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„Anhand von authentischen Unterrichtsvideos lernen, wie man sprachbildend unterrichten kann“ – das Projekt ViViPro.nrw

Die Vermittlung bildungssprachlicher Kompetenzen spielt in allen Fächern eine wichtige Rolle, wenn Lehrkräfte Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Voraussetzungen Teilhabe am Unterricht ermöglichen wollen. Um angehende Lehrkräfte dafür noch besser vorzubereiten, sind im OERContent.nrw-Projekt „Videovignettenbasierte Online-Kurse zur Professionalisierung Lehramtsstudierender für sprachbildendes Unterrichten“ – kurz ViViPro.nrw – drei modulare Online-Kurse entstanden: an der Universität Paderborn für sprachliche Bildung im Fach Geschichte, an der Bergischen Universität Wuppertal für sprachliche Bildung im Fach Biologie und an der Universität Duisburg-Essen für sprachliche Bildung im Fach Kunst. Alle Kurse sind für den Einsatz im Modul „Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte“ (DSSZ) konzipiert, das seit 2009 obligatorischer Bestandteil aller Lehramtsstudiengänge in NRW ist. Die ViViPro.nrw-Materialien sind seit Neuestem in der Fächer-Bibliothek auf ORCA.nrw abrufbar. Beim Abschlusstreffen in Paderborn haben wir mit den Projektbeteiligten über ihre Zusammenarbeit, die entstandenen Inhalte und die Relevanz des Projektthemas gesprochen.

„Beschreibe das Bild“ – so lautet eine gängige Aufgabenstellung im Kunstunterricht. Klingt einfach, es steckt aber mehr dahinter. Das sieht man, wenn man das ViViPro.nrw-Modul für den Fachbereich Kunst startet, denn unter anderem mit dieser Aufgabenstellung setzt man sich als Nutzerin oder Nutzer dezidiert auseinander.

Prof. Dr. Tobias Schroedler (Universität Duisburg-Essen): Wenn ich als Lehrkraft eine Aufgabe stelle, wecke ich Erwartungen, die der Sprache und der gewählten Formulierung folgen. Sich dessen bewusst zu sein, ist unheimlich wichtig. Und Lehrkräfte in diesem Kompetenzbereich zu schulen, ist Teil unseres Auftrags in der Lehrkräftebildung. Im Projekt haben wir uns an allen drei Standorten intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und sind froh, dass so viele Materialien entstanden sind.

Im Namen Ihres Projekts ist von Videovignetten die Rede. Was genau versteht man unter einer Vignette?

Lydia Böttger (Universität Paderborn): Im Projekt sind insgesamt drei Moodle-Kurse produziert worden – je einer für das Fach Kunst, Geschichte und Biologie. Diese Kurse unterteilen sich in verschiedene Bausteine, die wir Vignetten nennen. Eine Vignette – beispielsweise zum Thema „Mehrsprachigkeit im Geschichtsunterricht“ – beinhaltet nach Benz 2020 die Darstellung einer Lehr-/Lernsituation aus zum Beispiel einem Video und einem Bearbeitungsimpuls. Die Bearbeitungsimpulse sind Gegenstand der begleitenden H5P-Lerneinheiten, in denen zum Beispiel Bezüge zu theoretischen Konzepten aufgezeigt, Fragen und Aufgaben gestellt und begleitende Materialien wie Arbeitsblätter und Transkripte zur Verfügung gestellt werden.

Wie kam die Idee zum Projekt zustande?

Prof. Dr. Constanze Niederhaus (Universität Paderborn): Wir wissen heute, dass die Mehrsprachigkeit von Schülerinnen und Schülern eine wichtige Ressource ist. Gleichzeitig sind Kompetenzen in der deutschen Sprache für Teilhabe an Bildung wichtig. Aus diesem Grunde wurde 2009 das DSSZ in das Lehrerausbildungsgesetz (LABG) aufgenommen. In NRW absolvieren alle Lehramtsstudierenden dieses Modul im Umfang von meistens sechs Leistungspunkten. Ziel des Moduls ist es, Studierende für sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeitsorientierung in allen Fächern zu qualifizieren. Wir haben herausgefunden, dass Studierende im DSSZ-Modul zwar signifikante Kompetenzzuwächse erlangen, aber aufgrund des geringen zeitlichen Umfangs nicht zu Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet werden. Das wollen wir mit ViViPro.nrw ändern und haben Kurse entwickelt, die Dozierende im DSSZ-Seminar einsetzen oder Studierende im Selbststudium nutzen können.

Wie genau sind die Kurse in ViViPro.nrw aufgebaut?

Niederhaus: Die Basis aller ViViPro.nrw-Module sind Videos. Wir haben an Schulen authentischen Unterricht gefilmt. Anhand dieser Videos können die Studierenden die Vorgehensweisen der Lehrenden und die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler analysieren und erarbeiten sich so, wie man in den drei genannten Fächern sprachbildend unterrichten kann.

Sie bilden in den Videos also authentische Situationen ab und haben diese nicht mit Schauspielern nachgestellt.

Dr. Corinna Peschel (Bergische Universität Wuppertal): Es war uns von Anfang an wichtig, dass die dargestellten Unterrichtssituationen so authentisch wie möglich sind. Das hat die Planung nicht unbedingt einfacher gemacht, denn wir mussten an allen Standorten erst mal Schule und Schüler*innen finden, die dazu bereit waren, eine Kamera im Unterricht zuzulassen. Und natürlich mussten wir zahlreiche rechtliche Punkte klären. Aber das hat sich gelohnt. Die Rückmeldungen sind bisher aus allen Richtungen sehr gut.

