gilt hingegen für Inhalte, die Teil eines offensichtlich künstlerischen, kreativen, satirischen, fiktionalen oder vergleichbaren Werks oder Programms sind, Art. 50 Abs. 4 S. 3 KIVO. In diesen Fällen entfällt die Offenlegungspflicht nicht vollständig. Sie beschränkt sich vielmehr darauf, die Existenz der KI-generierten oder manipulierten Inhalte in geeigneter Weise offenzulegen, ohne die Darstellung oder den Genuss des Werks zu beeinträchtigen. Für die Lehre kann diese Regelung beispielsweise bei fiktionalen Hörspielen, kreativen Bildgeschichten oder künstlerisch gestalteten Lehrmaterialien relevant werden. Ob ein solcher Fall vorliegt, hängt jedoch von der konkreten Gestaltung und Einbettung des Inhalts ab. Nicht jede zu didaktischen Zwecken erstellte Illustration fällt automatisch unter diese Sonderregelung.

Wichtig: Die Tatsache, dass die Inhalte ausschließlich in einem geschlossenen Moodle-Kurs bereitgestellt werden, begründet für sich genommen keine Ausnahme von der Offenlegungspflicht. Auch innerhalb eines zugangsbeschränkten Lernraums können KI-generierte Inhalte offenzulegen sein.

(3.) Art der Offenlegung

Art. 50 Abs. 5 KI-VO verlangt, dass die offenzulegenden Informationen klar und eindeutig sowie spätestens zum Zeitpunkt der ersten Interaktion mit dem jeweiligen Inhalt bereitgestellt werden. Die Offenlegung muss außerdem den geltenden Barrierefreiheitsanforderungen entsprechen. Die KI-Verordnung schreibt für die Offenlegung durch die Betreiber keine einheitliche Formulierung und kein bestimmtes Kennzeichnungssymbol vor. Entscheidend ist, dass die Empfänger – also hier die Lernenden – erkennen können, welche Inhalte durch KI erzeugt oder manipuliert wurden.

(a) Visueller Deepfake

Bei KI-generierten oder manipulierten Bildern kann die Offenlegung beispielsweise durch einen unmittelbar am Bild platzierten Hinweis erfolgen. Dieser sollte gut sichtbar und eindeutig dem jeweiligen Bild zuzuordnen sein. Zusätzlich hat die EU-Kommission Icons entwickelt, die zur Offenlegung genutzt werden können. Diese unterscheiden sich in „AI“, „AI GENERATED“ und „AI MODIFIED“. Diese Icons können beispielsweise im Bild selbst eingebettet werden und auf der Seite der EU-Kommission heruntergeladen werden.

Für einen Moodle-Kurs empfiehlt es sich, entsprechende Hinweise direkt im Bild oder unmittelbar in die Bildunterschrift aufzunehmen. Eine ausschließlich an anderer Stelle hinterlegte allgemeine Information über den Einsatz von KI wird dagegen regelmäßig unzureichend sein, wenn die Zuordnung zu den betroffenen Bildern nicht klar ist. Bei der Gestaltung sollte zudem auf Barrierefreiheit geachtet werden. Ein Kennzeichnungshinweis sollte daher nicht ausschließlich als Textbestandteil innerhalb des Bildes erscheinen, sondern möglichst auch als zugänglicher Text bereitgestellt werden.

(b) Audio Deepfake

Auch bei KI-generierten Audioinhalten muss eine erforderliche Offenlegung klar und eindeutig erfolgen. Bei einem Podcast bietet sich hierfür insbesondere ein Hinweis vor Beginn der Wiedergabe oder unmittelbar zu Beginn der Audiodatei an. Dieser sollte gut verständlich sein und bei längeren Audiodateien an geeigneten Stellen wiederholt werden. Wenn möglich sollte auch ein visueller Hinweis, etwa ober- oder unterhalb der Wiedergabefläche, mit eingebaut werden.

Fazit

Lehrende müssen stets prüfen, ob die KI-Erzeugnisse als KI-generiert offengelegt werden müssen. Dies ist bei Lernmaterialien in einem geschlossenen Moodle-Kurs vor allem bei sogenannten Deepfakes der Fall. Diese können in Form von Bilder, Videos oder Toninhalten erzeugt werden. Wenn das KI-Erzeugnis fälschlicherweise als echt wahrgenommen werden könnte, so ist spätestens bei der ersten Wahrnehmung des Inhalts auf die KI-Nutzung hinzuweisen.

Weitere Informationen zu den Transparenzpflichten der KI-Verordnung finden Sie hier.

Über 30 Begriffe zu KI in der Lehre einfach erklärt – neues KI-Lexikon von ORCA.nrw abrufbar

Wenn es um KI in der Lehre geht, fallen wie selbstverständlich Begriffe wie LLM, Data Mining oder RAG-Modell. Doch was bedeuten sie genau? Das erklärt Prof. Benjamin Paaßen im KI-Lexikon von ORCA.nrw, das seit heute unter „KI in der Hochschullehre“ abrufbar ist.

Prof. Benjamin Paaßen ist Juniorprofessor für Wissensrepräsentation und Maschinelles Lernen an der Universität Bielefeld und Experte für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Hochschullehre. Zusammen mit ORCA.nrw erstellt er regelmäßig das beliebte Videoformat „KI-News mit Prof. Paaßen“. Darin gibt er Einblicke in aktuelle Entwicklungen aus der KI-Welt und KI-Forschung und beantwortet Fragen aus der Community. Das neue KI-Lexikon wird parallel zur Videoreihe aktualisiert und um neue Begriffe erweitert.

Facettenreiches Programm zur ORCA.nrw-Tagung veröffentlicht

Am 2. Dezember findet die fünfte ORCA.nrw-Tagung im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität Bochum statt. Unter dem Motto „Inspirierend und verbindend“ erwartet die Teilnehmenden ein abwechslungsreiches Programm mit spannenden Kurzvorträgen, praxisnahen Workshops und vielfältigen Austauschformaten rund um die digitale Hochschullehre.

Das Programm gliedert sich in diesem Jahr in drei thematische Tracks:

Community: Der Community-Track lebt von den Einreichungen aus der Community und bietet in diesem Jahr zehn Kurzvorträge zu vielfältigen Themen rund um Didaktik, Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Souveränität.

Didaktik und KI: Dieser Track widmet sich den Chancen und Einsatzmöglichkeiten von KI in der Hochschullehre. Ein Beispiel aus dem Programm ist der Workshop „Interaktive Skripte, Übungen oder Lehrbücher mit KI erstellen“. Außerdem bieten wir exklusive Einblicke in den OER-Kurspiloten.

Digitale Souveränität in Studium und Lehre: Im Mittelpunkt dieses Tracks stehen offene Lösungen und digitale Selbstbestimmung im Hochschulkontext. Wir freuen uns unter anderem auf das Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS), das seine Open-Source-Lösung openDesk vorstellen wird.

Auch abseits der drei Tracks gibt es viel zu entdecken: Praxisnahe Workshops laden dazu ein, neue Ideen und Methoden für die eigene Lehre kennenzulernen. So steht beispielsweise die Erstellung von Videokursen am Beispiel der Physik auf dem Programm. Natürlich kommt auch der persönliche Austausch nicht zu kurz: Wie gewohnt bietet die ORCA.nrw-Tagung zahlreiche Gelegenheiten zur Vernetzung und zum gemeinsamen Diskutieren.

Neugierig geworden? Das vollständige Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie ab sofort auf unserer Website.

Sichern Sie sich jetzt Ihren Platz! Wir freuen uns darauf, Sie am 2. Dezember im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität Bochum begrüßen zu dürfen.

Hat KI ein Bewusstsein? – Neue Folge der KI-News mit Prof. Paaßen ist abrufbar

OpenAI hat in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt: Rund um das neue Sprachmodell Astra wurde bereits von einer „Allgemeinen künstlichen Intelligenz“ – kurz AGI – gesprochen, also einer KI, die alle Arten von Problemen wie ein Mensch lösen könne. KI-Experte Prof. Benjamin Paaßen von der Universität Bielefeldgeht dem in der neuen Folge auf den Grund.