Dr. Matthias Prikoszovits (Universität Paderborn): Die Videos helfen dabei, die Situationen greifbar und anschaulich zu machen. Viele Lehramtsstudierende haben bisher nur mit Transkriptionen in Textform gearbeitet, jetzt können sie in die Gesichter der handelnden Personen sehen und sind dadurch viel tiefer in der Situation. Das hilft für den Lernerfolg.

Dr. Mareike Müller (Universität Paderborn): Wir merken auch, dass die Inhalte durch die Videos nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Ich war sehr erstaunt, dass Studierende sich auch Monate später noch an bestimmte Videos erinnert haben. Das ist schön zu sehen.

Wie sind Sie bei den Drehterminen und der Umsetzung vorgegangen?

Böttger: Das war von Standort zu Standort unterschiedlich. In Paderborn hatten wir das große Glück, dass eine Kollegin im Team schon Kontakt zu einer Schule hatte – das war der schnelle Türöffner. Wir haben uns dann vorab mit den Lehrkräften getroffen und die Zustimmung der Schulleitung, der Lehrkräfte und der Schüler*innen zu den Videoaufnahmen eingeholt. Die Produktion der Filme hat eine externe Firma übernommen. Die anderen Standorte sind teilweise anders vorgegangen. An der Universität Duisburg-Essen hat zum Beispiel die wissenschaftliche Mitarbeiterin die Videos gedreht und geschnitten.

Nach über zwei Jahren Arbeit sind die in ViViPro.nrw entstandenen Materialien nun veröffentlicht und unter anderem über ORCA.nrw frei zugänglich. Was soll bestenfalls mit den Kursen geschehen?

Schroedler: Unser aller Wunsch ist, dass die Materialien in der Lehre zum Einsatz kommen. Die Materialien sind allesamt OER-lizenziert und barrierearm gestaltet. Für uns wäre es daher schön zu sehen, dass sie auch außerhalb der im Projekt beteiligten Hochschulen genutzt und vielleicht ja sogar weiterentwickelt werden.

Peschel: Wir freuen uns sehr, dass die Kurse veröffentlicht sind und wirklich genutzt werden – genau dafür haben wir sie erstellt. Ich bin sehr froh, an diesem Projekt mitgewirkt zu haben. Dass wir mit Kolleginnen und Kollegen von drei verschiedenen Hochschulen interdisziplinär an diesem Thema gearbeitet haben, hat viele neue Impulse und Ideen freigesetzt. Das war in der Zusammenarbeit etwas ganz Besonderes.

Niederhaus: Der Austausch und das Arbeiten im Projektteam haben auch mir enorm viel Freude bereitet. Es sind tolle Materialien entstanden, die hoffentlich sofort ihren Platz in der Lehre finden werden. Ein großer Dank gilt dem großartigen Projektteam und auch den Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, die bei der Produktion unserer zahlreichen Videos mitgewirkt haben. Ohne ihre Bereitschaft und ihr Engagement wäre das Projekt nicht möglich gewesen.

Mechanik mal anders: praxisnahe Beispiele für nachhaltigen Lernerfolg mit DTM

Im Projekt „Digitale Technische Mechanik“ (DTM) sind praxisnahe Fallbeispiele entwickelt worden, die das Fach Mechanik für Studierende besser verständlich machen sollen. Sie können unter anderem in Studiengängen wie Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Wirtschaftsingenieurwesen eingesetzt werden. Insgesamt waren in den vergangenen zwei Jahren acht NRW-Hochschulen an der Erstellung beteiligt. DTM wurde im Rahmen von OERContent.nrw gefördert, alle Materialien sind in der Fächer-Bibliothek des Landesportals ORCA.nrw abrufbar.

Eine Montagehalle wird aufgerüstet. Um die Produktionskapazitäten zu erhöhen, sollen schwere Materialien künftig effizienter von A nach B bewegt werden können – mithilfe eines neuen Brückenkrans. Doch bevor der Kran unters Hallendach einziehen kann, sind verschiedene Konzeptionsschritte und Berechnungen erforderlich. Die dazu notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen werden im Fach Mechanik gelehrt, das Bestandteil zahlreicher Ingenieurstudiengänge ist. Dass dieses Fach alles andere als langweilig und theoretisch sein muss, zeigt das Projekt „Digitale Technische Mechanik“ (DTM).

Porträt von Thorsten Bartel
Projektleiter Dr. Thorsten Bartel

Studierende sollen Regeln und Formeln nicht nur anwenden können, sondern schon früh in ihrem Studium den Sinn und Wert von Mechanik in der Praxis verstehen – so das Ziel. Projektleiter Dr. Thorsten Bartel von der Technischen Universität Dortmund erklärt das gerne so: „Mechanik ist das Instrument für die Planung tragfähiger, aber dennoch kosteneffizienter und ressourcenschonender Bauwerke.“ So viel wie nötig, so wenig wie möglich also, um den Einsatz von Ressourcen, Zeit und Kosten im Bauprozess zu optimieren. Dafür hat Bartel zusammen mit seinem Kollegen Michael Fiege und dem Projektteam aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der TU Dortmund und sieben weiteren Hochschulen aus NRW, verschiedene Fälle – Projekte genannt – entwickelt. „Studierende erkennen oft nicht, warum Mechanik wichtig fürs Ingenieurwesen ist. Das wollen wir ändern“, sagt Bartel. In DTM wurden realitätsnahe Beispiele wie ein Fahrrad, eine Brücke oder Kurbelwelle erstellt, anhand derer sich Studierende mit sukzessiv komplexer werdenden ingenieurtechnischen Fragestellungen auseinandersetzen.

Bild des Brückenkrans mit verschiedenen Drag-and-Drop-Elementen, die vom Nutzer an die richtige Stelle gezogen werden müssen

Screenshot aus dem Kurs DTM: Die Begriffe sind an der richtigen Stelle eingeordnet.

Im Beispiel des Brückenkrans heißt das zuallererst: Begrifflichkeiten klären. Was ist ein Balken, wo ist das Seil, gibt es eine Feder? Per Drag-and-Drop-Funktion zieht man als Nutzer die einzelnen Begriffe an die vermeintlich richtigen Stellen im Bild und erhält im Anschluss eine Auswertung. „Wir wollen nicht mit der dicken Mechanik-Tür ins Haus fallen, sondern erst mal anregen, in die Materie einzutauchen“, sagt Bartel. Sind alle Häkchen auf Grün, geht’s weiter zur nächsten Aufgabe: Es soll ein realistisches Modell des Brückenkrans erstellt werden. „In der Mechanik ist man oft mit abstrakten Zeichnungen beschäftigt, wir haben uns aber bewusst dazu entschieden, zunächst der Modellbildung viel Raum zu geben. Das fördert die Vorstellungskraft“, sagt Michael Fiege: „Musterlösungen gibt es erst, wenn man sich selbst mit dem Thema ausgiebig auseinandergesetzt hat.“ Studierende sollen sich so bildlich vorstellen können, was Mechanik ist, warum sie wichtig ist und wie man mit ihr arbeitet.

Nachdem das Brückenkran-Modell hochgeladen und damit abgegeben wurde, wird es vom jeweiligen Dozierenden bewertet. In der Lehrveranstaltung können die Ergebnisse und Herangehensweisen parallel diskutiert werden, ehe es im Fallbeispiel recht bald auch an konkrete Berechnungen geht. Nach und nach setzt man sich so mit allen Einzelheiten des Brückenkrans auseinander, berechnet beispielsweise die Auflagereaktionen des Krans, wenn die Laufkatze bewegt wird oder in welcher Position des Greifers das Material am wenigsten belastet wird.

Zwischendurch müssen Nutzer immer wieder praxisnahe Probleme lösen. Es stellt sich im Falle des Brückenkrans zum Beispiel heraus, dass die Dachbinder aus Holz in der Halle nach gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr ausreichend seien, um das Dach zu stützen. Es werden verschiedene Lösungsvorschläge genannt, die nun analysiert und beurteilt werden sollen – unter anderem auch unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen Faktoren. „Uns ist wichtig, dass Studierende später wissen, warum sie etwas tun“, sagt Michael Fiege und Thorsten Bartel ergänzt: „Wir sind uns sicher, dass der Anwendungsbezug eine wichtige Rolle für den Lernerfolg spielt.“ 

Das kommt an. Die ersten Rückmeldungen von Studierenden sind durchweg positiv, besonders die praxisnahe Gestaltung wurde gelobt. Die harte Projektarbeit in den vergangenen zwei Jahren hat sich also gelohnt. Für Dr. Thorsten Bartel, Michael Fiege und das DTM-Team ist die Arbeit aber noch nicht vorbei. Sie freuen sich, ihre Materialien jetzt auch in der Lehre einzusetzen und die Mechanik-Kurse in NRW damit Semester für Semester ein Stück weit besser zu machen.

Beteiligte Hochschulen an DTM:
Technische Universität Dortmund (Konsortialführung), Hochschule Hamm-Lippstadt, Ruhr-Universität Bochum, Universität Paderborn, Bergischen Universität Wuppertal, Universität Duisburg-Essen, Hochschule Rhein-Waal, Westfälische Hochschule

Mit Julia durch die Schulzeit – praxisnahe Fallbeispiele für stärkere Beratungskompetenz in pädagogischen Kontexten

Im Projekt „DigiFall“ sind in den vergangenen zwei Jahren besondere Bildungsmaterialien für pädagogische und gesundheitsbezogene Studiengänge entstanden. Als Nutzerin oder Nutzer begleitet man unter anderem Julia, Jackson und Nicole und lernt dabei praxisnah, welche Rolle Kommunikation und Beratung für die Ermöglichung von Teilhabe in verschiedenen Bereichen spielt. Alle Materialien aus „DigiFall“ sowie aus vielen weiteren Projekten aus der OERContent.nrw-Förderlinie werden in Kürze auf ORCA.nrw abrufbar sein.

Julia blickt in ihre Handykamera und atmet tief durch. „Hey Leute“, sagt sie, „es ist wieder Zeit für ein Update aus meinem Leben.“ Die 17-Jährige wirkt angespannt und fährt sich mit ihrer freien Hand einmal schnell durch die langen rötlichen Haare. „Die Schule macht mir echt zu schaffen. Ich meine, ich liebe Informatik und so, aber der Rest ist nicht so toll.“ Sie atmet schwer, lässt den Arm mit dem Handy in der Hand ein wenig nach unten fallen und schüttelt leicht den Kopf, als sie sagt: „Und irgendwie wird das Stottern immer schlimmer mit dem ganzen Stress.“

Porträt von Michelle Möhring
Dr. Michélle Möhring

Was auf den ersten Blick wie eine Story auf Instagram aussieht, ist die Einstiegssequenz eines digitalen Lernmoduls aus dem Projekt „DigiFall“. Die Follower sind dabei Studierende aus pädagogischen und gesundheitsbezogenen Studiengängen, Julia selbst wird von einer Schauspielerin verkörpert. „Ziel ist es, die Kommunikations- und Beratungskompetenzen von Studierenden in multiprofessionellen Teams praxisnah zu stärken“, sagt Dr. Michélle Möhring von der Technischen Universität Dortmund, die das Projekt zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Nadine Elstrodt-Wefing leitet. „DigiFall“ steht für „Digitale Fallarbeit – Transdisziplinäres Self-Assessment in pädagogischen und gesundheitsbezogenen Kontexten“. Vor allem in Studiengängen wie Soziale Arbeit, Rehabilitationspädagogik, Heil- und Sonderpädagogik sowie Logopädie und Ergotherapie können die entstandenen Materialien eingesetzt werden, aber auch angehende Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte profitieren von ihnen. Die Idee: Durch problemorientiertes und kollaboratives Arbeiten an praxisnahen Fallbeispielen lernen Studierende, ihre in Lehrveranstaltungen erworbenen theoretischen Kenntnisse im Bereich der Kommunikation und Beratung sowie der multiprofessionellen Arbeit in die Praxis zu transferieren.

Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das: aufnehmen, reflektieren, beschreiben und immer wieder selbstständig Entscheidungen treffen. Konkret schlüpfen sie zum Beispiel in die Rolle der Schulsozialarbeiterin Kerstin Sommer und werden nach dem Einstiegsvideo gefragt, welchen Eindruck sie von Julia hatten und welche Aspekte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit besonders relevant sein könnten. Zur Bearbeitung erhalten sie zahlreiche zusätzliche Materialien wie einen Steckbrief mit persönlichen Informationen über Julia oder einen ausführlichen Anamnesebogen aus einer Logopädie-Praxis, der über die sechsjährige Julia existiert. „Im Vordergrund steht, die Teilhabe der beschriebenen Person zu sichern oder gegebenenfalls wiederherzustellen“, erklärt Möhring. Bei Julia steht die Teilhabe im Bereich Bildung und Wohnen im Fokus, im Projekt wurden aber noch zwei weitere Fallbeispiele entwickelt. Das Modul Teilhabe in Pflege und Assistenz behandelt den Fall von Jackson, der unter Muskeldystrophie leidet, im Modul Teilhabe im Wohnen geht es um Nicole, die einen Waschzwang und ein belastetes Verhältnis zu ihren Eltern hat. Eingeleitet werden die drei praxisnahen Beispiele durch zwei allgemeine Wissensmodule zu den Themen Kommunikation und Beratung sowie multiprofessionelle Zusammenarbeit. Alle fünf Bausteine sind auch einzeln durchlaufbar und als Self Assessments auf ORCA.nrw veröffentlicht.

Screenshot aus einem DigiFall-Video: POV der Sozialarbeiterin, Julia sitzt ihr gegenüber und dreht sich weg.

Im Fall von Julia geht die Geschichte mit einem nächsten Video weiter. Julia – Realschülerin in der zehnten Klasse – sitzt der Schulsozialarbeiterin gegenüber, die sagt: „Deine Lehrerin hat mich gebeten, mit dir über deine schulischen Leistungen zu sprechen.“ Die Schülerin sagt darauf nichts, schaut nur auf den Boden und zieht sich zurück. Dann ploppt eine Aufgabe auf: Man soll aus Sicht der Sozialarbeiterin zwischen drei Optionen entscheiden, wie das Gespräch weitergeht: Unterstützung anbieten, praktische Ansätze finden oder direkt die Eltern mit einbeziehen. Wählt man Letzteres, erhält man prompt Julias emotionale Reaktion im Video. „Solche Negativbeispiele will man in der Praxis vermeiden, aber sie können vorkommen“, sagt Möhring und erklärt: „Mithilfe unserer Materialien kann man sich aber gedanklich mit ihnen auseinandersetzen, reflektieren, und man erhält Unterstützung, wie die Situation gelöst werden könnte.“ Die bisherigen Rückmeldungen zeigen, dass Lernende gerade diese Konfrontation fasziniert. Zu wissen, wofür man etwas lernt, sei für Studierende enorm motivierend, bestätigt Möhring.

Die Praxisnähe haben die Projektbeteiligten mit Bravour geschaffen. Aufgabe für Aufgabe, Entscheidung für Entscheidung lernt man Julia – und in den weiteren Modulen auch Jackson und Nicole – immer besser kennen. Man begleitet Julia bei ihren familiären Problemen mit den fordernden Eltern, der Beziehung zu ihrer besten Freundin Hannah, ihren Zukunftsängsten und dem Traum, sich beruflich mit ihrer Leidenschaft Informatik zu beschäftigen. Auch die persönlichen und sozialen Herausforderungen durch ihr Stottern sind Thema. Durch die vielen Videos taucht man als Nutzerin oder Nutzer schnell in die Geschichte ein und merkt dabei, wie viel Arbeit und Liebe zum Detail in den Materialien steckt. Über 20 Personen von fünf verschiedenen NRW-Hochschulen (Technische Universität Dortmund, Hochschule Niederrhein, Universität Siegen, Hochschule Ruhr West, Fachhochschule Dortmund) haben sich in den vergangenen zwei Jahren mit der Konzeption, Erstellung und Veröffentlichung auf ORCA.nrw beschäftigt. „Wir waren in all der Zeit ein starkes Team“, erklärt Möhring und gibt zu: „Es war uns ein Herzensprojekt, entsprechend habe ich auch ein kleines weinendes Auge, dass es nun zu Ende geht. Ich kann nur allen Beteiligten – vor allem den wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Hilfskräften – unseren großen Dank aussprechen.“

Auch für Julia schließt sich ein Kapitel. Inzwischen ist sie 19 Jahre alt und man sieht sie vor Umzugskisten und einem Transporter. „Hey Leute“, sagt sie wieder. „Ich nehme euch mal mit in mein neues Zuhause. Es ist so aufregend, endlich auszuziehen und sein eigenes Ding zu machen. Informatik, neue Freunde treffen, Abenteuer erleben – das ist jetzt mein Leben.“ Man freut sich mit ihr, denkt dabei an gelungene Teilhabe und will sich endlich entspannt zurücklehnen. Doch dann ploppt wieder ein Fenster auf: Ein paar abschließende Aufgaben warten noch, bevor das Modul erfolgreich abgeschlossen ist.