Zudem erklärt er, was es mit Reasoning auf sich hat und wie genau man in der Lehre den KI-Begriff verwenden kann.

Alle weiteren Folgen finden Sie hier.

Sie haben eine Frage zum Thema „KI in der Lehre“? Schicken Sie uns gerne eine Mail und wir beantworten sie in einer der kommenden Ausgaben.

Bin ich verpflichtet, barrierefreie Materialien zur Verfügung zu stellen? – Fall des Monats September ’26

Das Team der Rechtsinformationsstelle ORCA.nrw unterstützt Lehrende aus Nordrhein-Westfalen bei rechtlichen Fragen. Im Format „Fall des Monats“ stellt es regelmäßig einen besonderen Sachverhalt vor, der sich aus einer zu bearbeitenden Anfrage oder aus aktueller Rechtsprechung ergibt.

Ausgangslage

Ein an einer nordrhein-westfälischen Hochschule beschäftigter Dozent stellt die weitergehenden Lehrmaterialien für seine Vorlesung digital zur Verfügung. Im nächsten Semester wird eine blinde Studierende an ebendieser Vorlesung teilnehmen. In der jetzigen Form sind die Lehrmaterialien nicht barrierefrei, das heißt nicht in einem maschinenlesbaren Format. Der Dozent fragt sich nun, inwieweit er zur Bearbeitung seiner Lehrmaterialien verpflichtet ist, da dies mit einem erheblichen Zeitaufwand einhergeht, und welche Konsequenzen drohen, wenn er keine barrierefreien Lehrmaterialien bereitstellt.

Rechtliche Bewertung

Der Fall berührt zwei rechtliche Ebenen: den öffentlich-rechtlichen Inklusionsauftrag der Hochschule (Außenverhältnis zu den Studierenden) und die arbeits- bzw. dienstrechtlichen Pflichten des Lehrenden (Innenverhältnis zur Hochschule).

(1.) Öffentlich-rechtlicher Inklusionsauftrag

(a) Anspruch auf barrierefreie Lehre

Barrierefreiheit in der Lehre ist rechtlich bindend. Ausgehend vom grundgesetzlichen Benachteiligungsverbot (Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG) wird dieser Anspruch durch § 3 Abs. 5 S. 2 Alt. 1 und 2 Hochschulgesetz NRW (HG NRW) und durch das Behindertengleichstellungsgesetz Nordrhein-Westfalen (BGG NRW) konkretisiert. Gemäß § 4 BGG NRW gelten IT-Systeme nur dann als barrierefrei, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind. Der Regelungszweck geht dabei über den reinen Sonderschutz hinaus; so belegt die empirische 100/30/10-Regel, dass barrierefreie Formate für 100 Prozent der Studierenden hilfreich, für 30 Prozent notwendig und für zehn Prozent unerlässlich sind (vgl. Pferdekämper-Schmidt et. al., Inklusionsorientiert Lehren und Lernen: Methodenkatalog für den Hochschulkontext, 2022 m.w.N.).

Für die digitale Lehre maßgeblich ist die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung Nordrhein-Westfalen (BITV NRW). Gem. § 2 BITV NRW müssen die digitalen Angebote wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust (z. B. interpretierbar für Screenreader) gestaltet sein. Gem. § 3 Abs. 1 BITV NRW greift eine gesetzliche Vermutungswirkung: Erfüllen die digitalen Angebote die Anforderungen der EU-Richtlinie 2016/2102 sowie der maßgeblichen harmonisierten Normen (insb. EN 301 549), wird die nachhaltige Herstellung der Barrierefreiheit rechtlich vermutet. Andernfalls sind die Prinzipien zur Barrierefreiheit unmittelbar zu beachten.