Wirksames OERContent.nrw-Projekt: BNE-OER bei Deutscher Gesellschaft für Nachhaltigkeit an Hochschulen e.V. vorgestellt

Kindergärten und allgemeinbildende Schulen stehen vor der Aufgabe, das Querschnittsthema Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in ihre pädagogischen Konzepte bzw. den Fachunterricht zu integrieren. Der bei ORCA.nrw zu findende Kurs Bildung für nachhaltige Entwicklung durch Open Educational Resources vermitteln (BNE-OER) zeigt angehenden Pädagoginnen und Pädagogen, dass es ganz unterschiedliche Wege gibt, nachhaltigkeitsbezogene Inhalte und Fragestellungen in den Unterricht einzubeziehen.

Damit möglichst viele Lehramtsstudierende von den multimedialen und interaktiven Lerneinheiten profitieren, hat ORCA.nrw in Person von Dr. Joachim Preusse (stellv. Geschäftsführer) und Daniel Diekmann (OER-Referent) diese gemeinsam mit BNE-OER-Projektkoordinatorin Dina Vasiljuk (Institut für Geographiedidaktik der Universität zu Köln) bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit an Hochschulen e.V. (DG HochN) vorgestellt. Im Rahmen eines Online-Hubs, dem beliebten Austauschforum der DG HochN, wurde deutlich, dass die Lerneinheiten besonders geeignet sind, um Lehrveranstaltungen an der Hochschule vor- und nachzubereiten.

BNE-OER bei ORCA.nrw abrufbar

In dem in der Förderlinie OERContent.nrw vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW geförderten Verbundprojekt der Universität zu Köln, der Universität Wuppertal und der Fachhochschule Südwestfalen sind insgesamt 16 fachliche und 15 fachdidaktische Lerneinheiten zu BNE entwickelt und evaluiert worden. Jede Lerneinheit gliedert sich in eine Selbstlerneinheit und eine Anwendungseinheit; die Bearbeitung einer Lerneinheit dauert etwa 90 Minuten. Alle Inhalte sind offen lizenziert und können dadurch von anderen Hochschulen nachgenutzt werden.

Zu den Materialien aus dem Projekt BNE-OER

OERContent.nrw-Bereich auf ORCA.nrw wächst

Im Bereich OERContent.nrw finden Sie 25 hochwertige und qualitätsgesicherte Kurse zu verschiedenen Fachbereichen aus NRW, zahlreiche weitere Kurse werden in den kommenden Monaten veröffentlicht. Darüber informieren wir regelmäßig in unseren News & Storys.

Sollten Sie Fragen zu einem der Kurse haben oder Unterstützung bei der Integration der Inhalte in Ihre Lehre benötigen, kontaktieren Sie uns gerne unter info@orca.nrw.

Standortplanung von Ladestationen in Essen: Mit Fallbeispielen die Operations-Research-Methode vermitteln

Im Rahmen der Förderlinie OERContent.nrw entstehen qualitativ hochwertige Lehr-/Lernmaterialien, die im Bereich GefOERderte Kurse zentral über ORCA.nrw abrufbar sind. Nun ist ein weiterer Kurs hinzugekommen: Die Materialien aus dem Projekt OR4Sustainability sind verfügbar. Durch die offene Lizenz können der gesamte Kurs, Teile des Kurses oder auch einzelne Materialien schnell und einfach in die Lehre eingebunden werden.

Im durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) geförderten Projekt „OR4Sustainability“ wurden Fallstudien zur Bewältigung der Klimakrise und zur Steigerung der Nachhaltigkeit, die bspw. in den Studiengängen Wirtschaftsingenieurwesen und Umweltingenieurwesen diskutiert werden, entwickelt.

Standortplanung von Ladestationen in Essen simulieren

Insgesamt sind zwölf Fallstudien entstanden, die nach Themenbereichen (Energie, Mobilität/Logistik, Industrie) und Methoden (lineare Optimierung, gemischt-ganzzahlige Optimierung, multikriterielle Entscheidungsunterstützung) gegliedert sind. In einer Fallstudie wird zum Beispiel die Standortplanung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge der Stadt Essen beispielhaft für 100 Fahrzeuge durchgeführt (siehe Bild), in einem anderen geht es um die Energieeffizienz in Containerterminals am Beispiel eines Bahnkrans.

Für alle Fallstudien werden sowohl Verständnisfragen und Aufgaben zum Selbststudium als auch Diskussionsfragen für Gruppenarbeiten oder Lehrveranstaltungen sowie Anleitungen zur Implementierung von komplexeren Lösungsmethoden des Operations Research ausgearbeitet. 

Zu den Materialien

Am Projekt beteiligte Hochschulen: Universität Duisburg-Essen, Ruhr-Universität Bochum, RWTH Aachen

Neue Materialien im Fach Anatomie verfügbar: digitale Histologie

Im Rahmen der Förderlinie OERContent.nrw entstehen qualitativ hochwertige Lehr-/Lernmaterialien, die zentral über ORCA.nrw abrufbar sind. Nun hat unser Bereich GefOERderte Kurse Zuwachs bekommen: Die Materialien aus dem Projekt Digital HISTO NRW sind verfügbar. Durch die offene Lizenz können der gesamte Kurs, Teile des Kurses oder auch einzelne Materialien schnell und einfach in die Lehre eingebunden werden.