Der pauschale Einwand des Dozenten bezüglich seines hohen Zeitaufwands ist unbeachtlich. § 3 Abs. 3 BITV NRW erlaubt Abweichungen nur bei „unverhältnismäßiger Belastung“ für die Hochschule, nicht jedoch für den einzelnen Lehrenden. Mangelnde Zeit, fehlendes Budget oder Unkenntnis sind gesetzlich keine Rechtfertigungsgründe. Ist eine barrierefreie Umsetzung nach bestem Bemühen nicht möglich, verlangt § 3 Abs. 4 BITV NRW die Bereitstellung einer gleichwertigen, barrierefreien Alternative.

(b) Grenzen der Wissenschafts- und Lehrfreiheit

Der Dozent kann sich auch nicht durch ein Berufen auf die Wissenschafts- und Lehrfreiheit (Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG) von der Pflicht zur Barrierefreiheit befreien. Dieses Grundrecht schützt den inhaltlichen und methodischen Kern der universitären Vermittlung (BVerfGE 35, 79). Einschränkungen, die sich aus dem Ausbildungszweck der Hochschule oder Rechten Dritter ergeben, sind dadurch per se nicht ausgeschlossen (BVerfGE 55, 37 – Bremer Modell). Vorgaben zur Barrierefreiheit greifen dabei nicht in den wissenschaftlichen Gehalt der Lehre ein, sondern regeln lediglich die formale Zugänglichkeit.

(2.) Arbeits- und dienstrechtliche Konsequenzen

Adressatin der gesetzlichen Inklusionspflichten ist die Hochschule. Um ein Haftungsrisiko zu vermeiden, muss die Hochschulleitung diese Vorgaben operativ durchsetzen und an die Lehrenden delegieren, sodass die Verpflichtung zur Umsetzung bei den Lehrenden liegt. Bei Tarifbeschäftigten greift das Direktionsrecht des Arbeitgebers (§ 106 S. 1 Gewerbeordnung), nach dem Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmt werden können. Bei verbeamteten Lehrenden stellt dies eine verbindliche dienstliche Anordnung dar (§ 35 BeamtStG). Die Anweisung der Dekanin konkretisiert somit lediglich eine zu erfüllende arbeitsvertragliche Hauptleistungspflicht bzw. beamtenrechtliche Dienstpflicht.

Widersetzt sich der Lehrende der Weisung, folgen rechtliche Sanktionen. Bei Tarifbeschäftigten kann im Falle der fortgesetzten Nichtumsetzung zunächst formell abgemahnt werden. Im Wiederholungsfall droht eine ordentliche verhaltensbedingte Kündigung i.S.d. § 1 Abs. 2 KSchG. Bei verbeamteten Lehrenden kann die Hochschule disziplinarrechtlich vorgehen. Die Sanktionskette reicht von Verweis und Geldbuße bis hin zur Kürzung der Dienstbezüge.

Fazit

Ein rechtlicher Anspruch auf die barrierefreie Bereitstellung von Lehrmaterialien besteht uneingeschränkt und muss somit auch von den Lehrenden gewährleistet werden. Die Erfüllung kann weder durch Verweise auf Zeitmangel noch durch die Lehrfreiheit umgangen werden. Die rechtskonforme Durchsetzung obliegt der Hochschule und kann bei Nichtbefolgung durch den Lehrenden mit strengen arbeits- oder disziplinarrechtlichen Konsequenzen sanktioniert werden.

Vocatium in Münster: Angebote zum Studieneinstieg kommen nicht nur bei angehenden Studierenden gut an

ORCA.nrw ist weiter in Nordrhein-Westfalen unterwegs, um auf die Angebote im Bereich „Starker Start ins Studium“ aufmerksam zu machen. Halt in dieser Woche: die Vocatium in Münster. Im Messe und Congress Centrum fand an zwei Tagen die beliebte Fachmesse für Ausbildung und Studium statt, und das Landesportal war mit einem Informationsstand dabei. Zahlreiche Studieninteressierte und angehende Studierende informierten sich dabei über die ORCA.nrw-Unterstützungsangebote für den Übergang von der Schule zur Hochschule. Auch bei Lehrerinnen und Lehrern kamen die kostenfreien Angebote gut an.