Im durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) geförderten Projekt „Digital HISTO NRW“ wurden digitale Lehr- und Lernangebote im für die medizinische Ausbildung zentralen Fach Anatomie erstellt. Das Angebot umfasst darüber hinaus pathohistologisches und embryologisches Material.

Das zentrale Element von Digital HISTO NRW ist eine Bildsammlung von mehr als 700 histologischen und pathologischen Präparaten mit inhaltlicher Zuordnung dieser zu den verschiedenen Organsystemen des menschlichen Körpers. Nutzerinnen und Nutzer haben die Möglichkeit, diese mit einem virtuellen Mikroskop zu betrachten, sowie sie als Einzelbilder herunterzuladen und weiterzubearbeiten.

Zu den Materialien

Am Projekt beteiligte Hochschulen: RWTH Aachen, Ruhr-Universität Bochum, Universität Bonn, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universität Duisburg/Essen, Universität Münster, HS Gesundheit Bochum

Kommunikation als wichtiger Baustein im Medizinstudium – eKommMed.nrw

Von der Anamnese bis zum Überbringen einer Krebsdiagnose – Kommunikation spielt in der Medizin in vielen Bereichen eine starke Rolle. Im Projekt eKommMed.nrw werden an sieben Hochschulen in NRW Materialien entwickelt, die Studierende bestmöglich auf Szenarien in ihrem späteren Berufsleben vorbereiten. In Kürze werden sie auf ORCA.nrw abrufbar sein.

Bernd Reuber führt ein glückliches Leben. Nach seiner Arbeit als Steuerfachangestellter werkelt der 52-Jährige gerne mit seiner Frau Andrea im Garten oder verbringt Zeit mit seinen Kindern. Fußball ist das gemeinsame Hobby von ihm und Sohn Leander (9). Wenn die beiden spielen, steht Bernd Reuber oft im Tor. Er mag, was er sich mit seiner Familie zusammen aufgebaut hat, und ahnt nicht, dass schon bald eine schwere Zeit auf ihn und seine Liebsten zukommen wird.

Ein paar Tage später, einige Kilometer entfernt, grübelt Prof. Matthias Lutterbeck. Er ist Chefarzt im Klinikum, und sein Terminplan ist straff. Fürs Mittagessen mit dem Kollegen reicht die Zeit leider nicht, in 20 Minuten wartet ein Patient auf ihn. „Es könnte ein schwieriges Gespräch werden“, denkt Prof. Lutterbeck, „der Mann ist noch recht jung, und ich muss ihm die Diagnose Darmkrebs überbringen“. Der Patient, der vor seiner Tür wartet, ist Bernd Reuber.


Was wie ein reales Szenario klingt, ist eines von zahlreichen Fallbeispielen aus dem Projekt eKommMed.nrw. Sieben Hochschulen in Nordrhein-Westfalen erstellen darin zusammen seit April 2022 E-Learning-Ressourcen für eine kompetenzorientierte Kommunikationsausbildung im Gesundheitswesen in NRW (kurz: eKommMed.nrw). „Kommunikation ist in vielen Bereichen in der Medizin wichtig“, sagt Projektleiter Prof. Sven Benson von der Universität Duisburg-Essen (UDE): „Sie ist die Basis für gute Behandlungsabläufe, die Zufriedenheit von Patienten und Mitarbeitern sowie die Wirksamkeit von Therapien.“ Entsprechend erforderlich ist es, im Studium die Kommunikationskompetenzen der angehenden Medizinerinnen und Mediziner zu schulen. Eine Diagnose fachlich zu stellen ist schließlich nicht dasselbe wie sie persönlich zu überbringen.

Ausprobieren, um Schlüsse zu ziehen

Der gesamte eKommMed.nrw-Kurs untergliedert sich in sieben Module. In drei Begleitmodulen geht es um Grundlagen der Kommunikation, Beziehungsaufbau und diversitätssensible Kommunikation, die vier Anwendungsmodule behandeln die Themenfelder Anamnese, Überbringen schlechter Nachrichten, Kommunikation im Team und telemedizinische Kommunikation. Viele Inhalte – wie zum Beispiel zu den Grundlagen oder der Kommunikation im Team – richten sich dabei nicht ausschließlich an Lehrende und Studierende der Medizin, sondern „sind sicher für alle mit medizinischem Kontext – zum Beispiel aus dem Bereich Soziale Arbeit oder Psychologie – interessant“, sagt Benson.

Das Fallbeispiel von Herrn Reuber ist Teil des Moduls „Überbringen schlechter Nachrichten“. In diesem Szenario wird in einem gut dreiminütigen Video zunächst der Patient vorgestellt, im Anschluss ein Video mit den Gedanken des Arztes vor dem Patientenkontakt abgespielt. Und dann wird es interaktiv: Das nächste Video zeigt das 20-minütige Gespräch zwischen Prof. Lutterbeck und Herrn Reuber. Regelmäßig wird es pausiert, und Studierende erhalten gezielte Fragestellungen, um den Verlauf zu reflektieren. Dabei können sie auf unterstützende Materialien wie eine Checkliste zur Gesprächsvorbereitung zurückgreifen. Es wartet dann ein Video, in dem Herr Reuber seinen Eindruck vom Gespräch schildert, das Modul schließt mit weiteren Reflexionsfragen. In anderen Modulen können Studierende beispielsweise in einer Videopause selbst entscheiden, wie es weitergehen soll. „So kann ich mich zu Hause ausprobieren und bewusst mal einen negativen Gesprächsverlauf erleben, um meine Schlüsse daraus zu ziehen – und ohne dass dies zulasten des Patienten geht“, erklärt Prof. Benson.

Prof. Dr. Sven Benson

Eine Sache ist ihm dabei wichtig: „Die Kommunikationsausbildung soll durch unser Projekt nicht ins Internet verlagert werden – ganz im Gegenteil. Kommunikation hat schon jetzt einen hohen Stellenwert in der medizinischen Ausbildung. Wir wollen keine Revolution, sondern eKommMed.nrw soll unterstützen und die Möglichkeiten in der Lehre erweitern.“ Benson selbst weiß, wovon er spricht. Weit vor seiner Zeit als Professor für Didaktik in der Medizin absolvierte er eine Ausbildung als Krankenpfleger und kann sich gut an Visiten erinnern, in denen Oberärzte mit Kolleginnen und Kollegen um ein Patientenbett herumstanden und in Anwesenheit des Patienten nur über ihn statt mit ihm gesprochen haben. „Dabei sind es oft Kleinigkeiten, die es braucht, um Vertrauen aufzubauen. Es kann schon entscheidend sein, ob der Arzt oder die Ärztin auf mich zukommt, sich vorstellt, die Hand gibt und anbietet, dass man sich bei Fragen jederzeit melden könne. Das sind 30 Sekunden, und der Patient oder die Patientin ist schon ganz anders eingebunden“, sagt Benson.

Seit seiner Zeit als Psychologie-Student faszinierte ihn unter anderem die Placebo-Forschung im medizinischen Bereich. Benson: „Studien zeigen, dass Schmerzmittel besser wirken, wenn ich die Anwendung vernünftig erkläre als sie unkommentiert zu verabreichen. Obwohl pharmakologisch beides Mal die Lage gleich ist, kann Kommunikation bei neurobiologischen Prozessen viel ausmachen.“  Entsprechend froh ist er, sich bei eKommMed.nrw mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Hochschulen in NRW mit dem Thema Kommunikation in der Medizin auseinanderzusetzen.

Intensiver Austausch zwischen den Hochschulen

Schon vor dem Projektstart pflegten die Hochschulen im Netzwerk der Medizinischen Fakultäten in NRW (KommMedNRW) einen guten Austausch, durch die Förderung im Rahmen der OERContent.nrw-Förderlinie ist dieser nun noch enger geworden. „Wir sind räumlich so nah beieinander und haben ähnliche Aufgaben, da macht es Sinn, sich gegenseitig zu unterstützen“, sagt Benson und schwärmt: „Ich kann die Zusammenarbeit nur loben, wir hatten im Projekt vom ersten Tag an eine vertrauensvolles Atmosphäre, die das Arbeiten leicht macht.“ Neben der UDE sind die Universität Bielefeld, Ruhr-Universität Bochum, Universität zu Köln, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie die Universität Münster beteiligt. Nach über zwei Jahren intensiver Arbeit werden die Ergebnisse in Kürze veröffentlicht und als Open Educational Resources über das Landesportal ORCA.nrw abrufbar sein.

Dann wissen Lehrende und Studierende aus NRW und außerhalb auch, wie es mit Herrn Reuber weitergeht. Prof. Lutterbeck hat ihm im Gespräch nämlich nicht nur die Diagnose mitgeteilt, die beiden haben gemeinsam auch schon über einen individuellen Behandlungsplan für Herrn Reuber gesprochen. Es wird nicht ihre letzte Kommunikation gewesen sein.

Robin Schönstein: „Wissenschaft bleibt nicht stehen – Lehre sollte es auch nicht“

„Bildung für nachhaltige Entwicklung – OER“ (BNE-OER) ist ein Projekt im Rahmen der Förderlinie OERContent.nrw. Ziel ist es, angehenden Pädagoginnen und Pädagogen BNE-relevante Inhalte und Fragestellungen nahezubringen. Neben der Universität zu Köln (UzK) sind die Fachhochschule Südwestfalen sowie die Bergische Universität Wuppertal beteiligt. Robin Schönstein von der UzK erklärt im Interview, warum OER aus seiner Sicht ein wichtiger Beitrag in der Hochschullehre sind.

 

Herr Schönstein, warum sollte man OER nutzen und bereitstellen?

Robin Schönstein: „Alles, was wir wissenschaftlich produzieren, veröffentlichen wir, damit andere darauf aufbauen können. Das ist das Prinzip von Wissenschaft. Das Prinzip ist aber in der Lehre und in der Didaktik bisher kaum verankert. Wenn man einen Kurs für die universitäre Lehre entwirft, wird dieser meist nur von einem Dozenten genutzt und nur wenige Male umgesetzt. OER bietet die Möglichkeit, dass das nicht passiert. Durch OER können wir das Wissen auch aus der Lehre verbreiten und anderen zugänglich machen.“

 

Wann haben Sie persönlich von OER profitiert?

Schönstein: „In unserem Projekt ‚BNE-OER‘ haben wir verschiedene Lehreinheiten entwickelt, die ich direkt in meinem Seminar anwenden konnte. Dabei ging es auch um Themen wie zum Beispiel ’nachhaltige Lieferketten‘, in denen ich nicht der absolute Experte bin. Ich habe die Inhalte aber nehmen können und so vom Fachwissen meines Kollegen profitiert.“

 

Welches OER-Material ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Schönstein: „Das oben angesprochene Material zu nachhaltigem Konsum hat mir wirklich sehr geholfen. Dabei ging es um interessante Themen wie nachhaltige Kleidung oder den Konsum von Elektrogeräten. Es wäre sicher auch möglich gewesen, das Material selbst zu erstellen oder zusammenzustellen, das wäre aber viel aufwendiger gewesen, und darüber hinaus war in dem Falle der Ersteller auch ein absoluter Fachmann auf diesem Gebiet.“

 

Was wünschen Sie sich, wenn Sie Material veröffentlichen?