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Angebote auf so positive Resonanz stoßen. Für uns als Landesportal ist es wichtig, nicht nur an den 36 Hochschulen in NRW präsent zu sein, sondern auch auf Veranstaltungen wie der Vocatium hier in Münster oder in der vergangenen Woche der Abi Zukunft in Essen. So erreichen wir viele angehende Studierende frühzeitig und können sie schon vor ihrem ersten Tag auf dem Campus mit unseren Angeboten zum Studieneinstieg unterstützen“, sagt Joachim Preusse, stellvertretender Geschäftsführer von ORCA.nrw.

Besonders nachgefragt waren in Münster die Angebote im Bereich Mathematik. Auf ORCA.nrw finden sich hierzu der Online-Test „WINT-check“, mit dem man seine mathematischen Vorkenntnisse fürs Studium überprüfen kann. Für die weiteren Schritte gibt es dann die Online-Kurse „studiVEMINT“ und „OMB+“, mit denen man bequem von zu Hause oder unterwegs sein Schulmathe vor dem Studienstart auffrischen kann. Bei Fragen bietet ORCA.nrw den Mathe-Helpdesk, der täglich von 10 bis 20 Uhr für Fragen erreichbar ist. Das Besondere: Alle genannten Angebote sind kostenlos. Neben Mathematik finden sich unter „Starker Start ins Studium“ zudem Unterstützungsangebote für die Bereiche Sprach- und Textverständnis, Physik, Chemie sowie Motivation und Lernstrategien.

Doch nicht nur bei den angehenden Studierenden stießen die ORCA.nrw-Angebote auf positive Resonanz. In Münster begeisterten sich zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer für die Online-Tests und -Kurse, die sie künftig im Rahmen ihrer Beratungstätigkeiten an den Schulen einsetzen möchten.

Abi Zukunft Essen 2026: Großes Interesse an den vielfältigen Angeboten zum Studieneinstieg von ORCA.nrw

Viele junge Menschen nutzten die Gelegenheit, um sich persönlich über die Angebote zu informieren. Besonders gefragt waren die Online-Brückenkurse und Selbsttests. ORCA.nrw zeigte auf der Abi Zukunft 2026, wie der Weg in ein erfolgreiches Studium verlaufen kann, wenn das Wissen aus dem Abitur vielleicht doch eine Auffrischung benötigt.

Wer die Abi Zukunft Essen 2026 verpasst hat, kann sich auf den Seiten von ORCA.nrw über die verschiedenen Angebote informieren oder sich persönlich auf der Vocatium in Münster am 24. und 25. September informieren. Dort wird ORCA.nrw wieder mit einem Infostand vertreten sein.

Internationales Publikum beim ORCAthon 2026 zum Thema Nachhaltigkeit

Beim ORCAthon wurde es dieses Mal international. Die zweite Ausgabe des ORCA.nrw-Formats fand im Rahmen der International Summer Convention an der Fachhochschule Dortmund statt, die Lehrende aus unterschiedlichen Ländern der Welt zusammenbrachte. Das Thema dabei: Nachhaltigkeit. Neben Inputs, Informationen und Austausch stand – wie beim ORCAthon üblich – das gemeinsame Erstellen von Lehrmaterialien im Fokus.

„Lehrenden bleibt oft nur wenig Zeit, kollaborativ Lehrmaterialien zu erstellen oder sie weiterzuentwickeln – erst recht hochschulübergreifend. Aus diesem Grund haben wir bei ORCA.nrw im vergangenen Jahr das Format ORCAthon ins Leben gerufen. In diesem Format können sich Lehrende bewusst mal aus dem Hochschulalltag herausnehmen und gemeinsam an Lehrmaterialien arbeiten“, sagt Joachim Preusse, stellvertretender Geschäftsführer des Landesportals.