Schönstein: „Ich hoffe, dass es gesehen und genutzt wird. Noch viel wichtiger finde ich aber, dass es nicht als fertig angesehen, sondern sukzessive verbessert wird. So wie Wissenschaft nicht stehenbleibt, sollte auch Lehre nicht stehenbleiben. Ich freue mich also drauf, wenn unser Material heruntergeladen, weiterentwickelt und dann wieder veröffentlicht wird.“

 

 

Zur Person:

Robin Schönstein promoviert seit April 2022 am Institut für Geographiedidaktik an der Universität zu Köln. Seinen Bachelor und Master auf Lehramt in Geographie und Geschichte absolvierte er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, arbeitete anschließend als Grundschullehrer in Solingen und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum. Im Projekt BNE-OER ist er seit Beginn involviert.

 

 

Auf LinkedIn präsentiert Robin Schönstein seine „3 Gründe für OER“.

10/2023: ORCA.nrw zum Studieneinstieg

Im Oktober standen bei ORCA.nrw die Studierenden im Fokus – genau gesagt die Erstsemester-Studierenden. Mit besonderen Angeboten unterstützt sie das Landesportal, um einen perfekten Start ins Studium zu ermöglichen. Darüber hinaus werfen zwei Tagungen ihre Schatten voraus und verschiedene interessante OER-Projekte standen im Fokus. Das alles lesen Sie wie gewohnt im Monats-Überblick „Neues aus der Geschäftsstelle“.

 

Anna SancilloBegrüßung der Erstsemester-Studierenden

Das neue Semester ist gestartet, und an Nordrhein-Westfalens Hochschulen wurden im Oktober natürlich auch alle Erstsemester-Studierenden begrüßt. Um sie beim Einstieg ins Studium bestmöglich zu unterstützen, hat das Landesportal ORCA.nrw in diesem Monat in besonderem Maße auf die speziell zusammengestellten Inhalte auf der Seite Studieneingangsphase aufmerksam gemacht. In zahlreichen Begrüßungs-Tüten an den Hochschulen freuten sich die Erstsemester-Studierenden über Postkarten mit Link zu den Online-Angeboten, darüber hinaus informierten die ORCA.nrw-Netzwerkstellen wie Anna Sancillo an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (im Bild) persönlich. Im Bereich der Studieneingangsphase finden Studierende auf ORCA.nrw unter anderem digitale und kostenfreie Online-Kurse zur Vorbereitung auf Bereiche wie Mathematik oder wissenschaftliches Arbeiten. Vorbeischauen lohnt sich!

 

Noch anmelden zur ORCA.nrw-Tagung

Der Countdown läuft: In gut einem Monat, am 28. November, findet die zweite offizielle Tagung vom Stifterverband und ORCA.nrw unter dem Motto „Digitale Transformation der Hochschullehre“ im Veranstaltungszentrum an der Ruhr-Universität Bochum statt. Die Anmeldung zur Veranstaltung ist noch möglich, aufgrund der hohen Nachfrage sollten sich Interessierte aber beeilen. Auf dieser Seite finden Sie alle Informationen, und dort werden in den kommenden Tagen auch weitere Neuigkeiten zum Programm veröffentlicht.

 

InDigO-Tagung in Paderborn

An der Universität Paderborn findet bereits in der Woche zuvor, am Freitag, den 24. November, die Tagung des Projekts InDigO statt. Im InDigO-Projekt wird am Beispiel der Themen Inklusion und inklusive Medienbildung untersucht, wie und unter welchen Voraussetzungen Lehrende in Lehramtsstudiengängen OER in ihre Lehre einbinden können. Insgesamt sind sieben NRW-Hochschulen sowie das Landesportal ORCA.nrw beteiligt. Auf der Tagung steht der interdisziplinäre Austausch über eine Kultur des Teilens im Fokus. Anmeldungen sind hier möglich.

 

Projekte stellen sich vor

Die beliebte Veranstaltungsreihe „Lehre verbindet NRW“ von HD@DH.nrw und ORCA.nrw bot auch im Oktober wieder ein Highlight. Fabian Dillendörfer von der TU Dortmund stellte die Arbeit des OERContent.nrw-geförderten OER-Projekts „TZdigital.nrw“ vor. Für alle, die nicht dabei sein konnten: In den kommenden Wochen wird es ein ausführliches Porträt über das Projekt in unserem ORCA.nrw-Blog geben. Im November geht die Reihe übrigens weiter, unter anderem stellt sich am 16. November das OERContent.nrw-Projekt „LArS.nrw“ vor, in dem ein digitales Lehr-Lern-Angebot für angehende Lehrkräfte in sozialwissenschaftlichen Fächern entwickelt wird. Alle Infos zu „Lehre verbindet NRW“ sowie die Anmeldeoptionen finden Sie hier.

 

OER-Tipp des Monats

Für den OER-Tipp des Monats Oktober hat man am besten ein VR-Headset parat. Es wird virtuell, und möglich macht das das Projekt „Extended Reality in der Lehre“. Unter der Leitung von Prof. Dr. Karsten Lehn wurden an der FH Dortmund OER-Materialien erstellt, die Studierenden sehr praxisorientiert die Grundlagen von Extended Reality, einer Bündelung von Augmented und Virtual Reality, nahebringt. Mithilfe der Materialien sollen Studierende auch erste eigene XR-Applikationen erstellen können. Mehr dazu gibt’s hier