ORCA.nrw unterstützte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an zwei Tagen mit einem Workshop zur Implementierung des Querschnittsthemas Nachhaltigkeit in die Fachlehre und einem Beratungsangebot zu digitaler Barrierefreiheit. Zudem informierte Lara Trompeter von der Rechtsinformationsstelle ORCA.nrw mit einem Vortrag und einer anschließenden Fragerunde zum europäischen Urheberrecht und zu den rechtlichen Voraussetzungen der offenen Lizenzierung von Lehrmaterialien.

 „In diesem Jahr lag der Schwerpunkt des ORCAthon auf dem Thema Nachhaltigkeit. Wir freuen uns, dass wir die Veranstaltung in die International Summer Convention der FH Dortmund einbetten konnten, bei der das Thema Nachhaltigkeit ebenfalls auf der Agenda stand, und unsere Unterstützungsleistungen für nordrhein-westfälische Hochschulen auch vor Ort einbringen konnten“, sagt Joachim Preusse.

Gemeinsam für offene Bildung: OER-Kurspilot startet in die nächste Phase

Am 9. September traf sich das Projektteam des OER-Kurspiloten zu seinem ersten Präsenztreffen in der Geschäftsstelle von ORCA.nrw in Bochum. Bei Kaffee und Kuchen tauschten sich die Beteiligten über die Pläne, Herausforderungen und nächsten Schritte aus – und diskutierten, wie ein KI-gestützter Assistent Lehrende künftig noch besser bei der Erstellung und Aktualisierung von Moodle-Kursen unterstützen kann. Im Fokus stand dabei auch die Frage, wie digitale Bildungsmaterialien (OER) in Nordrhein-Westfalen nachhaltig gestärkt werden können.

Was ist der OER-Kurspilot?

Der OER-Kurspilot ist ein gemeinsames Projekt von Moodle.nrw, pixeltreu eG und ORCA.nrw. Sein Ziel: die Entwicklung eines KI-gestützten Assistenten, der Lehrende bei der Erstellung von Moodle-Kursen unterstützt – und zwar mit offenen Bildungsmaterialien (OER). Damit verbindet das Projekt innovative Technologie mit dem Ziel, den Lehralltag zu erleichtern und die Qualität der Lehre durch nachhaltige, frei verfügbare Inhalte zu steigern.

„Der OER-Kurpilot erschließt den großen Fundus qualitativ hochwertiger OER-Materialien und bietet Lehrenden Unterstützung, diese in die eigenen Kurse zu integrieren“, sagt PD Dr. Markus Deimann, Geschäftsführer von ORCA.nrw.

Ein konkretes Nutzungsszenario zeigt das Potenzial: Ein Kollege beantragt kurzfristig ein Forschungssemester. Die einspringende Lehrende gibt dem OER-Kurspilot an, dass sie eine vierstündige Vorlesung zur Mechanik im Wintersemester übernehmen soll. Der Assistent durchsucht die verfügbaren OER-Plattformen nach passenden Materialien – von interaktiven Simulationen bis hin zu Lehrvideos – und schlägt eine Auswahl vor. Mit wenigen Klicks wird daraus ein fertiger Moodle-Kurs generiert. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch technische Hürden – ein echter Gamechanger für die Lehrpraxis!

Der Rahmen des OER-Kurspiloten

Hinter dem OER-Kurspilot steht ein konsortialer Ansatz mit klaren Rollen und einer soliden Finanzierung: Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Ideenwettbewerbs „OE_Space“ gefördert. Damit gehört es zu den Vorhaben, die innovative Konzepte für offene Bildung und digitale Lehrformate vorantreiben.

Starke Partner für Infrastruktur und Betrieb

  • ORCA.nrw hostet die entstandenen Materialien und garantiert damit die Nachhaltigkeit des Vorhabens.
  • Moodle.nrw bringt,basierend auf einem frühen Prototypen, seine LMS-Expertise ein. Das Konsortium profitiert von der langjährigen Erfahrung von Moodle.nrw in der Entwicklung und dem Betrieb von Lernplattformen.
  • Die pixeltreu eG entwickelt den KI-Assistenten und bringt dabei ihre Expertise in Bildungsmedien und digitale Lernformate ein.